Frühes Heiligtum Yazilikaya diente wohl der Astronomie

Foto: wikimedia/Klaus-peter Simon
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ANKARA (dpa) - Es ist eines der großen Geheimnisse der Archäologie: Seit langem rätseln Wissenschaftler über die Funktion eines hethitischen Heiligtums. Nun haben Schweizer Forscher eine neue Theorie vorgelegt.

Das hethitische Felsheiligtum von Yazilikaya in der heutigen Türkei könnte vor mehr als 3.000 Jahren als eine Art besonderer Kalender gedient haben. Das zumindest schreiben Schweizer Forscher im «Journal of Skyscape Archaeology» - die Anlage habe sehr wahrscheinlich eine astronomische Rolle gespielt. Priester des Volkes der Hethiter beobachteten demnach dort um 1230 vor Christus den Himmel und führten einen sogenannten Lunisolar-Kalender. Dieser richtet sich zur Datumsberechnung vor allem nach den Mondphasen.

Der Geoarchäologe Eberhard Zangger und die Archäologin und Astronomin Rita Gautschy von der Universität Basel stellten fest, dass die in Fels gehauenen Figuren in einem der beiden natürlichen Innenhöfe von Yazilikaya sich in Gruppen einteilen lassen: Sie stellen die 12 Mondmonate, maximal 30 Tage sowie 19 Jahre dar. Um Sonnenjahre und Mondmonate in Einklang zu bringen, sind 19 Jahre notwendig. Außerdem sei eines der Tempelgebäude der Sommersonnenwende und ein anderes der Wintersonnenwende gewidmet, schreiben die Schweizer Wissenschaftler.

Ein zuverlässiger Kalender war nach ihren Worten für die Hethiter sehr wichtig, denn er bestimmte beispielsweise über den Zeitpunkt für Aussaat und Ernte, aber auch über die bis zu 165 religiösen Festtage im Jahr. Außerdem stützte sich die königliche Familie auf astrologische Vorhersagen und musste etwa wissen, wann eine Mondfinsternis - als Zeichen der Gefahr für den König - zu erwarten war.

Die Hethiter herrschten zwischen 1600 und 1200 v. Chr. über weite Teile Kleinasiens und Syriens. Die archäologische Stätte Yazilikaya zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Sie befindet sich in einer Gruppe Kalksteinfelsen nahe der einstigen hethitischen Hauptstadt Hattuscha, rund 150 Kilometer östlich von Ankara. Erste Ausgrabungen dort machte vor fast 120 Jahren der deutsche Orientalist Hugo Winckler.

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