Gerhard auf seiner letzten Reise

Ein Pattaya-Original ist von uns gegangen

Gerhard Schmid ist am 4. April gestorben. Die Einäscherung fand am 13. April im Wat Pho in Naklua statt. Erst wenige Wochen zuvor, eröffnete er ein neues Restaurant. Fotos: Facebook
Gerhard Schmid ist am 4. April gestorben. Die Einäscherung fand am 13. April im Wat Pho in Naklua statt. Erst wenige Wochen zuvor, eröffnete er ein neues Restaurant. Fotos: Facebook

PATTAYA: Mit Gerhard Schmid ist am 4. April im Alter von 60 Jahren einer der bekanntesten deutschen Gastronomen Pattayas gestorben. Wohl jeder deutschsprachige Urlauber oder Resident, der sein kulinarisches Fernweh nach Speisen aus der Heimat stillen wollte, war schonmal im gleichnamigen Traditionslokal „Bei Gerhard“, von dem er sich erst vor wenigen Monaten getrennt hatte.

Der gelernte Koch stammte aus Heubach in Baden-Württemberg, wo er 1972 seine Lehre absolvierte. In den folgenden Jahren stand er in verschiedenen Restaurants und Hotels in der Küche, so in Freudenstadt im Schwarzwald, am Timmendorfer Strand, in Welzheim, im Bayerischen Wald und in Zürich, bevor es ihn in jungen Jahren in die weite Welt hinauszog. So wagte er 1988 den Schritt in die Selbstständigkeit und führte im marokkanischen Tanger zwei Jahre lang ein Restaurant. Anschließend ging er zurück in die Heimat, wo er ein Speiselokal in Heubach eröffnete.

Fußballfan und Spitzenkoch

Pattaya lernte der Schwabe das erste Mal im Oktober 1995 während eines Urlaubsaufenthaltes kennen. Ursprünglich wollte er nur drei Monate bleiben, fiel jedoch dem berühmt-berüchtigten „Thailand-Virus“ zum Opfer und blieb. Hinzu kam, dass sein Pachtvertrag für sein Restaurant in Deutschland gerade abgelaufen war. Der Besitzer des German Garden Hotels in der Soi 12 in Naklua, ermöglichte ihm schließlich den Start in Pattaya und ließ ihn in der Küche des Hotels den Kochlöffel schwingen. Weitere Stationen waren der „Naklua Grill“ und das „Haus München“, bis er sein eigenes Lokal „Bei Gerhard“ eröffnete, das sich damals noch in der Naklua Road Soi 33 befand.

Gesundheit ließ ihn im Stich

Freunden wird Gerhard durch die ausgelassenen Skat­runden im Lokal stets in bester Erinnerung bleiben, die regelmäßig und feuchtfröhlich mit viel Bier und Schnaps zelebriert wurden. So blieb an den guten Tagen kein Auge tro­cken, wenn Gerhard Anekdoten aus seinem wilden, bunten Leben erzählte...

Die Aufnahme aus dem Jahr 1975 zeigt den jungen Wilden Gerhard (M.) als Koch mit langer Mähne in der Küche.
Die Aufnahme aus dem Jahr 1975 zeigt den jungen Wilden Gerhard (M.) als Koch mit langer Mähne in der Küche.

Wie so oft in Thailand, spielten private Probleme eine entscheidende Rolle, dass sich der 60-Jährige letztes Jahr gezwungen sah, sich von seinem Restaurant in der Naklua Road Soi 31 zu trennen, das bis heute seinen Namen trägt.

Doch als Hans Dampf in allen Gassen wohlbekannt, wagte er noch einmal einen Neustart, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken. Hinter dem Big C Extra eröffnete er erst am 16. März dieses Jahres „Das Wirtshaus“. Aufgrund schwerer Krankheit, Leberzirrhose im Anfangsstadium, blieben die Lichter in dem Lokal kurz nach der Eröffnungsparty jedoch weitestgehend aus.

Große Bestürzung über Tod

Gerhards überraschender Tod, löste tiefe Bestürzung in der deutschsprachigen Residenten-Gemeinschaft aus. Mit ihm ging ein Urgestein Pattayanischer Gastronomie.

Gerhard ist am 4. April auf seine letzte Reise gegangen, aber die Erinnerung an ihn wird bleiben. Möge er in Frieden ruhen.

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