Gaza-Konflikt: Aktuelles Geschehen am Sonntag

Israelische Soldaten bereiten einen Panzer in der Nähe der Grenze zum Gazastreifen im Süden Israels vor. Foto: EPA-EFE/Abir Sultan
Israelische Soldaten bereiten einen Panzer in der Nähe der Grenze zum Gazastreifen im Süden Israels vor. Foto: EPA-EFE/Abir Sultan

Israels Armee meldet Angriffsserie im Raum Rafah

GAZA: Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben Ziele im Raum Rafah im südlichen Gazastreifen angegriffen. Wie das Militär in der Nacht zum Montag bekannt gab, sei «eine Serie von Angriffen auf Terrorziele in der Gegend von Schabura im südlichen Gazastreifen» durchgeführt worden. Schabura liegt bei der Stadt Rafah, wo Hunderttausende palästinensische Binnenflüchtlinge Schutz gesucht haben. Nach Informationen des saudischen Fernsehsenders Al Arabiya seien bei den Angriffen mindestens 50 Menschen getötet worden. Auch die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA berichtete über intensive Bombardierungen. Die Angriffsserie sei beendet worden, teilte das israelische Militär auf Telegram mit. Einzelheiten wurden dazu nicht genannt.

Israel plant eine Militäroffensive auf Rafah, was international für deutliche Kritik sorgt. Nach Angaben von Augenzeugen hatte das israelische Militär bereits zuvor mehrfach Ziele in der Stadt aus der Luft angegriffen. Israelische Bodentruppen waren dort bislang aber nicht im Einsatz. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte der Armee des Landes am Freitag den Befehl erteilt, eine Offensive auf Rafah vorzubereiten. «Es ist unmöglich, das Kriegsziel der Eliminierung der Hamas zu erreichen, wenn vier Hamas-Bataillone in Rafah verbleiben», ließ er mitteilen. Die Armee soll deshalb die Evakuierung der Zivilisten in Rafah vorbereiten.


Planung für Rafah-Offensive braucht noch Zeit

TEL AVIV/GAZA: Israels Armee hat die Planung einer Militäroffensive auf die Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens einem Medienbericht zufolge bisher nicht abgeschlossen. Sie werde «wahrscheinlich einige Zeit in Anspruch nehmen» und sei auch bislang nicht Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vorgelegt worden, zitierte die «New York Times» am Sonntag (Ortszeit) israelische Beamte und Analysten. Die Strategie für eine Offensive auf die an Ägypten grenzende Stadt, in der Hunderttausende Binnenflüchtlinge Schutz gesucht haben, sei «sehr komplex». Israels Vorhaben stößt international auf Kritik. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) warnte, dies wäre «eine humanitäre Katastrophe mit Ansage». US-Präsident Joe Biden forderte ein überzeugendes Konzept für den Schutz der dortigen Zivilbevölkerung.

Bidens Regierung habe gegenüber Israel zudem Bedenken mit Blick auf den am 10. März beginnenden muslimischen Fastenmonat Ramadan geäußert, berichtete die «New York Times» unter Berufung auf zwei israelische Beamte. Ein Angriff auf Rafah während des Ramadan könne von Muslimen in der Region und darüber hinaus als besonders provokant empfunden werden, hieß es. In israelischen Medien hatte es zuvor geheißen, Netanjahu gehe davon aus, dass Israel aufgrund des internationalen Drucks nur rund einen Monat Zeit habe und die Offensive auf Rafah daher bis zum Beginn des Ramadan abgeschlossen sein müsse.

Netanjahu hatte der Armee am Freitag den Befehl erteilt, eine Offensive auf Rafah vorzubereiten. «Es ist unmöglich, das Kriegsziel der Eliminierung der Hamas zu erreichen, wenn vier Hamas-Bataillone in Rafah verbleiben», ließ er mitteilen. Die Armee soll deshalb die Evakuierung der Zivilisten vorbereiten. Nach Angaben von Augenzeugen griff Israel bereits mehrfach Ziele in der Stadt aus der Luft an. Israelische Bodentruppen waren dort bislang aber nicht im Einsatz. Ägypten befürchtet, dass ein massiver Militäreinsatz in Rafah zu einem Ansturm verzweifelter Palästinenser auf die ägyptische Halbinsel Sinai führen könnte.

Avi Dichter von Netanjahus konservativer Likud-Partei habe vorgeschlagen, dass die Bewohner des von Israel abgeriegelten Gazastreifens in ein Gebiet westlich von Rafah entlang der Küste umgesiedelt werden könnten, berichtete die «New York Times» weiter. Yaakov Amidror, ein ehemaliger General und nationaler Sicherheitsberater, sehe auch noch andere Optionen, darunter einige Gebiete im Zentrum des Küstenstreifens, in die das Militär bislang nicht vorgestoßen sei. Auch die nahe gelegene Stadt Chan Junis könne eine Option sein, sobald Israel den dortigen Militäreinsatz gegen die Hamas beendet habe, hieß es.


