Im Iran steht alles auf der Kippe

​Grünen-Chef Nouripour 

Demonstration im Iran nach dem Tod von Mahsa Amini. Foto: epa/Str
Demonstration im Iran nach dem Tod von Mahsa Amini. Foto: epa/Str

BERLIN: Angesicht der Proteste im Iran steht für den Grünen-Chef Omid Nouripour in dem Land alles auf der Kippe. «Die Leute wollen nicht mehr gegängelt werden und ein System aushalten, das ausschließlich auf Gängelung ausgerichtet ist», sagte der in Teheran geborene Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag).

Auslöser der Proteste ist der Tod der 22 Jahre alten Iranerin Mahsa Amini. Die junge Frau wurde vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar. Jedenfalls fiel sie ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück.

Zu den Protesten sagte Nouripour, die Lage sei diesmal anders als früher. Es gebe sehr viele Stimmen aus dem Regime selbst, die kritisierten, was geschehen sei. «Es steht alles auf der Kippe», sagte Nouripour. Die Menschen im Iran hätten ihre Wünsche nach Veränderung jahrzehntelang artikuliert und keinen Glauben mehr an Reformen und Reformer. Die Demonstranten schrieben den Regimewechsel nicht auf ihre Fahnen. Aber sie hielten dieses Regime einfach nicht mehr aus. Er bezweifle, «dass das Regime noch die Kraft für grundlegende Reformen hat».

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