Mindestens fünf Tote

Geländewagen rast in Weihnachtsparade  

Tragödie bei der Weihnachtsparade. Foto: epa/Tannen Maury
Tragödie bei der Weihnachtsparade. Foto: epa/Tannen Maury

WAUKESHA/WASHINGTON: Viele Familien mit Kindern bestaunen Musiker und Tänzer in einer vorweihnachtlichen Straßenparade, als plötzlich das Unvorstellbare passiert: Ein Geländewagen rast in die Menge. Mehrere Menschen sterben, Dutzenden werden verletzt. Viele Fragen sind noch offen.

Es sollte ein fröhlicher Nachmittag mit vorweihnachtlicher Stimmung werden und endete in einem Alptraum. In den USA ist am Sonntag ein Auto in eine Straßenparade gerast und hat mindestens fünf Menschen in den Tod gerissen. Mehr als 40 Personen wurden verletzt, als ein roter Geländewagen in die Menschenmenge in der US-Kleinstadt Waukesha im Bundesstaat Wisconsin steuerte, wie die Polizei in der Nacht zum Montag (Ortszeit) mitteilte. Auch zahlreiche Kinder kamen nach Behördenangaben zu Schaden. Angaben zum Alter der Toten machte die Polizei noch nicht. Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar.

Für die Waukesha Christmas Parade hatten Menschen im Zentrum der Stadt am Sonntagnachmittag beide Seiten der Straße gesäumt. Die Veranstaltung im Vorort der Großstadt Milwaukee lockt jedes Jahr Tanzgruppen, High-School-Bands, Politiker und zahlreiche Zuschauer an. Im vergangenen Jahr war sie pandemiebedingt ausgefallen.

Auch viele Familien mit Kindern besuchten die Parade am Sonntag und bestaunten Weihnachtsfiguren, Tänzer und Musiker, als plötzlich ein roter Geländewagen Absperrungen durchbrach und in hohem Tempo über die Hauptstraße mit der Parade jagte.

Augenzeugin Angela O'Boyle, die die Parade vom Balkon ihrer Wohnung im fünften Stock aus beobachtete, sagte dem Sender CNN: «Das Nächste, was ich hörte, waren Schreie, und als ich mich umdrehte, sah ich, wie das Auto kam und in die Musikkapelle pflügte, die zu diesem Zeitpunkt gerade an meinem Balkon vorbeiging.» Dann habe sie gehört, wie Eltern die Namen ihrer Kinder riefen.

«Überall waren Pompons und Schuhe und verschüttete heiße Schokolade», berichtete Corey Montiho der Zeitung «Milwaukee Journal Sentinel». «Meine Frau und meine Tochter sind fast getroffen worden.» Angelito Tenorio, der zeitweise auch selbst an der Parade teilgenommen hatte, sagte dem Blatt, das Auto sei «mit voller Geschwindigkeit» über die Paradestrecke gerast. «Und dann hörten wir einen lauten Knall und ohrenbetäubende Schreie von Menschen, die von dem Fahrzeug getroffen wurden», sagte Tenorio. «Und dann sahen wir, wie die Leute wegliefen oder weinend stehen blieben, und da waren Leute auf dem Boden, die aussahen, als wären sie von dem Fahrzeug getroffen worden.»

Die Feuerwehr teilte mit, Einsatzfahrzeuge hätten zwölf Kinder und elf Erwachsene in Krankenhäuser gebracht. Laut Polizei fuhren einige Menschen mit Verletzungen auch selbst in Kliniken oder wurden privat dorthin gebracht.

Das Erzbistum Milwaukee teilte mit, unter den Verletzten seien Schüler der katholischen Schule in Waukesha und ein Priester. Eine Senioren-Tanzgruppe aus Milwaukee, die «Milwaukee Dancing Grannies» (auf Deutsch etwa: die tanzenden Omas von Milwaukee), schrieb auf ihrer Facebook-Seite, mehrere ihrer Mitglieder seien bei dieser «schrecklichen Tragödie» ums Leben gekommen.

Auf zahlreichen, zunächst nicht zu verifizierenden Videoclips, die sich in sozialen Medien verbreiteten, waren chaotische und verstörende Szenen zu sehen: Aus diversen Perspektiven wurde in verschiedenen Momentaufnahmen ein Geländewagen gefilmt, der erst an Teilnehmern der Parade vorbeirast, an anderer Stelle diverse Menschen in dem Straßenzug rammt und überfährt und schließlich Straßenabsperrungen durchbricht und davonjagt. Auf den Videoaufnahmen sind schreiende und rennende Menschen zu sehen. In einer Szene rast der Wagen nur knapp an einem auf der Straße tanzenden Kind vorbei.

Eine verdächtige Person sei in Gewahrsam, teilte die Polizei mit. Auch das mutmaßliche Tatfahrzeug sei gefunden worden. Augenzeugen beschrieben einen männlichen Fahrer, die Polizei bestätigte dies zunächst nicht.

Fuhr die Person, die hinter dem Steuer saß, absichtlich in die Menschenmenge? Könnte die Tat einen terroristischen Hintergrund geben? All diese Fragen sind bislang unbeantwortet. Mehrere US-Medien, darunter die Sender CBS und CNN, berichteten am Montag unter Berufung auf Ermittlerkreise, es gebe Hinweise, dass die Person am Steuer auf der Flucht gewesen sei. Dazu würden Videoaufnahmen im Netz passen, die zeigen, wie der Wagen zunächst seitlich an den Menschen auf der Paradestrecke vorbeiraste und erst später in die Menge steuerte, als die Teilnehmer der Parade auf der gesamten Breite der Straße versammelt waren. Die Ermittlungen laufen aber noch.

Der Gouverneur von Wisconsin, Tony Evers, äußerte sich einem Tweet bestürzt und sprach von einer «sinnlosen Tat». Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, schrieb auf Twitter, US-Präsident Joe Biden sei über die Lage unterrichtet worden. Das Weiße Haus beobachte die Situation in Waukesha und habe Unterstützung angeboten.

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