Merz besucht Israel - Treffen mit Herzog und Netanjahu

TEL AVIV/JERUSALEM: Unionsfraktionschef Friedrich Merz trifft an diesem Montag in Israel unter anderem Staatspräsident Izchak Herzog und Premierminister Benjamin Netanjahu. Bei seinem ersten Besuch nach dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober will der CDU-Vorsitzende auch mit Außenminister Israel Katz, Oppositionsführer Jair Lapid sowie dem Oppositionspolitiker Benny Gantz sprechen. Gantz gehört dem israelischen Kriegskabinett an. Zudem möchte Merz ein Krankenhaus besuchen.

Merz wird von den stellvertretenden Fraktionschefs Johann Wadephul und Jens Spahn sowie der stellvertretenden Vorsitzenden der Deutsch-israelischen Parlamentariergruppe, Gitta Connemann (alle CDU), begleitet.

Die Gespräche finden auch vor dem Hintergrund der von Netanjahu angekündigten Militäroffensive in Rafah im Süden des Gazastreifens statt. Eine Offensive in Rafah gilt als hochproblematisch, weil sich in dem Ort, der vor dem Krieg rund 300.000 Einwohner hatte, inzwischen weit mehr als eine Million Palästinenser aufhalten sollen. Die meisten von ihnen flohen vor dem Krieg aus anderen Teilen des Gazastreifens dorthin, zum Teil auf Anordnung des israelischen Militärs.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der islamistischen Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel verübt hatten. Auf israelischer Seite sind in der Folge mehr als 1200 Menschen getötet worden. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Die Zahl der im Gazastreifen getöteten Palästinenser ist seit Kriegsbeginn nach palästinensischen Angaben auf über 28.000 gestiegen.


Armee: Israel greift erneut Ziele im Süden des Libanons an

TEL AVIV/BEIRUT: Israelische Kampfflugzeuge haben nach israelischen Angaben am Sonntag erneut Ziele der Schiiten-Miliz Hisbollah im Südlibanon angegriffen. Unter anderem seien eine Raketenstellung in Marwahin sowie Militäranlagen nahe den Orten Ramieh und Jarun getroffen worden, teilte das israelische Militär mit. Der von der Hisbollah kontrollierte TV-Sender Al-Manar berichtete, dass bei den israelischen Angriffen zwei Kämpfer getötet worden seien. Nähere Einzelheiten verlauteten aus Beirut zunächst nicht. Zuvor hatte die Hisbollah erklärt, dass sie am Sonntag drei Angriffe auf militärische Ziele im Norde Israels durchgeführt habe.

Seit Beginn des Gaza-Krieges nach dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober kommt es in der israelisch-libanesischen Grenzregion immer wieder zu Konfrontationen zwischen Israels Armee und militanten Gruppierungen wie der Hisbollah. Es ist die schwerste Eskalation seit dem zweiten Libanon-Krieg 2006.


Staatsmedien: Millionen Iraner feiern Jahrestag der Revolution

TEHERAN: Im Iran haben staatlichen Medien zufolge Millionen Regierungsanhänger den Jahrestag der Islamischen Revolution von 1979 gefeiert. Bilder im Staatsfernsehen zeigten am Sonntag Menschenmassen auf den Straßen der Hauptstadt Teheran. Auch Sicherheitskräfte und Geistliche nahmen an den landesweiten Umzügen teil. In Teheran wurden zudem ballistische Raketen präsentiert. Ein Meer von Flaggen füllte die Straßen der staatlich organisierten Feierlichkeiten, während am Freiheitsplatz mit dem Asadi-Turm Luftballons aufstiegen.

Präsident Ebrahim Raisi forderte Länder in der Region auf, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu Irans Erzfeind Israel abzubrechen. «Das zionistische Regime ist dem Untergang geweiht», sagte Raisi vor Tausenden Anhängern. «Tod für Amerika» und «Tod für Israel» rief die Menschenmenge, wie üblich bei den staatlich organisierten Versammlungen. Ziel der Feinde der Islamischen Republik sei es, Hoffnungslosigkeit in der Bevölkerung zu streuen, sagte Raisi - wohl eine Anspielung auf die scharfen Sanktionen gegen den Iran und die zahlreichen wirtschaftlichen Probleme im Land.

Im Februar 1979 hatte ein Aufstand des damaligen Revolutionsführers Ajatollah Ruhollah Chomeini zum Zusammenbruch der Monarchie geführt. In den vergangenen Jahren hat sich die Beziehung der iranischen Staatsführung mit dem Westen dramatisch verschlechtert. Gründe dafür sind Teherans umstrittenes Atomprogramm, Menschenrechtsverletzungen und Irans Unterstützung militanter Gruppen im Nahen Osten. Ein Großteil der Iranerinnen und Iraner stand den Feierlichkeiten vom Sonntag gleichgültig gegenüber.


