Gaza-Konflikt: Aktuelles Geschehen am Dienstag

Nach einem israelischen Luftangriff in der Stadt Deir Al Balah im Gazastreifen steigt Rauch auf. Foto: EPA-EFE/Mohammed Saber
Nach einem israelischen Luftangriff in der Stadt Deir Al Balah im Gazastreifen steigt Rauch auf. Foto: EPA-EFE/Mohammed Saber

Telekommunikationsdienste im Gazastreifen erneut ausgefallen

GAZA: Die Telekommunikationsdienste im umkämpften Gazastreifen sind Berichten zufolge erneut ausgefallen. Betroffen sei besonders der südliche Teil des abgeriegelten Küstengebiets, teilte die Organisation NetBlocks, die für die Beobachtung von Internetsperren bekannt ist, am späten Dienstagabend auf der Plattform X (vormals Twitter) mit. Auch die israelische Nachrichtenseite «Ynet» meldete unter Berufung auf Berichte aus dem Gazastreifen, die Internetverbindungen in weiten Gebieten in Rafah im Süden des Küstenstreifens sowie im zentralen Teil Gazas seien unterbrochen. In Rafah, der südlichsten Stadt des Gazastreifens an der Grenze zu Ägypten, leben derzeit rund 1,5 Millionen Palästinenser unter elenden Bedingungen auf engstem Raum zusammengedrängt.

Bei den meisten von ihnen handelt es sich um Flüchtlinge, die aus anderen Teilen des abgeriegelten Küstenstreifens vor den Kämpfen geflohen sind. Sie sind zumeist in Zelten ohne ausreichende sanitäre Anlagen und Gesundheitsversorgung untergebracht. Israel plant in Rafah eine Bodenoffensive, um die nach eigenen Angaben letzten Bataillone der islamistischen Hamas zu zerschlagen. Zuvor sollen die Zivilisten nach Angaben des israelischen Militärs in Schutz gebracht werden.

Auslöser des Krieges war ein Massaker, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Palästinenserorganisationen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zu Gaza verübt hatten. Seit Beginn des Krieges sind die Kommunikationsnetze in dem abgeriegelten Küstengebiet schon mehrfach ausgefallen.


Biden: Geisel-Deal liegt in den Händen der Hamas

WASHINGTON: US-Präsident Joe Biden hat erneut betont, dass er eine vorübergehende Waffenruhe im Gazastreifen vor dem Fastenmonat Ramadan für dringend notwendig hält. «Wenn wir in Umstände geraten, unter denen das bis Ramadan weitergeht, dann könnte es sehr, sehr gefährlich werden», sagte Biden am Dienstag vor Medienvertretern, kurz vor dem Betreten der Regierungsmaschine Air Force One in Hagerstown im US-Bundesstaat Maryland. Dabei ergänzte er: «Der Geisel-Deal ist im Moment in den Händen der Hamas».

Der Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan wird in diesem Jahr um den 10. März herum erwartet. Ob die internationalen Vermittler bis dahin ein Abkommen über eine Feuerpause sowie den Austausch von israelischen Geiseln gegen palästinensische Häftlinge aushandeln können, ist ungewiss. Aus den USA und Katar, die zusammen mit Ägypten die indirekten Verhandlungen zwischen Israel und der islamistischen Hamas ermöglichen, kamen zuletzt immer wieder verhalten optimistische Signale.

Zuletzt waren am Dienstag mehrtägige Verhandlungen ergebnislos geendet. Die Gespräche in Kairo über eine vorübergehende Waffenruhe sind aber laut Angaben ägyptischer Sicherheitskreise nicht gescheitert und werden fortgesetzt. Biden unterstrich am Dienstag zudem erneut, dass dringend mehr humanitäre Hilfe zu den Menschen in Gaza durchgelassen werden müsse.

Auslöser des Gaza-Kriegs war der Terrorangriff der Hamas und anderer extremistischer Palästinensergruppen auf Israel am 7. Oktober, bei dem rund 1200 Menschen getötet wurden. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Angesichts der katastrophalen humanitären Lage in dem abgeriegelten Küstengebiet und der hohen Zahl ziviler Opfer geriet Israel zuletzt international immer mehr in die Kritik.


Drei Tote nach israelischem Angriff im Südlibanon

BEIRUT/ TEL AVIV: Bei einem israelischen Angriff auf das Dorf Hula im Südlibanon sind libanesischen Angaben zufolge am Dienstag mindestens drei Menschen getötet worden. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete am Abend, dass es sich dabei um ein Ehepaar und dessen 25-jährigen Sohn handelte. Der Angriff erfolgte libanesischen Sicherheitskreisen zufolge kurz nachdem die Hisbollah Stellungen des israelischen Militärs im Gebiet der Schebaa-Farmen angegriffen hatte.

