Gleichberechtigung in Thailand

Callolo und seine Herzallerliebste - Eine humorvolle Geschichte 

Gleichberechtigung in Thailand

"Callolo!" Meine Herzallerliebste fällt mir, völlig außer sich, um den Hals. "Unsere Nachbarin von gegenüber, die Oy"

"Was ist mit Khun Oy?"

"Ich weiß nicht, Callolo, es war schrecklich. Vielleicht ist sie tot. Ihr Mann, ich hab es immer schon gewusst"

"Was hast du immer schon gewusst?"

"Er ist ein Nichtsnutz, ein erbärmlicher Blutsauger, ein Mörder."

"Nun mal ruhig. Eines nach dem anderen. Was ist geschehen?"

"Ang, das ist ihr Mann, der war fast ein ganzes Jahr weg. Gestern kam er zurück und hat Geld von ihr verlangt."

Und dann?"

"Als sie ihm nichts gegeben hat, da ist er ausgerastet."

"Und jetzt?"

"Sie liegt im Hospital, und er ist geflüchtet."

"Was hat er denn im letzten Jahr gemacht?"

"Er hatte einen Farang aus der Schweiz."

"Und sie?"

"Sie hat in der Cosy-Bar gearbeitet."

"Da hatte sie sicher mehr als einen Farang, oder?"

"Callolo, sie hat für ihr Geld ehrlich gearbeitet, aber er"

"Hat er nicht auch?"

"Er hat es zu seinem Vergnügen gemacht."

"Wo, bitte, siehst du den Unterschied, mein Schatz?"

Meine Herzallerliebste schaut mich an, als verstünde sie die Welt nicht mehr, und dann versucht sie, es mir noch einmal in aller Ruhe zu erklären:

"Oy hat einen harten Job gemacht, um Geld zu verdienen. Das ist nicht unehrenhaft."

"Und er?"

"Er hat sich dabei amüsiert. Wahrscheinlich ist er schwul. Er hatte Freude an seinem Farang bis der starb. Dann stand er plötzlich vor dem Nichts."

"Und dann vor seiner Frau?"

"Ja, aber die wollte nichts mehr von ihm wissen."

Wir fuhren ins Hospital und besuchten Khun Oy. Sie war schon auf dem Weg der Genesung. Das Messer hatte ihr Herz nur um wenige Millimeter verfehlt. Meine Herzallerliebste hatte ihr Obst und Schokolade mitgebracht. Khun Oy lächelte uns dankbar an.

"Warum hat er das getan?" fragte ich sie.

"Weil er ein Mann ist," antwortete sie.

Ich schüttelte den Kopf, verstand nicht, was sie meinte.

"Ein Mann ist in Thailand immer noch ein König", entgegnete sie mit schwacher Stimme, "hast du das nicht gewusst?"

Meine Herzallerliebste gab mir das Zeichen zum Aufbruch.

Als wir zu Hause waren sagte sie: "Glaub bloß nicht, was Oy gesagt hat."

"Du meinst also", sagte ich, "hier in Thailand sind Mann und Frau gleichberechtigt?"

"Na ja", meinte meine Herzallerliebste, "vielleicht nicht ganz gleichberechtigt, aber normalerweise stechen wir unsere Kerle nicht gleich ab, wenn sie uns nicht genug Geld geben."

Ich fühlte mich durch diese Aussage innerlich ein wenig beruhigt. Insgeheim nahm ich mir aber vor, ihr Haushaltsgeld bei Gelegenheit ein wenig zu erhöhen.

Sicher ist sicher.

Callolo und seine Herzallerliebste und Angekommen in der Wirklichkeit

Callolo und seine Herzallerliebste

In 130 heiteren Kurzgeschichten hat Autor Carolus in zwei Büchern sich mit unterschiedlichen Erfahrungen, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Thais und Farangs ergeben, verfasst. Die humorvollen Geschichten behandeln das Eheleben zwischen Nai und Callolo. Im Leben der beiden wird viel Toleranz abverlangt. Dass es trotzdem immer wieder ein Happy End geben kann, beweist der Autor, im ersten Buch, in vielen unerwarteten Entwicklungen. Im zweiten Werk hat der Autor seine „rosarote Brille“ abgenommen und erzählt auf ehrliche und gewohnt charmante Weise über Probleme und Schwierigkeiten, die in seiner nicht mehr ganz taufrischen Beziehung zu Nai entstehen.

Die beiden Taschenbücher können Sie im FARANG-Onlineshop bestellen.

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Juergen Bongard 22.03.20 13:20
Hm, ich glaube
ich werde ihr Taschengeld auch erhoehen. Sicher ist Sicher. Callolo hat immer Recht und viel Erfahrung.