Gänschen Anna und ein weiterer Geldbaum

Einmal im Jahr blüht die Pachira insignis – Gänschen Anna sieht Mutti in mir

Sie folgt mir wie ein Hündchen durch den Garten, weil sie mich für ihre Mutter hält… Fotos: hf
Sie folgt mir wie ein Hündchen durch den Garten, weil sie mich für ihre Mutter hält… Fotos: hf

Einmal im Jahr blühen im Garten die Geldbäume (Pachira insignis) und das ist spektakulär, ihre Blüten sind eine Wucht und einfach umwerfend.

Wir haben drei Sorten Geldbäume im Garten, die alle interessante Blüten hervorbringen und später essbare Nüsse produzieren oder produzieren sollten. Gut geht das bei der Pachira glabra und der Pachira aquatica. Letztere, auch als Malabar-Kastanie bekannt, produziert tolle Blüten und Nüsse in großer Zahl das ganze Jahr hindurch, auch auf lausigem Grund.

In Caracas ein beliebter Stadtbaum

Noch nie Nüsse produziert hat hingegen die aus derselben Familie stammende Pachira insignis, Geldbaum oder Guyana-Kastanie. Sie ist in Form von Samen aus der Hauptstadt von Venzuela, Caracas, hierhergekommen, wo sie ein häufig zu bestaunender Stadtbaum ist. In etwa zehn Jahren haben sich die Samen in riesige, eindrückliche Bäume verwandelt, die die Betonringe, in die wir sie anfangs gepflanzt hatten, längst gesprengt haben.

Vor etwa drei Jahren hat die Pachira insignis erstmals geblüht, und sie tut das seither regelmäßig einmal im Jahr, sowohl im Garten in Nong Khai als auch in Pattaya. Und diese Blüten sind wohl das Eindrücklichste, dass unsere zwei Gärten zu bieten haben. Wie gesagt blühen diese mächtigen Bäume nur einmal im Jahr und nur für kurze Zeit, dann aber sehr intensiv.

Gras klein schneiden für unsere Anna.
Gras klein schneiden für unsere Anna.

Klar, dass wir solch tolle, in Thailand wohl exklusive Bäume, gerne vermehren würden, aber bis jetzt hat die Pachira insignis (im Gegensatz zur Pachira aquatica und glabra) wie gesagt noch nie Samen oder Nüsse geliefert. Zwar ist es uns vereinzelt gelungen, neue Pflanzen durch das Abmoosen zu gewinnen, aber eben nur wenige Exemplare, die deshalb einen stolzen Preis haben.

Nesthäkchen Anna hat keine Kollegen

Gänse sind soziale Tiere, die in Familien oder Clans organisiert sind. Wenn im Brutkasten Gänschen schlüpfen, vereinigen wir sie gerne in Gruppen zu 6 bis 8 Exemplare, das gibt ihnen eine Gruppenidentität und Geborgenheit.

Die Pachira insignis blüht monumental.
Die Pachira insignis blüht monumental.

Jetzt legen die Gänse keine Eier mehr, einige wenige Eier sind im Brutkasten verblieben, die zudem schlecht befruchtet sind. Und dennoch ist jetzt – wider Erwarten – doch noch ein Gänschen geschlüpft, eine Nachzüglerin, die wir Anna nennen. Falls es sich später he­rausstellen sollte, dass Anna ein Bub ist, taufen wir kurzerhand auf Andy um, das Geschlecht ist bei Jungtieren nur schwer eindeutig zu bestimmen.

In die letzte Jungtiergruppe konnten wir Anna nicht mehr integrieren, nur schon wegen des Größenunterschieds: Die anderen Junggänse sind schon etwa 20 mal so groß wie Anna, da käme sie gewissermaßen unter die Räder, würde wahrscheinlich unabsichtlich zertreten. Oder sie würde als „gruppenfremd“ gemobbt.

Da Anna neben Kraftfutter natürlicherweise auch Gras fressen sollte, habe ich angefangen, sie beim Grasen zu beaufsichtigen. Raben lauern und auch die Katzen sind drohende Gefahren, von Waranen und Würgeschlangen gar nicht zu reden. Setze ich Anna in einen schützenden Netzkorb, fängt sie grauenhaft und herzerweichend zu fiepen an, wenn ich abschleichen will. Anna hält mich nämlich für ihre Mutter.

Anna ist auf mich geprägt, wie der Verhaltensforscher Konrad Lorenz das genannt hat. Sie hält demgemäß das erste sich bewegende Objekt, das sie nach dem Schlüpfen wahr nimmt, für ihre Mutter und folgt mir wie ein Hund, wenn ich durch den Garten wandle.

Sie folgt allerdings auch dem Thai-Schwager und dem Gärtner, so dass ich wohl trotzdem, ohne schlechtes Gewissen, nach Europa in die Sommerferien reisen kann.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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