Prozess im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach

Das Ortsschild von Bergisch Gladbach steht am Ortseingang. Foto: Federico Gambarini/Dpa
Das Ortsschild von Bergisch Gladbach steht am Ortseingang. Foto: Federico Gambarini/Dpa

KLEVE: In Bergisch Gladbach bei Köln haben die Ermittlungen zu einem bundesweiten Kindermissbrauchsfall ihren Anfang genommen. Nun steht ein erster Angeklagter vor Gericht. Dem Bundeswehrsoldaten wird unter anderem Missbrauch in 33 Fällen vorgeworfen.

Im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach beginnt am 12. Mai der erste Prozess gegen einen 26-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs von kleinen Kindern in 33 Fällen. In zwei Fällen soll er sich mit einem Mann aus Bergisch Gladbach an einem Kind vergangen haben, wie das Landgericht im niederrheinischen Kleve am Montag mitteilte. Der Prozess gegen den Bundeswehrsoldaten findet nach Angaben des Landgerichts Kleve vor der auswärtigen Strafkammer in Moers bei Duisburg statt. Es sind vier Verhandlungstage bis zum 26. Mai angesetzt.

Laut Anklage soll der Mann seine leibliche Tochter und den Stiefsohn missbraucht haben. Daneben soll er sich an der Tochter des Mannes aus Bergisch Gladbach vergangen haben, durch den die Ermittlungen ausgelöst wurden, sowie an seiner eigenen Nichte. Darüber hinaus wirft ihm die Staatsanwaltschaft die Herstellung kinderpornografischer Schriften in drei Fällen vor und die Verabredung zum schweren sexuellen Missbrauch.

Die Taten soll er zwischen Mai 2018 und Oktober 2019 begangen haben. Die Geburtsjahrgänge der Kinder liegen den Angaben nach zwischen 2012 und 2017.

Der angeklagte Soldat lebte nach Angaben des Gerichts bis Juni 2019 mit Ehefrau, Stiefsohn und Tochter in einer Wohnung im niederrheinischen Kamp-Lintfort. Der Mann soll vor allem die Zeit am Wochenende genutzt haben, wenn seine Frau arbeiten und er mit den Kindern alleine war.

Der Mann hatte sich nach früheren Angaben bereits im Juni vergangenen Jahres selbst angezeigt. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin auf Untersuchungshaft oder Hausdurchsuchungen verzichtet. Nach der Anzeige soll er jedoch noch seine kleine Nichte missbraucht haben. Erst im Herbst, als die Ermittlungen zu einem großen Netz von Sexualstraftätern von Bergisch Gladbach aus ihren Anfang nahmen, rückte der Mann in den Fokus der Justizbehörden: Bei den Ermittlungen gegen den Mann aus Bergisch Gladbach seien die Ermittler auf Chats mit dem jetzt Angeklagten aus Kamp-Lintfort aufmerksam geworden, teilte eine Gerichtssprecherin mit. Die beiden hätten sich dabei auch verabredet.

Die Ermittlungen im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach erstrecken sich mittlerweile auf sämtliche Bundesländer. Allein in Nordrhein-Westfalen wird nach Angaben der Polizei gegen 27 Beschuldigte ermittelt. Davon befinden sich neun Beschuldigte in Untersuchungshaft. Die Verdächtigen sollen - teilweise ihre eigenen - Kinder missbraucht und Bilder der Taten getauscht haben. Ermittler werten seit Monaten riesige Datenmengen aus und versuchen, weitere Täter und Opfer zu ermitteln. Gegen den Mann aus Bergisch Gladbach, bei dem die Ermittlungen ihren Anfang nahmen, wird die Anklage zurzeit noch vorbereitet.

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