Enttäuschung nach Atomgesprächen mit dem Iran

Offizielle iranische Vertreter erklären, dass sie in Wien ein gutes, positives Atomabkommen anstreben. Foto: epa/Abedin Taherkenareh
Offizielle iranische Vertreter erklären, dass sie in Wien ein gutes, positives Atomabkommen anstreben. Foto: epa/Abedin Taherkenareh

WIEN: Der Iran hat in den neu begonnenen Atomverhandlungen aus Sicht von hochrangigen europäischen Diplomaten eine destruktive Haltung eingenommen. «Iran bricht mit fast allen schwierigen Kompromissen, die in mehreren Monaten harter Verhandlungen vereinbart worden waren», hieß es am Freitag aus Kreisen der deutschen, französischen und britischen Verhandler. Das Zeitfenster für eine diplomatische Lösung im Atomstreit werde deshalb immer kleiner, warnten sie. Nach fünftägigen Gesprächen in Wien kehrten die Delegationen in ihre Hauptstädte zurück, um nächste Woche wieder in der österreichischen Hauptstadt zusammenzukommen.

Auch die USA zeigten sich nach den Gesprächen ernüchtert. «Die neue iranische Regierung ist nicht mit konstruktiven Vorschlägen nach Wien gekommen», sagte die Sprecherin von US-Präsident Joe Biden, Jen Psaki. In den vergangenen Verhandlungen seien große Fortschritte erzielt worden, aber dem Iran sei es diese Woche nicht darum gegangen, die noch strittigen Punkte zu klären, sagte sie.

Bei den Verhandlungen geht es darum, das iranische Atomprogramm wieder einzuschränken und US-Sanktionen gegen die Islamische Republik aufzuheben. Damit soll das Atomabkommen von 2015 gerettet werden, das die Entwicklung von Nuklearwaffen im Iran verhindern soll.

Als die Gespräche im Juni für fünf Monate auf Eis gelegt wurden, waren schon einige Elemente einer möglichen Einigung ausgearbeitet worden. Der neue iranische Chefverhandler Ali Bagheri legte diese Woche nach eigenen Angaben zwei neue Vorschläge zu Sanktionen und Atom-Aspekten vor, die nun in westlichen Hauptstädten sowie in Peking und Moskau geprüft würden.

Die europäischen Diplomaten stellten jedoch schon am Freitag klar, dass die iranische Position keine realistische Chance auf eine Einigung biete. «Nach gründlicher und sorgfältiger Prüfung sind wir enttäuscht und besorgt über die von Iran vorgeschlagenen Änderungen am Text, der über die letzten sechs Runden der Wiener Gespräche ausgehandelt wurde», hieß es.

Washington stieg 2018 unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump aus dem Atomabkommen aus und verhängte scharfe Wirtschaftssanktionen. Teheran überschritt daraufhin die vereinbarten Beschränkungen seines Atomprogramms und begann mit der Produktion von fast waffenfähigem Uran. Bei den Wiener Gesprächen vermitteln die drei EU-Staaten gemeinsam mit Russland und China zwischen dem Iran und den USA.

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David 04.12.21 19:33
atomverhandlung mit usa
herr kern schreibt korrekt-trump hat die vereinbarungen mit us regierung unter obama stolz anulliert und restljche staaten haben nur zu gesehen und nicht protestiert-wie kann man den boss(usa) wiedersprechen !!! und alle mögliche sanktionen bis einfuhr von medikamenten verhängt-usa wollte den iran in die knie zwingen und bis heute nicht geschafft- klar iran hat dann angefangen seinen atomprogramm durch zu setzen-nun hat israel die usa und eu länder aufgefordert die verhandlungen zu stoppen weil keinen anderen atommacht neben sich duldet-nach iraqkrieg hat iran gelernt dass ohne richtige militär und verteidigungsusrüstung angreifbar ist-nun ist iran ohne ausländische hilfe ein militärmacht in asien und das gefällt usa und israel wieder nicht-israel indien und pakistan haben schon lange atom und warum iran nicht??weil iran sieht in usa kein boss mehr wie schah früher ......
Rene Amiguet 04.12.21 16:50
Gleiches Recht
Warum sollen die einen Nationen dürfen und die anderen nicht? Es ist durchaus verständlich und berechtigt wenn Iran auch zu den Atomächten gehören will, wenn die das überhaupt auch schaffen können. Die Weltgemeinschaft sollte besser ein absolutes Atom Verbot durchsetzen und die betroffenen Länder müssen es strikte einhalten und sämtliche Atomwaffen vewrnichten. Jede Nation die diese Waffe einsetzen würden, begehen sowieso auch Sebstmord. Wir alle können nur hoffen dass das niemals mehr passieren wird!
Ingo Kerp 04.12.21 13:10
Als Trump das Vertragswerk aufkündigte, warfen sich die übrigen Unterzeichner in die Brust und verkündeten im Brustton der Überzeugung, das sie eine Loesung für den Iran hätten. Es würden weiter Geschäftsverbindungen aufrecht gehalten und selbst für die internationalen Finanztransfers würde man eine Bankmoeglichkeit schaffen. Nichts davon wurde eingehalten, alles nur leere Versprechungen. Jetzt lernt diese Seite mal kennen, was es heißt, ploetzlich ohne greifbare Ergebnisse dazustehen. Bedankt Euch bei Trump für das Desaster.