Guaidó will humanitäre Hilfe mit Tausenden Helfern ins Land holen

Foto: epa/Cristian Hernandez
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CARACAS (dpa) - Seit Wochen versucht der selbsternannte Interimspräsident, die Militärs auf seine Seite zu ziehen. Bislang stößt Juan Guaidó bei den Soldaten allerdings auf taube Ohren. Jetzt stellt er seine eigenen Brigaden auf, um Hilfsgüter ins Land zu holen.

Im Machtkampf zwischen Regierung und Opposition in Venezuela haben Tausende freiwillige Helfer ihren Einsatz für humanitäre Hilfe versprochen. Sie legten am Samstag in der Hauptstadt Caracas einen Schwur ab, bei der Verteilung der Hilfsgüter in dem südamerikanischen Land zu helfen. «Wir werden Brigaden aufstellen, die die Hilfsgüter ins Land bringen», sagte der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó.

Mit Hilfe der Gewerkschaft der Lastwagenfahrer würden die Lieferungen am 23. Februar von den Sammelstellen in den Nachbarländern nach Venezuela geholt. In der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta stehen bereits tonnenweise Hilfsgüter bereit und die USA schafften weitere Lieferungen in die Region.

Am Samstag landete in Cúcuta ein US-Militärtransportflugzeug vom Typ C-17. Die Maschine brachte Nahrungsergänzungsmittel und Hygienekits von der US-Militärbasis Homestead im Bundesstaat Florida in das Grenzgebiet, wie die Zeitung «El Nacional» berichtete.

Der umstrittene Staatschef Nicolás Maduro hält die humanitäre Hilfe allerdings für einen Vorwand für eine militärische Intervention und will sie nicht ins Land lassen. «Die Streitkräfte sind darauf vorbereitet, das Land zu verteidigen», sagte er.

Guaidó rief die Soldaten dazu auf, sich auf die Seite der Opposition zu stellen und die Hilfe durchzulassen. «Sie haben jetzt sieben Tage Zeit, sich auf die Seite der Verfassung zu stellen und das Richtige zu tun», sagte er.

Parlamentschef Guaidó hatte sich am 23. Januar selbst zum Interimspräsidenten ernannt und Maduro damit offen herausgefordert. Zahlreiche Staaten, darunter die USA und Deutschland, haben ihn als rechtmäßigen Übergangsstaatschef anerkannt. Maduro kann sich auf Russland, China und die Türkei, Kuba, Bolivien und Nicaragua sowie die Südafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft stützen. Auch die mächtigen Streitkräfte des Landes stehen noch an seiner Seite.

Bei der Münchner Sicherheitskonferenz forderten die USA die Europäische Union noch einmal eindringlich auf, Guaidó einheitlich als «einzigen legitimen Präsidenten Venezuelas» anzuerkennen. Hintergrund der Forderungen ist, dass die Europäische Union in der Frage des Umgangs mit Guaidó bislang keine geschlossene Haltung hat. Deutschland und etliche andere europäische Staaten erkennen Guaidó als Übergangspräsident an, Italien aber zum Beispiel nicht. «Nicolás Maduro ist ein Diktator ohne legitimen Machtanspruch», sagte US-Vizepräsident Mike Pence über den amtierenden Staatschef.

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