Farangs begeistert – Thais eher gelangweilt

Einen Erdbeerbaum im Garten zu haben, ist in Thailand nicht so außergewöhnlich

Selbst auf lausigen Böden floriert der Erdbeerbaum, wächst wie verrückt und liefert viele süße Früchtchen. Fotos: hf
Selbst auf lausigen Böden floriert der Erdbeerbaum, wächst wie verrückt und liefert viele süße Früchtchen. Fotos: hf

Als ich meinen ersten Erdbeerbaum im Garten hatte, teilte ich diese Sensation allen meinen Gartenbesuchern aus Europa enthusiastisch und mit viel Stolz mit und konnte damit durchaus punkten. Die Mienen meiner Thais drückten dahingegen aus: „Der Alte spinnt grad wieder mal!“

Die Blüten gleichen Erdbeerblüten ungemein.
Die Blüten gleichen Erdbeerblüten ungemein.

So ein Glück! Ganz ohne unser Zutun wuchs da neben dem Fischteich in Pattaya eines Tages ein veritabler Erdbeerbaum heran, fachspezifisch korrekt Muntingia calabura genannt. Und etwa ein Jahr später konnten wir einen Ableger ausgraben und damit den Erdbeerbaum auch noch erfolgreich nach Nong Khai bringen.

Blüten wie Erdbeeren und rote Früchte

Wir Europäer kennen Erdbeerblüten ja schon von Kindesbeinen an. Deshalb verstehen wir den Namen Erdbeerbaum für die Muntingia calabura sofort, denn ihre Blüten gleichen denen der Erdbeeren ausgesprochen. Und die kleinen süßen Früchte sind ja schließlich auch rot. Früher, als es sie noch nicht das ganze Jahr hindurch gab, waren Erdbeeren zudem Frühlingsboten und somit sehr positiv besetzt.

Daraus werden kleine und leckere Früchte.
Daraus werden kleine und leckere Früchte.

Der Erdbeerbaum in Thailand stammt ursprünglich aus Südamerika, ist aber längst in allen tropischen Ländern der Welt zu Hause. Er bildet nicht nur Ableger bei den weit verzweigten Wurzeln, die Vögel fressen die süßen Früchte sehr gerne und sorgen damit für seine Verbreitung in der Fläche.

Nachdem mir also zum ersten Mal das Glück eines eigenen Erdbeerbaums zuteilwurde, sah ich das Gewächs plötzlich überall. In Nong Khai und überall sonst in Thailand, in Laos, Kambod­scha, einfach überall. Kinder in Südostasien wachsen damit auf, essen die zahllosen, süßen Früchte des „Takob“, wie der buschige Baum in Thailand genannt wird. Angeblich wird er gerne ans Wasser gepflanzt, weil auch die Fische sich an seinen Früchten laben sollen.

Der großartige Takob wächst auf miesen, sauren Böden sehr rasch und wird so häufig zur Primärbepflanzung. Mit anderen Worten, mein anfangs verehrter Erdbeerbaum war in den Augen der Thais doch ziemlich gewöhnlich, und zwar aus lebenslanger Erfahrung…

Wasserbüffel sind nun selten geworden

Ganz zutraulich ist dieser junge Wasserbüffel, er lässt sich streicheln und folgt mir wie ein Hund. Beim Radfahren durch die Reisfelder um Nong Khai sind mir endlich mal wieder ein paar Wasserbüffel über den Weg gelaufen. Die friedlichen Bies­ter muss man einfach gerne haben. Da wollte ich das alte Sprichwort verfilmen: „Ein Konzert für einen Wasserbüffel abhalten“: „Sih soh hay kwai fang“, ungefähr: Perlen vor die Säue werfen. Da „Wasserbüffel“ oder Kwai ja ein beliebtes, böses Schimpfwort ist und die Hornviecher zudem als schwerhörig gelten, ist es natürlich eine ausgemachte Dummheit, ein Konzert für solche Tiere zu organisieren…

Als ich mit dem Stativ wieder bei den Viechern eintraf, waren sie leider verschwunden, fast wie im Lied des Schweizer Poeten Mani Matter „Chue am Waldrand“, eine unendliche Enttäuschung.

Doch am nächsten Tag versuchte ich mein Wasserbüffel-Glück erneut, wurde fündig und konnte mein finales Video doch noch produzieren! Es ist vollbracht.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.