Das israelische Militär teilte mit, Raketenabschussrampen der Hisbollah in Hula angegriffen zu haben. Außerdem seien weitere Ziele der proiranischen Schiitenorganisation im Südlibanon angegriffen worden. Die Hisbollah reklamierte neben dem Angriff auf Ziele im Gebiet der Schebaa-Farmen mehrere Angriffe auf Positionen der israelischen Armee für sich.

Seit Ausbruch des Gaza-Kriegs kommt es auch an der libanesisch-israelischen Grenze täglich zu gegenseitigem Beschuss. Auf beiden Seiten gab es bereits Tote. Zehntausende Anwohner verließen in beiden Ländern ihre Heimatorte wegen der Kämpfe. Israels Verteidigungsminister Joav Galant kündigte kürzlich an, den militärischen Druck auf die Hisbollah als Reaktion auf deren tägliche Angriffe auf Israel zu erhöhen, bis sich die Schiiten-Miliz von der Grenze zurückgezogen habe.


Sicherheitskreise: Gespräche über Feuerpause in Gaza gehen weiter

KAIRO: Die Gespräche über eine vorübergehende Waffenruhe im Gaza-Krieg in Kairo sind nach Angaben ägyptischer Sicherheitskreise nicht gescheitert und werden fortgesetzt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag. Demnach habe es keinen Rückzug der Hamas oder anderer Beteiligter gegeben, so die Quelle. Zuvor hatte es Medienberichte gegeben, wonach die islamistische Palästinenserbewegung die Verhandlungen als gescheitert erklärt haben soll. Das hatten jedoch auch Hamas-Vertreter auf dpa-Anfrage nicht bestätigt.

Den dpa-Informationen zufolge sollen die Gespräche sogar in einem fortgeschrittenen Stadium sein. Sie könnten innerhalb von Tagen eine Waffenruhe mit Austausch von israelischen Geiseln und palästinensischen Häftlinge bringen, hieß es. Der Darstellung zufolge liegt es an einem «internen israelischen Disput», dass es noch keinen Durchbruch gab. Die verbliebenen Hindernisse seien aber «marginal».

In Kairo verhandeln Vertreter aus den Vermittlerstaaten USA, Katar und Ägypten mit der Hamas über eine vorübergehende Waffenruhe. Israel nimmt nicht direkt an den Gesprächen teil. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu fordert von der Terrororganisation unter anderem, eine Liste mit den Namen der noch lebenden Geiseln in ihrer Gewalt vorzulegen. Hamas-Vertreter gaben jedoch an, wegen der israelischen Angriffe nicht sagen zu können, welche der aus Israel entführten Geiseln noch am Leben sind.


Messerattacke im Westjordanland - Angreifer erschossen

NABLUS: Ein 16-jähriger Palästinenser hat am Dienstag an einer Straßenkreuzung im Westjordanland einen israelischen Soldaten mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Israelische Soldaten in der Nähe erschossen den Jugendlichen, wie aus einer Mitteilung der Armee und aus Medienberichten hervorging. Das Opfer der Messerattacke sei ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die Armee mit, nachdem sie die Familie des Soldaten verständigt hatte.

Nach palästinensischen Angaben soll der 16-Jährige durch Kopfschüsse getötet worden sein. Der Vorfall ereignete sich wenige Kilometer südlich von Nablus im israelisch besetzten Westjordanland. In dem Gebiet entladen sich immer wieder besonders gewalttätige Spannungen zwischen militanten Palästinensern und israelischen Siedlern.

Seit Beginn des Kriegs zwischen Israel und der islamistischen Hamas im Gazastreifen am 7. Oktober vergangenen Jahres hat sich die Lage im gesamten Westjordanland deutlich zugespitzt. 403 Palästinenser wurden seither nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Westjordanland bei israelischen Militäreinsätzen, Konfrontationen oder eigenen Anschlägen getötet. Es kam auch verstärkt zu Siedlergewalt gegen Palästinenser.


