Orang-Utan-Dame mit 22 Jahren ausgewildert

​Freiheit statt Showobjekt 

Foto: Pixabay
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PONTIANAK: In Thailand werden Orang-Utans oft in Vergnügungsparks als Showobjekte missbraucht. Dieses Schicksal drohte auch Suayap. Aber sie wurde gerettet - und lebt jetzt endlich frei im Dschungel.

Es ist ein kleines Wunder: Auf Borneo haben Tierschützer ein 22-jähriges Orang-Utan-Weibchen ausgewildert, das in seinem Leben noch nie frei im Dschungel gelebt hat. Suayap war vor 16 Jahren aus dem Safari World Park in Thailand gerettet und zurück in ihre indonesische Heimat gebracht worden. In dem Park in Bangkok hätte die Primatin als Showobjekt dienen sollen - als Jungtier als Fotomodell, später als Thai-Boxerin oder Nummerngirl in einem der zwielichtigen «Unterhaltungsprogramme», die in Thailand beliebt sind.

«Wie Gentests bewiesen hatten, stammt Suayap nicht aus einem thailändischen Zuchtprogramm, sondern wurde auf Borneo gefangen und illegal nach Thailand geschmuggelt», teilte die Stiftung BOS (Borneo Orangutan Survival) am Dienstag mit. Als Suayap gerettet wurde, war sie bereits sechs - und damit zu alt, um in die Waldschule aufgenommen zu werden. Das aber ist eigentlich die Voraussetzung, damit Menschenaffen später im Regenwald alleine überleben können.

Nach einer Zeit der Quarantäne und vielen Jahren, in denen sie mit Hilfe intensiver Förderung ihre Überlebensfähigkeiten entwickelte und trainierte, wurde Suayap 2019 die Möglichkeit gegeben, sich auf einer Vor-Auswilderungsinsel zu beweisen, wie BOS berichtete. Und die Affendame nutzte ihre Chance. Sie habe aktiv ihre Umgebung erkundet, fleißig nach Futter gesucht und sich in jeder Situation wie ein wilder Orang-Utan verhalten.

Deshalb entschieden ihre Betreuer, ihr jetzt den Sprung in die ganz große Freiheit zu ermöglichen: Vor wenigen Tagen wurde Suayap nach mehr als 16 Jahren in der Obhut von BOS im Nationalpark Bukit Baka-Bukit Raya in Kalimantan freigelassen. Mit ihr zusammen wurden noch sechs weitere, jüngere Orang-Utans ausgewildert.

«Wir freuen uns riesig, dass Suayap wieder als wildes Tier leben kann und nicht als Showobjekt unnatürliche Kämpfe inszenieren muss», sagte Daniel Merdes, Geschäftsführer von BOS Deutschland, der Deutschen Presse-Agentur. «Ihre lange Reise von Borneo nach Thailand nach Borneo hat endlich ein Ende.» Suayap sei ein Hoffnungsschimmer im Kampf gegen den internationalen illegalen Wildtierhandel.

Merdes appellierte auch an deutsche Touristen, den Shows mit Menschenaffen in Thailand und anderen südostasiatischen Ländern fernzubleiben. Sie vermittelten gerade Kindern ein falsches Bild von Wildtieren. Auch seien sie für den Artenschutz kontraproduktiv und kurbelten zudem die Nachfrage für den illegalen Handel an.

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