Ex-Premier Anand fordert Bildungsreform

Anand Panyarachun. Foto: The Nation
Anand Panyarachun. Foto: The Nation

BANGKOK: In Thailand wird der Ruf nach einer umfassenden Reform des Bildungssystems immer lauter, insbesondere wegen der tief verwurzelten Ungleichheiten, die vielen Menschen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft rauben. Dies betonte der ehemalige Premierminister Anand Panyarachun während eines Seminars am Freitag (24. Mai 2024) in Bangkok.

Anand Panyarachun, der Thailand in den Jahren 1975 bis 1977 und erneut von Juni bis Oktober 1992 als Premierminister diente, sprach von einer „Chancenungleichheit“, die das Bildungssystem des Landes durchzieht.

Die Ursachen sieht er vor allem in den sozioökonomischen Verhältnissen der Familien, die bereits in frühester Kindheit eine Rolle spielen: „Reiche Eltern schicken ihre Kinder früh in den Kindergarten, während ärmere Familien ihre Kinder selbst betreuen oder sie zu den Großeltern geben,“ erklärte Anand bei der Veranstaltung mit dem Titel „Szenarien für die Zukunft der thailändischen Gesellschaft: Wie können wir die Gesellschaft verändern?“, organisiert von der Population and Community Development Association (PDA).

Ein alarmierender Bericht des Equitable Education Fund (EEF) aus dem Jahr 2023 unterstreicht das Ausmaß des Problems: Mehr als 1,8 Millionen Schülerinnen und Schüler sind von einer Ausgrenzung aus dem Bildungssystem bedroht, wobei 55 Prozent von ihnen aus Familien stammen, die unterhalb der Armutsgrenze von 2.803 Baht leben. Diese Familien geben im Durchschnitt 24 Prozent ihres Einkommens für Bildung aus – ein scharfer Kontrast zu den wohlhabenderen Haushalten, die nur 6 Prozent ihres Einkommens dafür aufwenden.

Anand betonte die tiefgreifenden Auswirkungen dieser Ungleichheiten, die sich von der Schulausbildung bis ins Berufsleben erstrecken. „Dieses Problem wird oft übersehen, und es gibt keine einfachen Lösungen. Nur durch gezielte und wohlüberlegte Maßnahmen können wir diese Ungleichheiten überwinden,“ so Anand.

Der ehemalige Premierminister appellierte an die thailändische Gesellschaft, sich mit den strukturellen Problemen auseinanderzusetzen und gemeinsam nachhaltige Lösungen zu entwickeln, um die Zukunft vieler junger Menschen zu sichern.

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Jürgen Franke 28.05.24 09:00
Herr Goller, der letzte Satz Ihres Kommentares:
" je dümmer...", gilt leider nicht nur für Thailand.
Ham Mmm 28.05.24 05:10
@dieter goller
Genau so ist es. Und deswegen wird sich kix ändern! Man will zwar international aufsteigen.....aber.....! Da ist es einfacher steuern von expars und touristen zu melken.
michael von wob 28.05.24 04:00
@ Jörg Obermeier
Alles richtig. Eine richtige Reform würde Genererationen dauern. Duckmäusertum, Gesichtsverlust und andere elementare nationale Eigenschaften mehr werden bereits in der frühesten Kindheit im Elternhaus und Schulkindergarten anerzogen und es ist systemrelevant. Wer sich bischen auskennt versteht warum ich um 20:10 " von a bis z ......" geschrieben habe.
Jörg Obermeier 28.05.24 02:30
My 2cent
Es ist ja nicht so, dass irgendwer irgendwann eine Bildungsreform beschliesst und ab diesem Zeitpunkt werden die Kinder plötzlich zum eigenständigen Denken und nicht nur zu Befehlsempfänger ausgebildet. Da müssen Strukturen verändert werden, auch die Ausbildung der Lehrer und dann in mehreren Jahren wird hoffentlich ein positiver Effekt erzielt werden können. Und da das ein eher langfristiger Prozess ist der keine kurzfristigen Erfolge zeitigen kann, ist so eine Reform selten in der Agenda der Politiker ganz oben.
Helmut Loehr 27.05.24 22:00
Bildung bedeutet Zukunft
Thailand kann großes erreichen. Das Potenzial an zukünftigen, gut ausgebildeten jungen Menschen wird benötigt. Überall entstehen neue Industrieanlagen, Standorte.
Es gibt sehr viele junge Menschen die möchten mithelfen, damit Thailand voran kommt. Auch sehr viele aus Familien die arm sind. Leider. Wenn es gelinkt, diese jungen mit einzubinden, dann kann die Wirtschaft noch weiter wachsen. Es wäre schön, wenn das gelingen könnte.
michael von wob 27.05.24 20:10
Von A bis Z nur Blödsinn
Ein ex PM hat gar nix zu fordern und Thais lassen sich von Externen niemals helfen und warum auch ? Sie wissen und können alles besser ! Jeder der Thailand bischen kennt kommt niemals auf einen solche naive Idee !
Dieter Goller 27.05.24 19:00
Zweifel
Ich kann mir eher nicht vorstellen, dass externe Berater hier zum Zuge kommen oder gar benoetigt werden. Dabei sehe ich als wesentlichen Hinderungsgrund weniger das allg. bekannte landestypische Akzeptanz- Problem, sondern die Tatsache, dass mit Bildung und Wissen im weitesten Sinne auch Macht verknuepft ist. Polemisch formuliert: je duemmer das Volk, desto leichter regier-/kontrollierbar ist es auch.
Jürgen Franke 27.05.24 18:40
Es ist davon auszugeben,
dass sich die Regierung kompetente Berater für das Bildungswesen ins Land holen wird.
Reto Jonasch 27.05.24 18:10
Die heutige Ausbildung der jungen Menschen bestimmen, wie es Thailand politisch und wirtschaftlich in der Zukunft gehen wird. Nichts wissen macht nichts !!! Wo keine gebildeten, kompetente Menschen agieren können, wird ein Fortschritt nicht möglich sein. Die Unwissenden wissen das nicht, weshalb man ihnen nur schwierig klar machen kann, wie wichtig Bildung ist.
Günter Jack 27.05.24 14:00
Da kann man Herrn Panyarachun nur beipflichten, endlich jemand, der sich dieses existentiellen Themas annimmt! Die früheren PM scheinen ihre Ohren näher am Volk und Ordnung im Kopf gehabt zu haben.