Erhöhung Mindestlohn stärkt Nachbarländer

Foto: epa/Barbara Walton
Foto: epa/Barbara Walton

BANGKOK: Die thailändische Regierung sieht sich mit Kritik konfrontiert, nachdem Pläne zur Erhöhung des nationalen Mindestlohns auf 400 Baht pro Tag bekannt wurden. Die Federation of Thai Industries (FTI) warnt, dass ein erheblicher Teil dieser Lohnsteigerung an Wanderarbeiter aus den Nachbarländern fließen und somit wenig zur Stärkung der einheimischen Wirtschaft beitragen würde.

Wiwat Hemmondharop, stellvertretender Vorsitzender der FTI, betonte, dass Wanderarbeiter jährlich etwa 100 Milliarden Baht an ihre Familien in Myanmar, Laos und Kambodscha überweisen. „Diese Arbeitnehmer geben nur die Hälfte ihres Lohns in Thailand aus und senden den Rest zurück in ihre Heimatländer. Eine Lohnerhöhung würde also eher das BIP unserer Nachbarn stärken als unseres“, erklärte Hemmondharop.

Derzeit verdienen hochqualifizierte Arbeiter in Thailands verarbeitendem Gewerbe zwischen 700 und 900 Baht täglich. Die Befürchtung besteht, dass der neue Mindestlohn diese Gehälter in einigen Branchen auf über 1.000 Baht pro Tag anheben könnte, was zusätzlichen Druck auf die Unternehmer ausüben würde.

Thailand beherbergt zwischen 2,6 und 3 Millionen Arbeitsmigranten, die häufig in Bereichen arbeiten, die von Einheimischen gemieden werden. Diese Tätigkeiten sind oft gefährlich, schmutzig und körperlich anstrengend. Die FTI appelliert an die Regierung, die Lohnerhöhung an die Qualifikation der Arbeitskräfte und die wirtschaftlichen Bedingungen der einzelnen Provinzen anzupassen. Zudem fordert der Verband mehr staatliche Unterstützung und besseren Zugang zu Finanzquellen für Unternehmen. „Etwa 50 Prozent unserer Mitglieder benötigen dringend mehr wirtschaftliche Unterstützung“, fügte Apichit Prasoprat, ebenfalls stellvertretender Vorsitzender der FTI, hinzu.

Mit rund 15.000 Mitgliedsunternehmen spiegelt die FTI eine breite Palette industrieller Interessen wider und unterstreicht die Dringlichkeit einer angepassten Wirtschaftspolitik, die sowohl die Bedürfnisse der Unternehmen als auch die der thailändischen Volkswirtschaft berücksichtigt.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Monruedee Kanhachin 30.05.24 11:10
Herr Ronaldo
Wenn die Lebenshaltungskosten steigen und es aber keine Lohnerhöhungen gibt? Kaufkrafterhöhung ist es nicht, jedoch ein Ausgleich zu den steigenden Kosten. Anders geht es nicht, das beste Beispiel sind die verarmten deutschen Rentner
Guenter Scharf 30.05.24 09:50
Lohnerhöhungen kommen an, sind aber wieder weg
@Ronaldo, 29.05.24: Wenn höhere Löhne ausgezahlt werden, kommen sie in den Portemonnaie der Empfänger schon an. Bei gestiegenen Preisen kommt es aber nicht zu einer Kaufkrafterhöhung.
René Tischer 28.05.24 18:10
Ja, leider ist es so, dass es immer welche gibt die für noch weniger arbeiten als andere und dadurch natürlich auch das Lohngefüge nach unten Schrauben. Und es gibt leider genügend, die einen 2. job haben um sich und ihre Familie ernähren zu können, gerade in staatlichen Stellen wo man keine "Umschläge" bekommt. aber leider ist es nach Covid so, dass viele Thais ärmer geworden sind. Die Preise steigen, aber der Lohn eben nicht und wenn man schon wenig hat, wird es eben noch weniger.
Ronaldo 28.05.24 17:00
@H.R. Bütler und Haugg: Sehr gute Beiträge-
schließe mich zu 100 % an und ergänze: NICHTS von der "Lohnerhöhung" kommt irgendwo an, da diese von den steigenden Lebenshaltungskosten längst aufgefressen wurde!
Hansruedi Bütler 28.05.24 12:52
Das wird uns ruinieren
100%ig, aber nicht wegen 350 THB Tageslohn, sondern wegen den Praktiken die Bildung weiter einzufrieren statt zu verbessern.
Dieser Bildungsnotstand ist auch finanzpolitisch gewollt und fördert unliebsame Profiteure.
Jemehr ungebildete Arbeiter im eigenen und angrenzenden Umland "herangezogen" werden, destotiefer das Lohnangebot.
Sagt einer "für diesen Schundlohn" arbeite ich nicht, kommen drei, die für noch weniger arbeiten, denn irgendwie müssen sie auch (über)leben.
Dieser Vorgang unterstützt "schrottartikelproduzierende" Unternehmen, fördert
aber nicht unbedingt das BIP.
Qualitativ hochstehende Produkte, welche die Wertschöpfung präsentieren, bedürfen gut ausgebildete Arbeitende oder Roboter.
Von beiden Spezies gibt es momentan zu wenig und das wird sich so schnell nicht ändern.
Ludwig Haugg 28.05.24 11:50
Das wird uns ruinieren
Das übliche Gejammere von Teilen der Unternehmerschaft,die wohl niemals in die Verlegenheit kommen werden,ihrer Familie mit einem Tageslohn von 350 Baht das Überleben zu sichern.Besonders perfide ist die nationalistisch-chauvinistische Aussage,dass eine Erhöhung des Mindestlohns vor allem den Wanderarbeitern zugute käme.
Ein Geschäft,Unternehmen Kleinbetrieb,das nicht in der Lage ist einem Angestellten eine Lohnerhöhung von 1 Euro zu gewähren,sollte vielleicht die Sinnhaftigkeit seines Geschäftsmodells überprüfen