Endlich gibt es mal wieder eine Premiere…

Lange gewartet, fast vergessen, Geschlechterkampf und eine Überraschung

Diese Nüsse sehen nicht nur fantastisch aus, sie schme­cken auch ganz besonders hintergründig, ein tolles Gewürz! Fotos: hf
Diese Nüsse sehen nicht nur fantastisch aus, sie schme­cken auch ganz besonders hintergründig, ein tolles Gewürz! Fotos: hf

Ein Zeichen des Alterns ist es, dass weniger und weniger Premieren stattfinden. Das erste Motorrad, das erste Mal Sex, die erste Reise nach Thailand, alle diese Wegmarken liegen lange und immer länger zurück.

Muskatnussbusch.
Muskatnussbusch.

Schon lange ist mir die Muskatnuss bekannt, die in meiner Heimat (der Schweiz) ganz natürlich in den Kartoffelstock (ins Kartoffelpüree) gehört, und ein wenig davon kann ruhig auch ins Fondue wandern. So begeistert war ich von der Myristica fragrans, dass ich vor etwa drei Jahren zwei bereits Früchte tragende Pflanzen in der Nähe von Chumphon (Südthailand) aufwändig ausgraben ließ. Den Transport in den Discovery Garden Pattaya haben diese Pflanzen allerdings nicht lebend überstanden, außer (hoher!) Spesen leider nichts gewesen.

Nuss wurde in Gold aufgewogen

Geerntete Muskatnüsse.
Geerntete Muskatnüsse.

Obwohl ich alles in allem etwa 50.000 Baht mit meiner vorgesehenen Abkürzung zum Anbau der Muskatnuss verloren oder aus dem Fenster geschmissen habe, bin ich eigentlich noch glimpflich davon gekommen. Von den Portugiesen wurde die Muskatnuss ab 1512 erstmals von den Banda-Inseln (Gewürz-Inseln, heute Indonesien) nach Europa importiert und damals in Gold aufgewogen, so wertvoll war dieser Samen.

Muskatnüsse sind leider nur ganz kurz keimfähig.
Muskatnüsse sind leider nur ganz kurz keimfähig.

Ab 1621 übernahmen die Holländer die Inseln – der einzige Ort der Welt, wo neben der Muskatnuss auch die Gewürznelken wuchsen – und brachten zur Sicherung ihres Monopols, das 150 Jahre hielt, zunächst einmal einen Großteil der ursprünglichen Bevölkerung um. Gegen die Insel Run, eine kleine, heute längst vergessene Gewürzinsel, tauschten die Briten 1667 Manhattan gegen die Holländer ein, von heute aus gesehen ein echtes Schnäppchen.

Pflanzen aus Samen gezogen

Wenn wir Gartenfreunden, die es einmal mit der Muskatnuss versuchen wollen, solche Setzlinge verkaufen, raten wir immer, gleich zehn Stück zu pflanzen. Denn leider gibt es da männliche und weibliche Pflanzen, aber das sieht man erst nach etwa acht Jahren, wenn sie zum ersten Mal blühen, also nach einer halben Ewigkeit.

Macis heißt die rote Haut, sie würzt getrocknet.
Macis heißt die rote Haut, sie würzt getrocknet.

Unsere Muskatnuss-Setzlinge ziehen wir selber aus frischen Samen, die wir uns von einem Lieferanten in Südthailand schicken lassen. Diese Samen sind nur etwa zehn Tage keimfähig, so dass wir uns sputen müssen, und dann nur oberflächlich einbuddeln, sonst wird das nichts. Haben sich die einzelnen Früchtehüllen schon geöffnet, sieht man um die Muskatnuss (eigentlich den Muskatsamen) ein attraktive rote „Haut“, die sogenannte Macis, auch sie ein fantastisches Gewürz, das ich gerne in getrockneter und gemahlener Form beim Wurs­ten verwende.

Ich habe vor etlichen Jahren die ersten Muskatnussbäumchen gepflanzt, wie wir es den Kunden empfehlen, zehn Stück. Davon haben immerhin neun überlebt – und nun kommt es – eine einzige Pflanze hat hinter meinem Rücken urplötzlich eine einzige Frucht produziert, plötzlich hing die da!

Ich habe weder männliche noch weibliche Blüten an meinen Muskatnussbäumen gesehen, aber da ich nicht so recht an die Jungfräuliche Empfängnis glauben kann, nehme ich an, dass da irgendein Techtelmechtel stattgefunden hat.

Ich hoffe allerdings auf eine etwas größere Ernte im kommenden Jahr, aber immerhin hat eine dieser seltener werdenden Premieren überraschend nochmal stattgefunden!

Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957@gmail.com oder besuchen Sie seine Webseite www.discovery-garden.net oder Facebookseite.

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