Erdogan: «Lira-Verfall wegen Wirtschaftskrieg»

Recep Tayyip Erdogan. Foto: epa/Gianluigi Guercia
Recep Tayyip Erdogan. Foto: epa/Gianluigi Guercia

ISTANBUL (dpa) - Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Westen für den Kursverfall der Lira verantwortlich gemacht und die Bevölkerung aufgerufen, Dollar und Euro in die Landeswährung umzutauschen. Er sprach erneut von einem «Wirtschaftskrieg» und erhob den Westen zum Feindbild. «Die, die Dollar, Euros, Gold unter dem Kissen haben - geht und wechselt es in türkische Lira in unseren Banken», sagte Erdogan im nordtürkischen Bayburt am Freitag. Solidarität werde die wichtigste Reaktion auf den Westen sein.

Schon bei der Vorstellung seines 100-Tage-Programms am 3. August hatte er von einem «Wirtschaftskrieg» gesprochen. In einer nächtlichen Rede im Distrikt Rize hatte Erdogan gesagt, es seien «Kampagnen» gegen die Türkei im Gange.

Gegenüber dem Euro hat die Lira seit Januar mehr als ein Drittel an Wert verloren. Am Morgen, vor Vorstellung eines «neuen Wirtschaftsmodells» für die Türkei durch Finanzminister Berat Albayrak, war die Lira auf einen Tiefststand gestürzt. Im Handel mit dem US-Dollar kam es zeitweise zum Einbruch um 13,5 Prozent. Im Handel mit dem Euro wurden erstmals mehr als sieben Lira für einen Euro gezahlt.

Erdogan sprach von einer «künstlichen Finanzkrise». An jene gerichtet, die höhere Zinsen fordern, um die Inflationsrate von mehr als 15 Prozent zu drücken, sagte er: «Ihr werdet es nicht schaffen, diese Nation in die Knie zu zwingen.» Anders als Ökonomen sieht Erdogan Zinserhöhungen als Ursache für Inflation und nicht als Instrument dagegen.

Die Türkei diversifiziere ihre Wirtschaftspartner - «von China bis Russland», sagte Erdogan. Vor allem wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei hat sich die Beziehung mit den USA stark verschlechtert. Die Märkte hatten darauf stark verunsichert reagiert. «Diese Nation hat keine Angst», sagte Erdogan. «Vertraut auf Gott.»

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Leserkommentare

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aurel aurelis 11.08.18 15:51
Ahnungslos
In Machtfragen kennt sich Erdogan aus. Wenn nötig kann er schnell mal einen Pseudoputsch veranstalten. In Wirtschaftsfragen ist er ziemlich ahnungslos. Der Liraverfall begann schon im Frühjahr oder gar im Winter. Wegen der Ahnungslosigkeit dieses Diktators wurde das Land für die Investoren unsicher!
Ingo Kerp 11.08.18 15:20
Jetzt hat Erdowahn alle Macht, die er haben wollte. Sein Schwiegersohn ist jetzt Finanzminister und wird die Berufung inzwischen bitter bereut haben. Außer "kernigen" Sprüchen ohne Inhalte und Wirkung, versucht Erdowahn jetzt verzweifelt die Menschen weiter bei der Stange zu halten. Dürfte eine Zeitfrage sein, wann er, salopp gesagt, die Hosen runterlassen muß.