Netanjahu sagt Zivilisten in Rafah sicheren Korridor zu

GAZA/TEL AVIV: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat vor der geplanten Bodenoffensive auf die Stadt Rafah im südlichen Teil des Gazastreifens den Hunderttausenden dort Schutz suchenden Zivilisten einen «sicheren Korridor» zugesichert. «Wir sind in dieser Sache nicht leichtsinnig», sagte Netanjahu in einem Interview des US-Senders «ABC News», aus dem der Sender in der Nacht zum Sonntag vorab in Auszügen berichtete. Man werde der Zivilbevölkerung einen «sicheren Korridor gewähren, damit sie das Gebiet verlassen kann». Auf die Frage, wohin die weit mehr als eine Million Palästinenser in der an Ägypten angrenzenden Stadt gehen sollen, sagte Netanjahu demnach, dass man «einen detaillierten Plan» ausarbeite. Das ganze Interview sollte nach den Angaben des Senders am Sonntagnachmittag (MEZ) ausgestrahlt werden.

Die US-Regierung und die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hatten sich in den vergangenen Tagen deutlich gegen ein militärisches Vorgehen in Rafah ausgesprochen. «Wir glauben, dass eine Militäroperation zum jetzigen Zeitpunkt eine Katastrophe für diese Menschen wäre», sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, am Donnerstag. «Wir würden das nicht unterstützen.» Auch UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor einer humanitären Katastrophe und Folgen für die gesamte Region. Die Hälfte der Bevölkerung des Gazastreifens sei in Rafah zusammengepfercht und könne nirgendwo anders hin, schrieb er auf der Online-Plattform X, vormals Twitter.

Ägypten befürchtet, dass ein massiver Militäreinsatz in Rafah zu einem Ansturm verzweifelter Palästinenser auf die ägyptische Halbinsel Sinai führen könnte. Netanjahu hatte am Freitag der Armee seines Landes den Befehl erteilt, eine Offensive auf Rafah vorzubereiten. «Es ist unmöglich, das Kriegsziel der Eliminierung der Hamas zu erreichen, wenn vier Hamas-Bataillone in Rafah verbleiben», teilte er laut seines Büros mit. Die Pläne der Militärführung müssten auch die Evakuierung der Zivilisten beinhalten. Der Sieg sei «in Reichweite», sagte er nun «ABC News». «Wir werden es tun. Wir werden die verbleibenden Hamas-Terrorbataillone in Rafah, der letzten Bastion, erwischen», sagte Netanjahu.

Auslöser des Gaza-Krieges war das beispiellose Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober im Süden Israels verübt hatten. Auf israelischer Seite wurden dabei mehr als 1200 Menschen getötet. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive.


Angehörige von Geiseln wollen Hamas-Anführer verklagen

TEL AVIV/GAZA: Angehörige der in den umkämpften Gazastreifen entführten israelischen Geiseln wollen Medienberichten zufolge vor dem Internationalen Strafgerichtshof Anklage gegen die Anführer der islamistischen Hamas erheben. Wie die israelische Nachrichtenseite «Ynet» und die «Jerusalem Post» am Samstagabend berichteten, will eine Delegation des Forums der Geiselfamilien zu diesem Zweck am Mittwoch zum Sitz des Strafgerichtshofs nach Den Haag reisen. Ziel ihrer Klage sei es, Haftbefehle gegen die Anführer der Hamas zu erwirken. Auf diese Weise wolle man den Druck erhöhen, eine Freilassung der Geiseln zu erwirken.

Am 7. Oktober hatten Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen den Süden Israels überfallen. Dabei töteten sie 1200 Menschen und verschleppten weitere 250 in den Gazastreifen. Israels Militär geht seitdem mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive gegen die Hamas und ihre Verbündeten in dem Küstengebiet vor.

Während einer Feuerpause im vergangenen November wurden 105 Geiseln freigelassen, im Gegenzug für 240 palästinensische Häftlinge. Derzeit befinden sich noch 136 Menschen in der Gewalt der Hamas, von denen aber nach israelischer Schätzung mindestens 30 nicht mehr am Leben sein dürften. Diplomatische Bemühungen Ägyptens, Katars und der USA zielen darauf ab, eine längere Feuerpause im Gaza-Krieg herbeizuführen. In deren Zuge sollen die Geiseln in mehreren Phasen gegen palästinensische Gefangene in Israel ausgetauscht werden. Die Verhandlungen kommen derzeit jedoch nur schleppend voran.

In Israel demonstrierten am Samstagabend erneut mehrere Tausend Menschen für die Freilassung der Geiseln. Angehörige warfen dem Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu vor, die über die Vermittlerstaaten laufenden Verhandlungen mit der Hamas zu torpedieren.

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