Nachrichten aus der Wirtschaft

Foto: epa/Focke Strangmann
Foto: epa/Focke Strangmann

Immobilienboom beschert Baubranche Rekord-Neugeschäft

WIESBADEN: Der Immobilienboom hat der deutschen Baubranche zu Jahresbeginn florierende Geschäfte gebracht. Die Auftragseingänge stiegen im Januar bereinigt um den Effekt von Kalendertagen und Preisänderungen um 6,3 Prozent zum Vorjahresmonat, teilte das Statistische Bundesamt mit. Mit rund 6,4 Milliarden Euro habe das Bauhauptgewerbe das beste je gemessene Neugeschäft in einem Januar erzielt. In dem Monat stiegen die Auftragseingänge demnach um 9,1 Prozent gemessen am Januar 2019.


Einigung in den USA auf Billionen-Dollar-Konjunkturpaket

WASHINGTON: In den USA ist der Weg frei für das Konjunkturpaket zur Linderung der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie. Es soll laut der Nachrichtenagentur Bloomberg 2 Billionen Dollar umfassen. Die Parteien haben sich geeinigt, wie der führende Demokrat im Senat, Chuck Schumer, und der republikanische Mehrheitsführer, Mitch McConnell, in Washington am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) mitteilten. Das Konjunkturpaket soll unter anderem direkte Hilfszahlungen an die US-Steuerzahler umfassen, eine deutliche Verbesserung der Arbeitslosenversicherung, mehr Geld für Krankenhäuser und ein umfassendes Kreditprogramm für Unternehmen.


Reallöhne auch 2019 gestiegen - mehr Kaufkraft für Arbeitnehmer

WIESBADEN: Arbeitnehmer in Deutschland haben auch 2019 unter dem Strich mehr Geld in der Tasche als im Vorjahr. Die um die allgemeine Preissteigerung bereinigten Verdienste, die Reallöhne, stiegen nach endgültigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes im Schnitt um 1,2 Prozent. Nominal nahmen die Löhne im Schnitt um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Die Verbraucherpreise erhöhten sich um 1,4 Prozent. Unter dem Strich blieb so ein Plus von 1,2 Prozent. Seit 2014 gab es bei Reallöhnen auf Jahressicht ein Plus.


Klopapier statt Bier: Nachfragexplosion im Handel

WIESBADEN/KÖLN: Die Corona-Krise hat in Deutschland zuletzt die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln und Toilettenpapier, aber auch nach Nudeln und Dosentomaten regelrecht explodieren lassen. Das geht aus Zahlen des Statistische Bundesamtes hervor. Danach kauften die Verbraucher in der vergangenen Woche mehr als vier mal so viel Seife und mehr als drei mal so viel Toilettenpapier wie im Schnitt der vorangegangenen sechs Monate. Die Statistiker stützten sich auf digital verfügbare Kassendaten. Ende Februar hätten sich die Verkaufszahlen für Mehl, Seife und Nudeln mehr als verdoppelt. Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln stieg auf mehr als das Siebenfache, eine Woche später dann auf mehr als das Achtfache des üblichen Niveaus. Danach brach der Absatz wieder ein.


Eon will Corona-Krise trotzen - sind «besonders widerstandfähig»

ESSEN: Der Energiekonzern Eon sieht sich für die Bewältigung der Coronavirus-Krise gut gewappnet. Das neue Geschäftsmodell mit der Konzentration auf Energienetze und das Kundengeschäft sei «besonders widerstandsfähig», sagte Vorstandschef Johannes Teyssen am Mittwoch. Eon sei durch die Übernahme der RWE-Tochter Innogy zum größten Betreiber von Energienetzen in Europa geworden. Die beiden Energieriesen Eon und RWE haben Innogy unter sich aufgeteilt. Der Konzernumsatz ist vor allem durch die Übernahme um mehr als 10 Milliarden Euro auf 41,5 Milliarden Euro gestiegen. Trotz Corona-Krise will Eon seinen Gewinn im laufenden Jahr steigern.


Rückholprogramm bei Tui fast beendet - Gespräche zu Staatshilfen

HANNOVER: Die Tui hat ihr Rückholprogramm für im Ausland gestrandete Urlauber bei den eigenen Kunden und Auftragsflügen für das Auswärtige Amt fast vollständig abgeschlossen. Zwischen 94 und 95 Prozent der wegen der Corona-Krise festsitzenden Touristen seien mittlerweile wieder in Deutschland, hieß es am Mittwoch aus der Unternehmenszentrale. Binnen zehn Tagen habe die Konzernlinie Tuifly knapp 70 000 Menschen mit 350 Flügen in die Bundesrepublik gebracht. Das Krisenzentrum arbeite daran, noch Kunden aus Fernzielen wie Thailand, Mauritius, Mexiko oder Sri Lanka einen Heimflug anzubieten.