Israels Armee: Größter Hamas-Tunnel im Gazastreifen zerstört

TEL AVIV/GAZA: Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge den größten bislang im Gazastreifen entdeckten Tunnel der Hamas zerstört. Der Mitte Dezember vergangenen Jahres im Norden des Küstengebiets gefundene Tunnel mit mehreren Abzweigungen sei in den vergangenen Wochen untersucht und zerlegt worden, teilte das Militär am Dienstag mit. Die Armee veröffentlichte zudem Videos, die zeigen sollen, wie Teile des Tunnels gesprengt werden und Einsatzkräfte in andere Abschnitte Beton kippen. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Die Anlage, durch die auch Fahrzeuge passen sollen, erstrecke sich über mehr als vier Kilometer und in einer Tiefe von 50 Metern unter der Erde, hatte Israels Armee nach der Entdeckung im Dezember mitgeteilt. Das Tunnelsystem befindet sich demnach 400 Meter entfernt vom Erez-Grenzübergang zwischen Israel und dem Küstengebiet. Es soll von Mohammed al-Sinwar, dem Bruder des Chefs der Islamistenorganisation im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, errichtet worden sein. Israelischen Medienberichten zufolge führt die Tunnelroute nach Dschabalia. Das Flüchtlingsviertel im Norden des Gazastreifens gilt als Hochburg der islamistischen Hamas.


Israel lobt UN-Bericht über sexualisierte Gewalt bei Hamas-Terror

TEL AVIV: Israels Präsident Izchak Herzog hat einen UN-Bericht über sexualisierte Gewalt beim Massaker der islamistischen Hamas am 7. Oktober gelobt. Der Bericht sei von immenser Bedeutung, schrieb Herzog am Dienstag auf der Plattform X (vormals Twitter). «Er untermauert mit moralischer Klarheit und Integrität die systematischen, vorsätzlichen und anhaltenden Sexualverbrechen, die Hamas-Terroristen gegen israelische Frauen verüben.» Die Welt müsse nun entschieden reagieren und die Hamas verurteilen und bestrafen, forderte Herzog.

Die Vereinten Nationen hatten zuvor ein Papier veröffentlicht, demnach es «berechtigten Grund zur Annahme» gebe, dass es während des Terroranschlags der islamistischen Hamas in Israel zu Vergewaltigungen und Gruppenvergewaltigungen an mindestens drei Orten gekommen sei. Zudem gebe es überzeugende Informationen, dass sexualisierte Gewalt auch gegen Geiseln verübt worden sei und dies momentan im Gazastreifen weiter andauern könne. Der Bericht hat dabei nicht das Mandat, Schuldige zu benennen.

In dem Papier heißt es zugleich, dass es auch Hinweise zu sexualisierter Gewalt gegen Palästinenser in israelischer Gefangenschaft gebe.

Israel hatte den Vereinten Nationen lange vorgeworfen, auf die grausamen Verbrechen vom 7. Oktober nicht angemessen reagiert zu haben. Israels Außenminister Israel Katz kündigte am Montagabend an, den israelischen Botschafter bei den UN zu Konsultationen nach Hause zu beordern. Katz ärgert sich laut einer am Dienstag auf X veröffentlichten Erklärung unter anderem darüber, dass der UN-Sicherheitsrat die Hamas nicht als Terrororganisation einstuft.


Israels Militär: Weitere Gegner bei Einsatz in Gaza getötet

GAZA: Das israelische Militär hat im Gazastreifen nach eigenen Angaben weitere Gegner getötet. Im Verlauf der vergangenen 24 Stunden seien «etwa 20 Terroristen» durch Scharfschützen, Panzer und Drohnen eliminiert worden, teilte die Armee am Dienstagmorgen mit. Es seien zudem mehr als 50 Ziele der islamistischen Hamas getroffen worden, darunter Abschussrampen, Waffenlager, Tunnelschächte und weitere militärische Infrastruktur. Bei den seit Wochen andauernden Einsätzen im Westen der Stadt Chan Juni hätten die Truppen zudem «Dutzende Terroristen der Hamas und des Islamischen Dschihad festgenommen». Sie hätten sich in dem im Süden Gazas gelegenen Gebiet unter der Zivilbevölkerung versteckt und versucht, zu fliehen. Die Armeeangaben konnten unabhängig nicht überprüft werden.

Auslöser des Gaza-Krieges war der Terror-Überfall der Hamas und anderer Gruppen am 7. Oktober vergangenen Jahres im Süden Israels. Die Terroristen töteten bei dem beispiellosen Massaker 1200 Menschen und verschleppten 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen. Israel griff das Küstengebiet militärisch an, um die Hamas zu zerschlagen. Dabei wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde in Gaza bisher 30.534 Palästinenser getötet, wobei diese Zahl sowohl Zivilisten als auch Kämpfer enthält.

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