Europol: Schlag gegen Medikamenten-Schmuggel 

​25 Banden ausgehoben

Fortschrittsbericht der Sicherheitsunion zur Agenda zur Terrorismusbekämpfung und zur Europol-Verordnung. Foto: epa/Stephanie Lecocq / Pool
Fortschrittsbericht der Sicherheitsunion zur Agenda zur Terrorismusbekämpfung und zur Europol-Verordnung. Foto: epa/Stephanie Lecocq / Pool

DEN HAAG: Im Kampf gegen verbotenen Handel mit Medikamenten und Doping-Substanzen haben europäische Ermittler 25 kriminelle Banden ausgehoben. 667 Personen seien bei dem Einsatz festgenommen worden, wie die europäische Polizeibehörde Europol am Donnerstag in Den Haag mitteilte. Große Mengen an Medikamenten im Wert von rund 73 Millionen Euro wurden demnach sichergestellt.

Die Ermittler hatten große Mengen an illegalen und oft gefälschten Medikamenten sowie Tonnen chemischer Substanzen entdeckt. Dazu gehörten nach Angaben von Europol Krebs-Medikamente, Arzneimittel gegen Erektionsstörungen, Schmerz- und Verhütungsmittel sowie Antibiotika. Die Banden hätten auch Aufputschmittel und Hormonpräparate hergestellt und gehandelt.

Zehn geheime Labors wurden aufgerollt und über 450 Websites geschlossen, auf denen die Präparate angeboten worden waren. Sichergestellt wurden auch 33 Millionen gefälschte medizinische Hilfsmittel und Präparate im Kampf gegen Covid-19, wie Gesichtsmasken, Corona-Tests und Desinfektionsgels für Hände. Europol warnte vor erheblichen Gesundheitsschäden durch gefälschte Präparate.

Die «Operation Shield» lief vom März bis zum September und wurde von Ermittlern aus Finnland, Frankreich, Griechenland und Italien geleitet. Ermittler aus insgesamt 27 Ländern waren daran beteiligt.

Der Handel und die Produktion von Medikamenten, Betäubungsmitteln und Anabolen Steroiden sei ein Trend, erklärte die Polizeibehörde. «Der Handel von Arzneimitteln ist weltweit ein zunehmendes Phänomen.» Das organisierte Verbrechen sei zunehmend in diesem Bereich aktiv, in dem hohe Profite erzielt werden könnten - bei relativ geringem Risiko entdeckt zu werden.

Außerdem werde der Markt größer, so Europol. «Der Missbrauch von Medikamenten wird immer mehr zur Gewohnheit.» Verbraucher schluckten oder spritzten sich Mittel ohne ärztliches Rezept, um Leistungen zu erhöhen, oder als Party-Droge.

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Josef Hupe 15.12.20 16:55
Neue Aufgabengebiete
Durch das Verbieten des Verkaufs selbst harmloser Medikamente schaffen viele Staaten mMn selber die Voraussetzungen, die einen blühenden Schwarzmarkt erst ermöglichen.