Genuas «offene Wunde» soll verschwinden

Brücken-Abriss gestartet

Foto: epa/Luca Zennaro
Foto: epa/Luca Zennaro

GENUA (dpa) - 43 Menschen sterben, als im August eine Brücke in Genua einstürzt. Ein halbes Jahr später ist das klaffende Loch immer noch zu sehen. Die Brückenreste sollen nun endlich verschwinden.

Ein halbes Jahr nach dem verheerenden Brückeneinsturz in Genua mit 43 Toten haben die Arbeiten zum Abriss der Viadukt-Überreste begonnen. «Das ist die Erlösung von Genua, Ligurien und Italien», sagte Regierungschef Giuseppe Conte am Freitag in der italienischen Hafenstadt.

Zuallererst sollte ein 40 Meter langes Stück des westlichen Brückenrests abgetragen werden. Kein einfaches Unterfangen: Die Arbeiten finden in etwa 45 Metern Höhe statt, und das Teil ist Hunderte Tonnen schwer. Frühestens Freitagabend, möglicherweise aber auch erst Samstag sollte es am Boden ankommen.

Seit mittlerweile sechs Monaten lebt Genua nun mit der gebrochenen Brücke - mit einer «offenen Wunde», die nur schwer wieder vollständig vernäht werden kann, wie Verkehrsminister Danilo Toninelli sagte. Die Brückenreste stünden auch heute noch für den tragischen Tod von Menschen, weshalb sie nun innerhalb weniger Monate abgerissen werden sollen.

Die Worte an diesem Freitag waren bedeutungsschwer - der Beginn der Abrissarbeiten wurde regelrecht in Szene gesetzt. Regierungschef Conte ließ sich von einem Ingenieur das Prozedere erklären. Zum Schutz trug er einen Feuerwehrhelm - so nah waren die Politiker, darunter auch Genuas Bürgermeister Marco Bucci, an die Unglücksbrücke herangekommen.

Eine Drohne flog in die Höhe und zeigte dem Premierminister den Ort der Arbeiten aus der Luft. Live-Videos im Internet dokumentierten das Treiben am Ort der Tragödie.

Der Polcevera-Viadukt war am 14. August 2018 eingestürzt. Zahlreiche Fahrzeuge wurden mit ihren Insassen in die Tiefe gerissen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 20 Personen sowie gegen den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia.

Den Wiederaufbau einer neuen Brücke leitet Stararchitekt Renzo Piano, der ursprünglich aus Genua kommt. Die Arbeiten sollen parallel zum Abriss laufen. Die neue Brücke solle «tausend Jahre halten, sicher sein» und die Bürger verbinden, sagte der 81-Jährige Piano am Donnerstag in einem Interview.

Für die Bürger dürfte entscheidend sein, dass die neue Brücke bald steht. Die Überführung ist essenziell für die Infrastruktur der Hafenstadt. Die Brücke verband den Osten mit dem Westen, sie war Teil der Zufahrtstraße zum Hafen, dem bedeutendsten in ganz Italien.

Der Einsturz hatte nicht nur die Mobilität der Anwohner und den Warenverkehr empfindlich gestört. Er machte auch Hunderte Menschen obdachlos. Der östliche Teil der Brücke führt über mehrere Wohnblöcke.

Minister Toninelli nutzte den Auftakt der Abrissarbeiten, um den Bürgern zu versichern, dass die neue Konstruktion Ende des Jahres fertig sei und Anfang 2020 für den Verkehr öffne. Ein ambitioniertes Ziel. Auch deswegen, so berichtete die Tageszeitung «La Repubblica», werde der neue Viadukt einer der teuersten Italiens sein.

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