Grand-Slam-Geschichte: Russischer Qualifikant Karazew im Halbfinale

Aslan Karazew in Aktion. Foto: Dean Lewins/dpa
Aslan Karazew in Aktion. Foto: Dean Lewins/dpa

MELBOURNE: Die 35 Jahre alte Taiwanesin Hsieh Su-Wei und der russische Qualifikant Aslan Karazew stellen bei den Australian Open Grand-Slam-Rekorde auf - mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Als erster Spieler in der Geschichte des Profitennis hat der Russe Aslan Karazew bei seinem Grand-Slam-Debüt das Halbfinale erreicht. Bei den Australian Open in Melbourne gewann der 27 Jahre alte Qualifikant aus Russland am Dienstag gegen den angeschlagenen Bulgaren Grigor Dimitrow 2:6, 6:4, 6:1, 6:2. Damit kämpft die Nummer 114 der Weltrangliste völlig überraschend am Donnerstag gegen den Hamburger Alexander Zverev oder Titelverteidiger Novak Djokovic aus Serbien um den Einzug in das Endspiel.

Dimitrow hatte im Achtelfinale den US-Open-Sieger und Vorjahresfinalisten Dominic Thiem aus Österreich bezwungen, war gegen Karazew aber offenbar durch Rückenschmerzen gehandicapt und konnte sich gegen Ende der Partie nur noch mit Mühe über den Platz bewegen. Nach 2:32 Stunden machte Karazew seinen historischen Erfolg perfekt.

Erst über die Qualifikation, die wegen der Coronavirus-Pandemie und der strengen Einreisebestimmungen nach Australien in Doha ausgespielt wurde, hatte er sich einen Platz im Hauptfeld gesichert. Nun ist er der laut Weltrangliste am niedrigsten notierte Spieler im Halbfinale von Melbourne seit Patrick McEnroe im Jahr 1991 und im Halbfinale eines Grand Slams seit Goran Ivanisevic 2001 in Wimbledon.

Bei den Damen erreichte die dreimalige Grand-Slam-Turniersiegerin Naomi Osaka als erste Spielerin das Halbfinale. In nur 66 Minuten entschied die 23 Jahre alte Japanerin ihre Partie gegen die zwölf Jahre ältere Hsieh Su-Wei aus Taiwan mit 6:2, 6:2 für sich. «Gegen sie ist es jedes Mal eine große Herausforderung, weil ich nie genau weiß, was sie mit dem Ball machen wird», sagte Osaka nach dem Erfolg gegen die Doppelspezialistin mit der beidhändigen Vor- und Rückhand.

Im Kampf um den Einzug ins Endspiel trifft die Melbourne-Siegerin von 2019 am Donnerstag auf die 23-malige Grand-Slam-Turniersiegerin Serena Williams aus den USA oder die an Nummer zwei gesetzte Rumänin Simona Halep. In den Viertelfinals am Mittwoch stehen sich die Weltranglisten-Erste Ashleigh Barty aus Australien und die Tschechin Karolina Muchova sowie die Amerikanerinnen Jessica Pegula und die vom Deutschen Michael Geserer trainierte Jennifer Brady gegenüber.

«Normalerweise schaue ich nie auf mein Tableau, aber jeder hat mich darauf angesprochen. Also hatte ich keine andere Wahl als zu wissen, wer meine nächste Gegnerin sein wird», sagte die Weltranglisten-Dritte nach ihrem 19. Erfolg nacheinander. «Wer auch immer es sein wird, ich freue mich drauf», sagte Osaka.

Vor der Unterbrechung der Saison im vergangenen Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie hatte Osaka zuletzt im Februar 2020 im Fed Cup eine Niederlage hinnehmen müssen. Seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Herbst gewann Osaka vier Partien beim von Cincinnati nach New York verlegten WTA-Turnier, ehe sie wegen einer Verletzung nicht zum Endspiel gegen Victoria Asarenka aus Belarus antreten konnte. Bei den US Open holte sie anschließend nach sieben Matches und dem Finale gegen Asarenka zum zweiten Mal nach 2018 den Titel.

Beim Vorbereitungsturnier auf die Australian Open siegte Osaka drei Mal, ehe sie wegen einer Schulterverletzung zurückzog. Mit dem Erfolg gegen Hsieh Su-Wei kommt sie nun auf fünf weitere Siege - wobei ihr vor allem das Achtelfinale gegen die Vorjahresfinalistin Garbiñe Muguruza aus Spanien, das sie nach der Abwehr zweier Matchbälle gewann, Selbstvertrauen gegeben hat. Hsieh Su-Wei durfte sich dennoch über einen Rekord freuen: Mit 35 Jahren ist sie der älteste Tennisprofi bei Damen und Herren, der in diesem Alter seine Premiere in einem Grand-Slam-Viertelfinale feierte.

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