Es gibt keine Facharbeitskräfte

Ein Leserbrief erreichte die Redaktion zur Kurznachricht „Mangel an Facharbeitskräften“ (FA15/2015): 

Es gibt in ganz Thailand, wie allgemein bekannt ist, keinerlei Form von Berufsausbildung, die diesen Namen auch nur annähernd verdienen würde. Wie kann man dann überhaupt über Facharbeitermangel reden? Es gab noch nie Fachkräfte und wird sie auch nie geben. Die Mächtigen des Landes wollten doch noch nie gut ausgebildete Leute und haben noch nie in die Ausbildung investiert. Frei nach dem Motto, haltet die Menschen dumm, dann können sie keine hohen Löhne fordern. Die „Bangkok Post“ hat schon in den 1990er Jahren geschrieben „It is time to teach our teachers“. Passiert ist natürlich nichts. Im Gegenteil. Siehe PISA-Studien etc. Dazu kommt natürlich die allseits bekannte Mentalität der Thais. Sie lehnen es ab zu lernen. Man hört von Thais immer öfter den Spruch „no need in Thailand“. Übrigens, kennen Sie das TGI? Das heißt „Thai German Institute“ und ist eine super ausgestattete Ausbildungsstätte für Metallberufe, die sehr, sehr viel Geld gekostet hat, von Deutschland bezahlt. Sie sollten mal dorthin fahren. Das Ding ist menschenleer. Da sind nur ein paar Anges­tellte, die sich einen schönen Tag machen. Ich war vor ein paar Monaten dort, es ist eine Schande. Und da redet man über Mangel an Fachkräften. Nebenbei bemerkt, die Akademiker hierzulande sind keinen Deut besser.

Josef Garnweitner, Huai Yai

Anm. d. Red.: Sehr geehrter Herr Garnweitner, vielen Dank für Ihre Zuschrift. Seit vielen Jahren ist Deutschland darum bemüht, seine eigenen positiven Erfahrungen beim Modell „Duale Berufsausbildung“ mit Thailand zu teilen. Dies betrifft vor allem die Initiierung grundlegender Berufsausbildungskurse. Die deutsche Botschaft Bangkok informiert in diesem Zusammenhang auf ihrer Webseite:

„Kenner der thailändischen und deutschen Berufsbildungssysteme wissen, wie verschieden Konzepte und Ausgangslage oftmals sind. Es verwundert daher nicht, dass die Diskussion um das „ideale“ Konzept weiterhin im Fluss ist. Bemerkenswerterweise gibt es seit 2008 in Thailand sogar ein spezielles Berufsbildungsgesetz. Seit 2010 existiert ein sogenanntes Cooperation Agreement zwischen der Kommission für Berufliche Bildung im thailändischen Erziehungsministerium (Bangkok) und dem Bundesinstitut für Berufsbildung (Bonn). Thailändische Fachinstitutionen sind aktuell in einem regionalen ostasiatischen Netzwerk der Berufsschul-Lehrerausbildung vertreten, das von Deutschland initiiert wurde. Berufliche Bildung bleibt ein aussichtsreiches Feld künftiger erfolgreicher Zusammenarbeit.“ 

Die im Magazin veröffentlichten Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. DER FARANG behält sich darüber hinaus Sinn wahrende Kürzungen vor. Es werden nur Leserbriefe mit Namensnennung veröffentlicht!

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stefan Della Valle 12.08.15 15:01
Anwort an Herrn Garnweitner
Lieber Herr Garnweitner, sie haben LEIDER zu 200 Prozent recht. Ich habe dieselben Erfahrungen gemacht. Jeder Worker hier der einen Hammer halten kann schimpft sich Spezialist. Ich stellte unseren Workern die besten Maschinen zur Verfügung aber die Leute wollen diese oft nicht brauchen trotz Einweisung. Und wenn, dann sind sie nach vier Wochen kaputt und sehen aus wie wenn man sie schon zehn Jahre gebraucht hätte. Die Werkzeuge liegen im Dreck herum und wenn etwas nicht mehr funktioniert werden sie nicht repariert sondern einfach weggeworfen. Der Redaktion muss ich leider sagen dass sie sich besser mal auf einer Baustelle umsehen sollte statt über Papiertiger zu diskutieren.
gerhard ulrich 12.08.15 14:04
Facharbeitskraefte
Josef Garnweitner hat vollkommen Recht. komischwerwiese benehmen sich die Einheimischen aber trotzdem wie Facharbeiter und als ob sie schlauesten auf diesen Planeten waeren. so kann man leicht die herausragende Entwicklung in diesen Land erklaeren.