Entführer aus Thailand wollte sich an Bank rächen

Sechs verhaftete Ausländer wurden gestern von der Polizei vorgeführt – darunter auch der Kidnapper aus München, Mario S. (52), Dritter von rechts.
Sechs verhaftete Ausländer wurden gestern von der Polizei vorgeführt – darunter auch der Kidnapper aus München, Mario S. (52), Dritter von rechts.

BANGKOK: Der in Phrae verhaftete deutsche mutmaßliche Kidnapper Mario S, (52) ist gestern mit fünf weiteren festgenommenen Ausländern von der thailändischen Polizei öffentlich vorgeführt worden. Die Entführung einer Bankergattin aus München soll privaten Motiven zugrunde gelegen haben.  

Mittlerweile sind Details der Ermittlungen sowie der am vergangenen Freitag vorgenommenen Verhaftung des Mannes aus Nordrhein-Westfalen bekannt geworden. Mario S., ein Computerspezialist, hatte Polizeiangaben zufolge fünf Jahre in München gelebt und dort für eine IT-Firma gearbeitet. 2012 ließ er sich auszahlen und wanderte nach Thailand aus. Dort lebte er mit seiner thailändischen Ehefrau in der nördlichen Provinz Phrae, in der Nähe von Chiang Mai.

Weshalb Mario S. im Mai dieses Jahres nach München flog und dort mit einem spektakulären Entführungsfall die Kriminalbehörden und die gesamte deutsche Presse auf den Plan rief, ist ebenfalls bekannt geworden. Der 52 jährige Rheinländer fühlte sich von seiner Hausbank, der Sparkasse übervorteilt und forderte einen ausstehenden Betrag von 1,5 Millionen Euro ein. Als sich die Verhandlungen negativ entwickelten, entschloss sich Mario S. zur Entführung der Ehefrau eines Sparkassendirektors in Ottobrunn.

Am 10. Juni überwältigte er (wir berichteten gestern) die 46 Jahre alte Frau in ihrem Wohnhaus und fesselte den 12 Jahre alten Sohn an einen Heizkörper – dann floh er mit seinem Opfer und wollte 2,5 Millionen Euro Lösegeld erpressen. Im Stadtteil Westend gelang der Frau jedoch vor einem Einkaufsmarkt die Flucht. Unweit davon hatte Mario S. eine Wohnung angemietet, in der er die Entführte verstecken wollte.

Die Kriminalpolizei fand später im Müllcontainer des Wohnhauses einen Prepaid-Handyvertrag von Mario S. und kam ihm so auf die Spur. Der Kidnapper war nach der gescheiterten Entführung noch am selben Abend in ein Flugzeug nach Thailand gestiegen und in Phrae bei seiner Frau untergetaucht.

Am Freitag kamen Beamte der Immigration und nahmen ihn fest. Verhaftungsgrund war nicht die Entführung in München, sondern der von der deutschen Botschaft eingezogene Reisepass von Mario S. Damit befand er sich illegal in Thailand und konnte unbürokratisch in Abschiebehaft ins ‚Detention Center Bangkok‘ gebracht werden.

Weil keine weitere Strafanzeige in  Thailand gegen ihn vorliegt, wird Mario S. vermutlich schon diese Woche nach München überführt. Dort wird Anklage wegen Menschenraubes und räuberischer Erpressung gegen ihn erhoben. Dem Rheinländer drohen bis zu 15 Jahren Haft – obwohl er bei der Entführung nur eine Spielzeugpistole benutzt hatte.

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