Georgsband geschmäht - US-Doppelstaatler verurteilt

Entfaltung des St.-Georgs-Bandes während des Gedenkens an den Zweiten Weltkrieg am russischen Siegesdenkmal. Foto: epa/Maria Potokina
Entfaltung des St.-Georgs-Bandes während des Gedenkens an den Zweiten Weltkrieg am russischen Siegesdenkmal. Foto: epa/Maria Potokina

ST. PETERSBURG: Russische Behörden verfolgen nicht nur im eigenen Land, was in sozialen Netzwerken geschrieben wird. Wer aus dem Ausland Anstößiges postet und dann nach Russland reist, kann auch Probleme bekommen.

Ein Mann mit doppelter Staatsbürgerschaft Russlands und der USA ist in St. Petersburg wegen Verächtlichmachung des Andenkens an die Sowjetarmee im Zweiten Weltkrieg zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Ein Gericht in Russlands nordwestlicher Metropole verhängte dreieinhalb Jahre Haft in einer Strafkolonie gegen den Mann. Er dürfe außerdem anderthalb Jahre keine Posts im Internet oder auf anderen Kommunikationsmedien absetzen, teilte der Pressedienst des Gerichts am Mittwoch auf Telegram mit.

Zur Last gelegt wurden dem Angeklagten demnach zwei Beiträge im russischen sozialen Netzwerk Odnoklassniki. Darin habe er das orange-schwarze St. Georgsband, das russische Symbol des Sieges der Sowjetarmee über Hitlerdeutschland, auf grobe Weise verunglimpft. Der Angeklagte habe seine Schuld eingestanden. Den Angaben nach lebte der Mann in Brooklyn in New York und arbeitete als Wachmann in einem Sportzentrum. Bei einem Besuch in Russland wurde er im Dezember 2023 festgenommen.

Der Fall belegt erneut, dass die russischen Behörden soziale Netzwerke auf kritische Posts auch aus dem Ausland überwachen. Im Januar wurde eine Frau mit Pässen Russlands und der USA in Jekaterinburg festgenommen. Sie hatte online für eine ukrainische Organisation gespendet. Auch wenn diese und andere Personen aus den USA nicht prominent sind, kann es doch sein, dass Russland sie als Faustpfand für Austauschverhandlungen festhält. Die wegen in Russland Drogenbesitzes verurteilte US-Basketballspielerin Brittney Griner wurde 2022 gegen einen russischen Waffenhändler ausgetauscht.

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