Gelbe Winde, Grippe und Corona

In Ostasien sind die Menschen das Tragen von Atemmasken gewohnt

Tradition trifft Gegenwart: Eine Chinesin in traditioneller Tracht trägt eine Gesichtsmaske. Foto: epa/Wu Hong
Tradition trifft Gegenwart: Eine Chinesin in traditioneller Tracht trägt eine Gesichtsmaske. Foto: epa/Wu Hong

TOKIO/PEKING/SEOUL: Die Japanerin im Zug rückt ihre Brille zurecht und schaut über den Rand ihrer Atemmaske aufs Smartphone. Gewöhnlich dauert es nur wenige Sekunden, bis die Gläser beschlagen. Brillenträger kennen das lästige Problem – gerade in diesen Zeiten, in denen man wegen der Corona-Pandemie um das Maskentragen kaum he­rumkommt. Doch statt die Maske zum Lesen unter dem Kinn zu parken oder abzunehmen, brauchen Japaner sie gar nicht erst anzufassen: Ein dicker Schaumstoffstreifen auf der Innenseite mancher Einweg-Masken verhindert das Beschlagen. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch hygienisch. Und darauf legen Japaner extrem großen Wert. Überhaupt ist man in Ostasien das Tragen von Masken gewohnt, auch im benachbarten Südkorea und in China.

In Deutschland greifen viele Menschen zu selbstgenähten oder gekauften Stoffmasken. Doch damit allein ist es nicht getan, es kommt auch auf den richtigen Gebrauch an. Und da hapert es oft: „Die Leute knüllen die Masken in die Hosentasche, fassen sie ständig an und schnallen sie sich zwei Wochen lang immer wieder vor den Mund, wahrscheinlich ungewaschen“, sagte der Virologe Hendrik Streeck von der Uniklinik Bonn kürzlich der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Das ist ein wunderbarer Nährboden für Bakterien und Pilze.“

Einwegmasken statt Stoffmasken

In Asien benutzen die meis­ten Menschen Wegwerf-Masken. Zwar gibt es auch dort selbstgenähte und bunte Modelle. So sind in Japans Gesellschaft mit ihrem Hang zum Infantilen Masken mit Tiermotiven oder auch traditionellem Design beliebt. „Schaut Euch meine stolze Maske an“, ist ein gängiger Hashtag unter Bastlern in sozialen Medien. Doch im Alltag dominieren weiße Einweg-Masken.

Ähnlich sieht es in Südkorea und China aus, auch dort sind Wegwerf-Masken üblich. In Südkorea tragen einige Leute ihre Maske nur einen Tag, andere mehrere Tage, sofern die Masken an der Innenseite nicht von Feuchtigkeit durchdrungen sind oder kein Schmutz sichtbar ist. In China sind selbstgenähte oder bunte Masken mit Motiven fast nicht zu sehen. Meist sind es einfache Einweg-Masken oder welche mit Filtern – die mehrmals getragen werden, bevor sie weggeworfen werden.

Schutz vor Pollen und Sandstürmen

An das Tragen solcher Masken haben sich die Menschen in Asien längst gewöhnt. In Japan werden sie alljährlich etwa während des Pollenflugs im ganzen Land getragen. Oder auch wenn man eine simple Erkältung hat: nicht nur um sich selbst vor Anste­ckung zu schützen, sondern auch um andere nicht anzustecken. Und Südkoreaner sind an Atemmasken schon wegen des sogenannten „Gelben Windes“ gewöhnt. So werden die Sandstürme aus den Wüsten und Steppen Chinas und der Mongolei genannt, die besonders im Frühjahrs entstehen und auch industrielle Schmutzpartikel wie Ruß auf die koreanische Halbinsel herübertragen.

Japan, Higashiosaka: Kindergartenkinder tragen zum Schutz gegen das Coronavirus Nasen-Mund-Schutzmasken. Foto: kyodo/dpa
Japan, Higashiosaka: Kindergartenkinder tragen zum Schutz gegen das Coronavirus Nasen-Mund-Schutzmasken. Foto: kyodo/dpa

Ende Mai führte die Regierung eine Maskenpflicht für Fahrgäste von Bussen, U-Bahnen und Taxis ein. Wer ohne Schutz einsteigen will, kann von den Fahrern abgewiesen werden. Südkoreas Behörden äußerten die Sorge, dass immer mehr Menschen angesichts des wärmeren Wetters den Empfehlungen zum Tragen der Masken nicht mehr nachkommen. Denn der heiße Sommer in Asien verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit kann das Atmen hinter den Masken anstrengend machen. So sind in China zunehmend Leute zu sehen, die keine Gesichtsmaske mehr tragen – zumal das Land die Coronavirus-Lage weitgehend im Griff hat.

Seit dem neuen Ausbruch Mitte Juni in Peking sind aber wieder zunehmend mehr Leute mit Masken auf den Straßen der Hauptstadt zu sehen. Doch grundsätzlich gilt in China: Wenn draußen ein Abstand von mehr als einem Meter eingehalten werden kann sowie Innenräume gut gelüftet und desinfiziert werden, muss keine Maske mehr getragen werden.

Auch in Japan ist man sich des Problems durch den einsetzenden extrem schwülheißen Sommer bewusst. So warnen die Behörden vor gesundheitlichen Problemen auch mit Blick auf das Tragen von Masken zum Corona-Schutz, was den Körper zusätzlich belaste. Die Menschen sollten viel Flüssigkeit zu sich nehmen, von heftigem Sport absehen und die Masken abnehmen, sofern ausreichender Abstand zu anderen gegeben sei, erklärte das Umweltministerium.

Kühlende Masken und Plastikvisiere

Derweil sind einige Firmen dabei, Masken zu entwickeln, die kühlend und trocknend sein sollen. Eine andere Idee hatte eine Baufirma: Sie verzichtet wegen der Sommerhitze auf Mundschutzmasken und will ihre Arbeiter stattdessen mit Plastikvisieren gegen Corona schützen. Das durchsichtige Visier wird mit einem Haftfilm am Kinn sowie seitlich mit Bändern befestigt. Auf diese Weise befindet es sich mit einigem Abstand vor dem Mund. Damit lasse sich auch in der extremen Sommerhitze besser atmen als mit Maske.

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Markus Boos 06.07.20 15:22
Jawohl
Andere Länder bessere Sitten. Wir sollten auch daran denken, wenn wir mal einen „Pfnüsel“ haben.

Ach ja. Da liest man auch, dass Männer die Maske in die Hosentasche knüllen. 555
Wer weiss was knüllen auf Schwedisch bedeutet? Ich will das hier besser nicht übersetzen. Die Kommentarregeln erlauben das nicht. ;-))