Große Themen bei Steinmeier-Besuch im Vatikan

Deutsch Bundespräsident Steinmeier besucht den Malteserorden in Rom. Foto: epa/Riccardo Antimiani
Deutsch Bundespräsident Steinmeier besucht den Malteserorden in Rom. Foto: epa/Riccardo Antimiani

ROM: Knapp eine Stunde nahm sich Papst Franziskus für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Zeit. Auf der Themenliste standen drängende Probleme - und auch die katholische Kirche in Deutschland.

Flüchtlinge, Klimagipfel und die Kirche in Deutschland: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat mit Papst Franziskus über drängende Probleme der Welt gesprochen. «Ich freue mich und es ist mir eine große Ehre, dass Papst Franziskus meine Frau und mich empfangen hat», sagte der 65-Jährige nach der rund 50 Minuten langen Privataudienz am Montag im Vatikan. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hatte den Protestanten im Apostolischen Palast empfangen. Franziskus erreichte den Palast vor Steinmeier - in einem Kleinwagen.

Der Argentinier habe tiefen Eindruck hinterlasse und man freue sich schon auf das nächste Gespräch, sagte Steinmeier. Anschließend traf er die Nummer zwei im Vatikan, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Danach fuhr er zu einem Termin beim Souveränen Malteserorden in Rom.

Steinmeier übte Kritik an Europas Flüchtlingspolitik. Das Thema ist brisant wegen gestiegener Ankunftszahlen von Migranten über das Mittelmeer etwa in Italien, der Besorgnis erregenden Lage an der belarussisch-polnischen Grenzen und der Afghanistan-Krise. Franziskus hatte am Sonntag bei seinem Angelus-Gebet gefordert, Flüchtlingen aus Libyen Schutz und Zugang zu Asylverfahren zu garantieren.

Steinmeier erklärte, er bedaure es sehr, dass in der Vergangenheit in Europa kein gemeinsamer Weg in der Flüchtlingspolitik gefunden worden sei. «Die Folgen davon sehen wir jetzt am unabgestimmten Verhalten innerhalb der Europäischen Union.» Der Papst habe sich erkundigt, wie sich die Flüchtlingsbewegungen aus Belarus auf Deutschland auswirkten. Er und Franziskus hätten Einigkeit bekundet, dass das Verhalten von Minsk, Menschen aus dem Nahen Osten zu holen und sie an unterschiedliche Grenzen zu schicken, nicht zu billigen sei.

Franziskus mache sich nach den Worten Steinmeiers Sorgen um die Vereinbarungen, die beim Weltklimagipfel COP26 in Glasgow getroffen werden sollen. Diese drohen hinter den Erwartungen zu bleiben. Franziskus wollte ursprünglich selbst zum COP26 reisen - dann aber sah der Pontifex doch vom Flug ab und schickt stattdessen Parolin.

Im Gespräch Steinmeiers mit dem Argentinier war auch die katholische Kirche in Deutschland Thema. Der Bundespräsident rief diese auf, ihre Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. «Dazu zählt natürlich auch die Aufarbeitung von Missbrauchsskandalen aus der Vergangenheit», sagte der gebürtige Ostwestfale. Es sei die Erwartung von Politik und vor allem den Betroffenen und Opfern, dass die katholische Kirche hier Transparenz schaffe und beispielhaft vorangehe.

Steinmeier freute zudem, dass Franziskus ebenfalls am Montag etwa 500 überwiegend junge Menschen aus Sachsen-Anhalt empfing. Diese sind mit dem Projekt «mit Luther zum Papst» unterwegs. Franziskus sagte bei dem Treffen mit den Pilgern, es sei wichtig, auf die anderen zu hören. «Die Hörbereitschaft wünsche ich mir für die Kirche», erklärte der Papst laut einer Mitteilung des Vatikans. Man sei dabei, diese Bereitschaft im weltweiten synodalen Prozess «neu einzuüben».

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