Thyssenkrupp streicht im Stahlgeschäft 3.000 Stellen

ESSEN: Thyssenkrupp hat sich mit der IG Metall über den Abbau von 3.000 Stellen in seinem Stahlbereich geeinigt. Ein Tarifvertrag sieht vor, dass betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen. Die Beschäftigungssicherung gilt bis 31. März 2026, wie Thyssenkrupp am Mittwoch mitteilte. Vom Stellenabbau sind 2.000 Mitarbeiter in der Produktion und 1.000 in der Verwaltung betroffen. Das Unternehmen hatte im Stahlbereich Ende 2019 rund 28.000 Mitarbeiter. Der Konzern muss seinen Stahlbereich im Alleingang sanieren, nachdem die EU-Kommission die lange vorbereitete Fusion mit der europäischen Stahlsparte des indischen Konkurrenten Tata untersagt hatte.


Anleger nutzen Erholung für Verkäufe - Dax im Minus

FRANKFURT/MAIN: Der Sprung über die 10.000 Punkte im Dax währte am Mittwoch nur kurz. Am Vormittag hatte der deutsche Leitindex bis auf 10.137 Punkte zugelegt und damit seinen starken Kurszuwachs vom Vortag zunächst ausgebaut. Nach langen Verhandlungen hatten sich das Weiße Haus und die Demokraten in Washington auf ein billionenschweres Konjunkturpaket geeinigt, das hatte die Kurse weiter angetrieben. Dann aber nutzten Anleger das wieder höhere Niveau für Verkäufe. So sank der Dax am frühen Nachmittag um 0,77 Prozent auf 9.626,11 Punkte.


Hafenkonzern HHLA kann Verluste durch Coronavirus nicht mehr aufholen

HAMBURG: Der Hamburger Hafen ist für die Versorgung Deutschlands wichtiger als jeder Supermarkt. Der Vorstand des größten Umschlagbetriebs HHLA versichert, dass der Betrieb in der Corona-Krise ohne Einschränkungen weitergeht.

Der Hamburger Hafenkonzern HHLA wird die massiven Umschlagrückgänge durch das Coronavirus im weiteren Verlauf des Jahres nicht mehr aufholen können. In den kommenden Wochen erreichen weniger Schiffe aus China die HHLA-Kais, die zudem teilweise nur halb mit Containern gefüllt sein werden, berichtete die Vorstandsvorsitzende Angela Titzrath am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Der Vorstand hatte bereits in der vergangenen Woche eine Gewinnwarnung für die Aktionäre herausgegeben und einen Einbruch bei Umsatz und Ergebnis angekündigt.

«Die Produktion in China ist wieder angelaufen», sagte Titzrath. «Die Schiffe, die jetzt dort losfahren, sind voll.» Sie werden den Hamburger Hafen Ende April und Anfang Mai erreichen und den Umschlag vorübergehend in die Höhe treiben. Anschließend sei mit einer Normalisierung der Lage zu rechne. Ob dann die Waren reibungslos vom Hafen in das deutsche und europäische Hinterland transportiert werden können, werde davon abhängen, ob und wie weit das wirtschaftliche Leben bis dahin wieder Tritt gefasst haben wird.

Der Hamburger Hafen und damit auch die HHLA als größter Umschlagbetrieb ist zu rund einem Drittel vom Warenverkehr mit China abhängig. Von dort kommen nicht nur Konsumgüter wie Kleidung und Elektroartikel, sondern auch Bauteile für die deutsche Industrie. «Wir sind uns unserer Verantwortung als Dienstleister für die Industrienation Deutschland bewusst», sagte Titzrath. Der Vorstand habe eine Vielzahl von Maßnahmen getroffen, um sowohl die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen als auch die Arbeit auf den Terminals und den Bahnbetrieb aufrecht zu erhalten. Dennoch spreche der Vorstand mit dem Betriebsrat vorsorglich auch über mögliche Kurzarbeit.

Unabhängig vom Coronavirus haben sich die Wettbewerbsbedingungen für die HHLA in den vergangenen Jahren verschärft. Die Zahl der großen Containerreedereien hat sich von 21 auf 11 halbiert, die sich in drei großen Allianzen zusammengefunden haben. Sie kontrollieren 80 Prozent der Containerschifffahrt und haben so eine erhebliche Marktmacht auf der Nachfrageseite entwickelt. Die OECD sprach bereits von einem «ruinösen Wettbewerb» der Hafenbetriebe. Die HHLA stelle sich auf die veränderte Situation ein, indem sie neue, vor allem digitale Geschäftsfelder entwickele, ihren Service weiter ausbaue, Umschlag und Logistik noch enger verknüpfe und in ertragversprechende Projekte investiere.

Das abgelaufene Jahr endete für die HHLA mit einem Umsatzplus von 7,1 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss des Konzerns nach Anteilen anderer Gesellschafter verringerte sich um acht Prozent auf 103 Millionen Euro. Die Aktionäre erhalten eine Dividende von 70 Cent je Aktie, nach 80 Cent im Vorjahr. Das diene unter den gegebenen Umständen auch der Schonung der Liquidität.

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