Guaidó-Stellvertreter festgenommen

Foto: epa/Miguel Gutierrez
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CARACAS (dpa) - Vor etwa einer Woche probte der selbst ernannte Übergangspräsident Guaidó den Aufstand gegen Staatschef Maduro in Venezuela. Nun lässt die Justiz des Krisenlandes einen der beteiligten Oppositionellen verhaften.

Rund eine Woche nach einem gescheiterten Umsturzversuch in Venezuela ist ein enger Mitarbeiter von Oppositionschef und Parlamentspräsident Juan Guaidó verhaftet worden. Edgar Zambrano, stellvertretender Vorsitzender des von der Opposition kontrollierten Parlaments, sei am Mittwochabend (Ortszeit) vom Geheimdienst Sebin festgenommen worden, teilte die Nationalversammlung mit. Die zuständige Expertin aus dem US-Außenministerium für die Region, Kimberly Breier, kritisierte die Festnahme und forderte Zambranos sofortige Freilassung.

Der 63-jährige Politiker der sozialdemokratisch ausgerichteten Partei Acción Democrática (AD) sei ins berüchtigte Gefängnis Helicoide in der Hauptstadt Caracas gebracht worden, ergänzte die Nationalversammlung. Zambrano selbst schilderte auf Twitter, er habe sich geweigert, aus seinem Auto auszusteigen. Daraufhin seien er und seine Begleiter in dem Fahrzeug mit einem Abschleppwagen fortgebracht worden. «Wir Demokraten kämpfen weiter», schrieb er.

Guaidó, der sich im Januar zum Übergangspräsidenten erklärt hatte, verurteilte die Verhaftung als «Entführung». Die Regierung von Staatschef Nicolás Maduro versuche auf diese Weise, das Parlament auszuschalten, schrieb er auf Twitter. Der stellvertretende Vorsitzende der regierenden sozialistischen Partei, Diosdado Cabello, warf Zambrano dagegen vor, einer «der Anführer des Putsches vom 30. April» gewesen zu sein. Er habe 9000 Dollar in bar bei sich gehabt, sagte er im staatlichen Fernsehen VTV.

Gegen Zambrano wird wegen Vaterlandsverrats, Rebellion und Verschwörung ermittelt, weil er sich an einem gescheiterten Aufstand in der vergangenen Woche beteiligt habe. Guaidó war zusammen mit dem aus dem Hausarrest befreiten Oppositionsführer Leopoldo López und mehreren abtrünnigen Soldaten vor dem Luftwaffenstützpunkt La Carlota in Caracas aufgetaucht und hatte das Militär aufgerufen, sich auf die Seite der Opposition zu schlagen. Der Oberste Gerichtshof ließ Ermittlungsverfahren gegen mehrere oppositionelle Abgeordnete zu, deren parlamentarische Immunität zuvor aufgehoben worden war.

Breier vom US-Außenministerium warnte auf Twitter, die «willkürliche» Festnahme Zambranos sei illegal und unentschuldbar. «Maduro und seine Kumpane sind direkt für die Sicherheit Zambranos verantwortlich. Wenn er nicht sofort freigelassen wird, hat dies Konsequenzen», fügte sie hinzu.

Der Umsturzversuch am 30. April scheiterte zunächst, weil die Streitkräfte der sozialistischen Regierung die Treue hielten. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und staatlichen Sicherheitskräften kamen in den folgenden Tagen mindestens fünf Menschen ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt.

Die USA, viele EU-Staaten und zahlreiche Länder in Lateinamerika haben Guaidó als Interimspräsidenten anerkannt. China, Russland, die Türkei sowie Kuba, Bolivien und Nicaragua hingegen stützen weiterhin Maduro.

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