Früherer ETA-Chef Ternera auf freiem Fuß

Foto: epa/Julien De Rosa
Foto: epa/Julien De Rosa

PARIS (dpa) - Die französische Justiz hat den früheren politischen Chef der aufgelösten baskischen Untergrundorganisation ETA, Josu Ternera, auf freien Fuß gesetzt. Ternera stehe unter richterlicher Aufsicht und dürfe das Staatsgebiet nicht verlassen, bestätigten Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Paris.

Ternera habe zudem seinen Pass abgeben müssen. Ermittler hatten Ternera Mitte Mai in der französischen Alpengemeinde Sallanches nahe den Grenzen zu der Schweiz und Italien festgenommen.

Hintergrund der Freilassung sei der Gesundheitszustand Terneras, berichteten spanische Medien. Er leide an Prostatakrebs, schrieb die renommierte Tageszeitung «El País». Ternera, der mit bürgerlichem Namen José Antonio Urrutikoetxea Bengoetxea heißt, war der meistgesuchte unter den Dutzenden noch flüchtigen «Etarras».

In Frankreich gab es einen Haftbefehl eines Pariser Strafgerichts gegen ihn. Er war 2010 und 2017 in Abwesenheit wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden. Über den Einspruch Teneras gegen die Entscheidungen des Strafgerichts werde Ende Juni entschieden, hieß es aus den Justizkreisen.

Vor gut einem Jahr hatte die ETA ihre Selbstauflösung bekanntgegeben. Bei ETA-Anschlägen wurden insgesamt mehr als 800 Menschen getötet. Die Organisation wurde als Widerstandsbewegung gegen die Diktatur von Francisco Franco gegründet. Aber auch nach der Rückkehr Spaniens zur Demokratie im Jahr 1975 kämpfte sie mit dem Ziel eines unabhängigen Baskenlandes im Norden Spaniens und im Südwesten Frankreichs weiter. Nach der Verkündung der Einstellung des bewaffneten Kampfes im Jahr 2011 verübte ETA keine Anschläge mehr.

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