Verlobte ruft UN zu konkreten Schritten auf

Foto: epa/Erdem Sahin
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ISTANBUL (dpa) - Vor der Diskussion eines UN-Berichts zum Mord an dem regierungskritischen saudischen Journalisten Jamal Khashoggi fordert seine türkische Verlobte von den UN konkrete Schritte. «Sie können nicht so tun, als ob nichts passiert ist.

Die Institution würde sich selber schaden, wenn sie den Bericht ignoriert», sagte Hatice Cengiz der Deutschen Presse-Agentur. «Um solche Dinge in der Zukunft zu vermeiden, müssen die Täter bestraft werden», sagte Cengiz. «Wenn nichts geschieht, würde das nur einmal mehr die Macht des Geldes beweisen.» Das wäre eine «große Enttäuschung», sagte sie.

Am Mittwoch wird die UN-Sonderberichterstatterin für außergerichtliche, standrechtliche oder willkürliche Hinrichtungen, Agnès Callamard, ihren Bericht über die Hintergründe des Mordes mit Mitgliedern des Menschenrechtsrates diskutieren. Er war vor einer knappen Woche veröffentlicht worden. Am Dienstagvormittag sollte Cengiz bei einer Veranstaltung am Rande der Sitzung des Menschenrechtsrats sprechen.

Callamard sieht in ihrem Bericht «glaubhafte Hinweise» auf eine persönliche Verantwortung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman für den Mord an dem Journalisten. Zur Klärung der Schuldfrage seien aber weitere Untersuchungen nötig. Er war mehrfach als Drahtzieher der Bluttat verdächtigt worden.

Der Bericht sei «wertvoll», sagte Hatice Cengiz. Er mache Hoffnung. Ihren Kampf für die Wahrheit wolle sie nicht aufgeben. «Wie ist es möglich, aufzugeben? Jemand in meinem Leben ist getötet worden, jemand, der mir nahestand.» Wie könne man so tun, als sei nichts passiert und einfach weiterleben, fragte sie. Man würde sein Leben aufgeben, wenn man da aufgäbe, erklärte sie.

Der 59-jährige Khashoggi war im Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul von einem eigens aus Riad angereisten Spezialkommando ermordet worden, als er Papiere für seine geplante Hochzeit abholen wollte. Das hatte die saudische Führung nach internationalem Druck auch zugegeben und elf Männer vor Gericht gestellt.

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