Erneut schwere Gefechte - Dutzende Tote befürchtet

Afghanische Sicherheitskräfte räumen ein Gebiet von Taliban-Kämpfern im Bezirk Achin in der Provinz Nangarhar. Foto: epa/Ghulamullah Habibi
Afghanische Sicherheitskräfte räumen ein Gebiet von Taliban-Kämpfern im Bezirk Achin in der Provinz Nangarhar. Foto: epa/Ghulamullah Habibi

KABUL: In Afghanistan setzen die militant-islamistischen Taliban ihre Offensiven im Land fort. In der Nacht zu Sonntag (Ortszeit) haben sie ein weiteres Bezirkszentrum in der Provinz Fariab im Norden des Landes angegriffen. Vor der Polizeistation im Zentrum des Bezirks Kaisar sei eine Autobombe detoniert. Der örtliche Polizeichef und mindestens acht seiner Polizisten seien ums Leben gekommen, sagte der Bezirksgouverneur Abdul Baki Haschimi der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag.

Seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan haben die Taliban ihre Angriffe in dem Krisenland intensiviert. Mindestens sieben Bezirke sind seither an sie gefallen, drei alleine seit Donnerstagnacht (Ortszeit).

Die Taliban hätten die Polizeistation und ein daneben liegendes Gebäude der Ortsverwaltung übernommen und mehrere Sicherheitskräfte gefangen genommen, sagte Haschimi. Die Islamisten versuchten nun, das Gebäude der Bezirksverwaltung, eine Einheit der Armee und des Geheimdienstes NDS zu überrennen.

Mindestens zwei Sicherheitskräfte seien auch im Dorf Kohi in dem Bezirk getötet worden, das neben dem Bezirkszentrum als einziges noch unter Kontrolle der Regierung sei. Einem Provinzrat zufolge sind die Verluste der Regierung noch viel höher. Bis zu 30 Sicherheitskräfte seien ums Leben gekommen.

Experten befürchteten eine Zunahme an Taliban-Angriffen mit Beginn des Abzugs der US- und anderer Nato-Truppen. Es ist unklar, wie sehr die internationalen Truppen aktuell die Sicherheitskräfte der Regierung noch unterstützen. Der Abzug soll bis spätestens 11. September abgeschlossen sein.

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TheO Swisshai 09.06.21 09:50
@werner spierling / Völlig daneben 2
Die grosse Frage ist, wieso liess man Pakistan gewähren( eigentlich ein Verbündeter der USA)?
Zweifellos spielen dabei die Drogen eine wichtige Rolle. Praktisch alles wird über Pakistan ausser Landes geschafft. Man schätzt das Geschäft mit dem Opium auf rund 5 Milliarden $ / Jahr, wobei der Anteil der Taliban "nur" rund 150 Millionen betragen soll. Wohin fliesst der Rest?

Ihre Forderung, das afghanische Volk müsse verstärkt mithelfen ist ein Affront sondergleichen.. Seit dreissig Jahren wird die Zivilbevölkerung von den Taliban terrorisiert. Die Taliban richten sich bei Anschlägen gezielt gegen die afghanische Zivilbevölkerung. Zivilisten sind mehr als doppelt so häufig das Ziel tödlicher Anschläge der Taliban als afghanische Regierungstruppen oder Truppen der ISAF. Sie verbrannten ganze Landstriche und rissen ganze Städte nieder. Die Stadt Istalif, welche über 45.000 Einwohner hatte, wurde z. B. gänzlich zerstört und umliegendes Agrarland in Brand gesteckt. Die Einwohner wurden ermordet oder vertrieben. Die stärksten Armeen sind gescheitert, was will da die Zivilbevölkerung noch mithelfen?

Das gleiche gilt für die afghanischen Soldaten. Alleine zwischen 2014-2019 sind 45.000 Soldaten der Nationalarmee im Kampf gegen Gruppierungen, wie den Taliban und den islamischen Staat gefallen. Zum Vergleich, die Verluste der Taliban betrugen in der gleichen Zeit ca. 8000 Soldaten, die der USA und ihrer Verbündeten rund 500.
Ben Frank 08.06.21 23:10
@Swisshai
Mal wieder - wie schon oft - auf den Punkt gebracht.
Sehr schwieriges Thema.
TheO Swisshai 08.06.21 23:00
@werner spierling / Völlig daneben 1
Ihren Kommentar hätten Sie sich ruhig sparen können, denn das einzige was man daraus schliessen kann ist nämlich, dass Sie überhaupt keine Ahnung haben von Afghanistan und den Taliban-Problematik.

Wenn schon dann müssten Sie sagen die USA ist feige und nicht die NATO. Die USA haben sich dazu entschlossen, sämtliche Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Sowohl das offizielle US-NATO-Kontingent von rund 8000 Soldaten, wie auch die weiteren rund 16'000 US-Soldaten die .direkt unter US-Kommando stehen. Der Abzug der restlichen NATO-Truppen ist nicht feige, sondern ein logischer und vernünftiger Folgeentscheid. Die NATO hat auch keinen Geheimdienst mit Geld und Macht, diese Aufgabe ist Sache der CIA (US-Geheimdienst).


Die Taliban werden seit 30 Jahren erfolglos bekämpft. Die Russen sind gescheitert, die USA sind gescheitert, die UN und die NATO ebenfalls. So einfach wie Sie sich das Aufräumen mit den Taliban vorstellen ist es wohl nicht. Das liegt vor allem daran, dass sie immer wieder von dritter Seite Unterstützung erhalten haben. So wurden sie von den USA unterstützt ( die CIA heuerte dafür u.a. Osama Bin Laden an) als sie gegen die Russen kämpften und dann von den Russen als sie gegen die USA kämpften. Finanzielle Unterstützung bekommen die Taliban aus Saudi-Arabien und den Arabischen Emiraten. Die alles entscheidende Rolle spielt jedoch Pakistan, resp. dessen Geheimdienst. Ohne die Hilfe Pakistans gäbe es die Taliban längst nicht mehr.

werner spierling 07.06.21 23:30
Es ist unverständlich wie feige die Nato ist.Sie haben Geheimdienste viel Geld und Macht um mit den Taliban Terroristen aufzuräumen.Es muss auch das Afghanische Volk verstärkt mithelfen.Für was gibts die Drohnen usw militärische Aufklärung.Was lernen die Afghanischen Soldaten in der Ausbildung traurig.
Ingo Kerp 07.06.21 12:20
Wenn die Taliban in dem Tempo weitermachen, bekommen die intern. Truppen noch ordentlich einen mit, bevor sie Anfang Sept. abgezogen sind. Da sie sich sicher nicht mehr auf Kampfgeschehen einlassen wollen, was auch sinnlos wäre, sollten sich die Truppen rechtzeitig auf den Heimweg machen. Nicht vergssen, die dezeitige afghan. Regierung mitzunehmen, da die einen mehr als schweren Stand bie den Taliban hätten.