Gorbatschow fordert Umdenken der Weltpolitik

Mikhail Gorbachev  war 1985 bis 1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Foto: Wikpiedia/Veni
Mikhail Gorbachev war 1985 bis 1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. Foto: Wikpiedia/Veni

MOSKAU: Angesichts der Corona-Pandemie hat der russische Friedensnobelpreisträger und Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow die Weltgemeinschaft zu einem Umdenken in der internationalen Zusammenarbeit aufgerufen.

«Krieg und Wettrüsten können die aktuellen globalen Probleme nicht lösen», sagte der 89-Jährige der Agentur Interfax am Donnerstag. «Wir brauchen jetzt eine Umverteilung des Budgets. Das Geld soll nicht für Kriegsziele, sondern für die Sicherheit der Menschen verwendet werden.» Das Wichtigste sei nun, die Wasser- und Lebensmittelversorgung aller Menschen sicherzustellen. International müsse der Gesundheit der Bevölkerung bedingungslose Priorität eingeräumt werden.

«Wir brauchen jetzt eine Entmilitarisierung der Weltpolitik, der internationalen Beziehungen und des politischen Denkens», sagte Gorbatschow. Sobald sich die Situation in den einzelnen Ländern stabilisiere, müsse eine außerordentliche Vollversammlung der Vereinten Nationen angesetzt werden. «Dort muss eine vollständige Überarbeitung der Tagespolitik stattfinden.»

Gorbatschow war bis 1991 Staatschef der Sowjetunion. Nach ihrem Zerfall gründete er unter anderem den Gorbatschow-Fonds, der sich für demokratische Reformen einsetzt. Gorbatschow zählt wegen seines hohen Alters und seiner angeschlagenen Gesundheit zu der Risikogruppe für die Lungenkrankheit Covid-19. Er halte alle Vorgaben ein und arbeite nur noch von zu Hause aus, sagte er in dem Interview. Das sei sehr gewöhnungsbedürftig. Er koordiniere seine Arbeit am Telefon. Zudem wolle er in der Selbstisolation an einem neuen Kapitel seines Buches arbeiten.

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Peter Fässler 03.04.20 22:39
Was für ein Staatsmann
Wäre der Rest der Welt von solch fähigen Politikern mit ehrlichen Absichten und der Durchsetzungsstamina regiert, dann wären Aufrufe wie dieser hier nicht nötig. Wie irrelevant solche Aufrufe in der Zukunft verfolgt werden, sei an der kürzlichen Hysterie zu Themen wie Klimawandel, Greta Thunberg oder den armen, armen Migrationsböötlifahrer quer durchs Mittelmeer bewiesen. Kein Mensch schwätzt über die Themen mehr und Merkel, welche vor weniger als einem Jahr Grenzkontrollen aus personeller und finanzieller Sicht als schlichtweg nicht wieder umsetzbar bezeichnet hat. Nun, sie vollbrachte ein Wunder, welches eine Reise nach Lourdes oder Fatima begründen würde, denn innert 24 Stunden war Deutschland wieder kontrolliert.