Glasfaserausbau

Behörde bewilligt Zusammenarbeit von Telekom und EWE

Ein Leerrohr für Glasfaser wurde auf einem Acker verlegt, aus dem es noch herausragt. Foto: Sina Schuldt/Dpa
Ein Leerrohr für Glasfaser wurde auf einem Acker verlegt, aus dem es noch herausragt. Foto: Sina Schuldt/Dpa

BONN/OLDENBURG (dpa) - Noch immer sind viele Haushalte in Deutschland über dünne Telefonkabel mit dem Netz verbunden - das Übertragungstempo ist mäßig. Glasfaser wäre besser, doch der Ausbau ist teuer. Nun hat eine Behörde eine wichtige Entscheidung zum Ausbau der Netze getroffen.

Beim Glasfaser-Internetausbau dürfen die Deutsche Telekom und der norddeutsche Regionalanbieter EWE künftig Hand in Hand gehen. Nachdem die Unternehmen Zusagen gemacht hatten und künftig zum Beispiel Wettbewerber auf ihre Leitungen lassen, gab das Bundeskartellamt am Donnerstag grünes Licht für einen gemeinsamen Ausbau. Einen entsprechenden Beschluss veröffentlichte die Bonner Behörde am Mittwoch. «Kooperationen können unter den richtigen Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass die Netze zügig ausgebaut werden und die Versorgung der Haushalte mit hohen Bandbreiten schneller verbessert wird», erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt.

Es geht um das Marktgebiet der EWE, also vor allem um Niedersachsen - hier ist es das Gebiet nördlich einer Linie von Osnabrück bis vor die Tore Hamburgs. Hinzu kommen Bremen und in Nordrhein-Westfalen das nördliche Münsterland sowie Ostwestfalen-Lippe und Bielefeld. Die Kooperation ist aber auch für ganz Deutschland wichtig, denn sie könnte Modellcharakter haben für den zukünftigen Netzausbau im Land.

Die ultraschnellen Glasfaser-Leitungen gehen bis in den Keller (Fiber-to-the-Building, FTTB) oder sogar direkt in die Wohnungen (Fiber-to-the-Home; FTTH) und nicht nur bis zum Verteilerkasten auf der Straße. Laut einer Marktstudie des Branchenverbandes VATM waren zuletzt nur 4,3 Prozent der genutzten Internetanschlüsse Glasfaserleitungen - ein Download-Speed von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde ist hier möglich. Die allermeisten Haushalte (72 Prozent) sind hingegen noch über herkömmliche Telefonkabel an das Netz angebunden und kommen zumeist nur auf bis zu 0,25 Gigabit pro Sekunde.

Diese Telefonkabel machen die Mehrheit der Netzleitungen der Deutschen Telekom aus. Konkurrent Vodafone setzt hingegen vor allem auf die schnelleren TV-Kabel, die immerhin auf bis zu ein Gigabit pro Sekunde kommen. Mit dem allmählichen Ausbauschwenk von Telefonkabel auf Glasfaser möchte die Telekom seine Infrastruktur für die in der Zukunft benötigten Datenmassen modernisieren und zugleich seine Marktposition gegenüber dem zuletzt erstarkenden Konkurrenten Vodafone verbessern.

Allerdings mussten die Telekom und EWE umfassende Zugeständnisse machen. So haben sie sich laut Kartellamt verpflichtet, andere Internetanbieter «diskriminierungsfrei» auf ihr Netz zu lassen - Konkurrenten könnten also Verträge verkaufen, ohne in der Region selbst Leitungen zu haben. Außerdem müssen die beiden Firmen weiterhin unabhängig voneinander an Ausschreibungen teilnehmen, wo der Staat mangels Wirtschaftlichkeit den Ausbau fördert - also auf dem Land.

Zudem müssen die Partner in den nächsten vier Jahren 300.000 Anschlüsse neu mit Glasfaser versorgen. Damit werde in dem Gebiet «deutlich mehr ausgebaut als ursprünglich im Rahmen der Kooperation geplant und als bei einem unabhängigen Ausbau der Unternehmen zu erwarten wäre», heißt es vom Kartellamt.

Branchenkenner äußerten sich verhalten. «Es ist gut, dass in dieser Region künftig mehr Glasfaser gebaut wird», sagte Prof. Torsten Gerpott von der Universität Duisburg-Essen. Da die Datenmassen in die Höhe schnellten, sei Glasfaser perspektivisch unverzichtbar. Keine gute Nachricht für den Verbraucher sei, dass sich die beiden größten Marktteilnehmer in der Region künftig weniger Wettbewerb machen werden. Die Auflagen bewertete er als «Selbstverständlichkeiten».

Wettbewerber Vodafone reagierte mit deutlicher Kritik. Die Telekom und EWE planten «nichts Geringeres als ein neues Monopol in Norddeutschland», sagte ein Firmensprecher. Vodafone argwöhnte, dass das neue Gemeinschaftsunternehmen besonders dort Glasfaser-Leitungen verlegen werde, wo bereits TV-Kabel liegen und somit schon ein Gigabit-Downloadspeed möglich sei. Der Sprecher befürchtet, dass der Wettbewerb ausgebremst werde.

Auch der Branchenverband VATM meldete sich zu Wort, bei dem sowohl der Oldenburger Konzern EWE als auch Vodafone Mitglied sind. Das Bundeskartellamt habe sich «redlich Mühe gegeben, eine ausgewogene Entscheidung zu treffen», sagte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. «Mit neuen Ideen schlägt das Bundeskartellamt nun neue Pfade ein, die bislang weder vom deutschen Regulierer genutzt worden sind noch von der EU vorgesehen sind.»

Das Gemeinschaftsunternehmen heißt Glasfaser Nordwest, es wird noch in einem separaten Strang vom Bundeskartellamt durchleuchtet. EWE und Telekom teilten mit, man habe «immer gesagt, dass die Glasfaser Nordwest die modernste Infrastruktur im Nordwesten errichten und diese diskriminierungsfrei allen interessierten Telekommunikationsanbietern zur Verfügung stellen wird».

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Gerhard Pflugfelder 07.12.19 23:30
Post AG, Telekom AG, Gemeinschaftsunternehmen etc.
so heisst das wenn eine staatliche Institution Privatisiert wird. Letztendlich ist das, gerade bei uns in der BRD, Betrug am Bürger. Denn Dieses Unternehmen, wie auch andere, wurden immer aus Steuermitteln finanziert. Anders als in anderen Staaten der EU die schon immer auch private Post- und Telekommunikationsbetreiber hatten. Es gibt Lebensbereiche wie, Post, Telekommunikation, Strassenbau, Bahn, ÖPNV, Gesundheitswesen, innere Sicherheit und Renten, die in Staatshand gehören. Wenn in diesen Bereichen nicht genug Einnahmen erzielt werden können, müssen die Haushalte durch Zahlungen aus Steuermitteln ausgeglichen werden. Denn genau dafür bezahlen wir Steuern! Nicht um stinkfaulen Abgeordnenten ein gemütliches Leben zu ermöglichen.