Elefanten, Pinguine und Giraffen – Knies Kinderzoo zeigt alles

Mythologischer Wald Himmapan und gefährdete Elefanten am Zürichsee

So schön wird Himmapan, das nach einem Wald mit Fabeltieren aus der thailändischen Mythologie benannte neue Elefantengehege des Knie-Kinderzoos zwischen Alpen und Zürichsee.
So schön wird Himmapan, das nach einem Wald mit Fabeltieren aus der thailändischen Mythologie benannte neue Elefantengehege des Knie-Kinderzoos zwischen Alpen und Zürichsee.

RAPPERSWIL: Das gibt es nur in Zoos: Elefanten ziehen aus, Pinguine werden Nachmieter. Genau das wird in naher Zukunft in Knies Kinderzoo im schweizerischen Rapperswil geschehen. Die Dickhäuter werden im neuen Elefantenpark Himmapan ihr Zuhause finden. Auf der bisherigen Elefantenaußenanlage entstehen dann art- und tiergerechte Lebensräume für Pinguine, und weil die putzigen Pinguine nicht gar soviel Platz brauchen, auch noch für Geparden. Natürlich säuberlich getrennt voneinander, damit die Happy Feet von den Wildkatzen nicht zum Lunch verzehrt werden. 

Wie der Name sagt, handelt es sich bei Knies Kinderzoo, der seit 1962 zu den Hauptattraktionen von Rapperswil im Südwesten des Kantons St. Gallen gehört, um einen Tierpark. Das ist aber nur die halbe Realität. Der Zoo ist auch das Winterquartier des 1803 gegründeten Schweizer Nationalzirkus Knie.

Oase für Groß und Klein 

Das im November 2013 geborene Elefantenbaby Kalaya ist der ganze Stolz des Kinderzoos in Rapperswil.
Das im November 2013 geborene Elefantenbaby Kalaya ist der ganze Stolz des Kinderzoos in Rapperswil.

Bei dem Zoo steht die Begegnung zwischen den Besuchern und den Tieren im Mittelpunkt. Es können Haustiere als auch exotische Tiere gestreichelt und mit Zoofutter gefüttert werden. Raubtiere sucht man allerdings vergebens. Auf die verzichtet Knie bewusst. Dafür ziehen Elefanten, Huftiere, Affen, Nagetiere, Kängurus, Seelöwen und eine ganze Reihe von Vögeln die Besucher in ihren Bann. Insgesamt leben über 400 Tiere aus 46 Arten in der Arche Noah am Zürichsee.

Benjamin Sinniger beschreibt den Zoo als „Oase für Groß und Klein, in der hautnaher Kontakt mit Tieren möglich ist.“ Als Direktor des Kinderzoos und Marketingfachmann gehen Sinniger farbige und emotional positiv besetzte Wörter leicht über die Lippen. Was angesichts des nach modernen und nachhaltigen Prinzipien der Zootierhaltung geführten Tierparks aber keiner besonderen Anstrengung bedarf. Die meisten der Tiere im Zoo – ob Giraffe oder Meerschweinchen – sind in Rapperswil geboren. Also keine Tiere, denen das Leben in Freiheit und Abenteuer geraubt wurde.

Elefantenbaby Kalaya plantscht supergerne im Wasser.
Elefantenbaby Kalaya plantscht supergerne im Wasser.

Stolz verkündet der Kinderzoo immer wieder die Geburten in seinen Gehegen. Zehn Tierbabys erblickten alleine zwischen März und Juli in dem Park am Fuße der schneebedeckten Alpen das Licht der Welt. Das Kamelpaar Jasmin und Juszuf wurde am 6. März zu glücklichen Eltern eines „gesunden Hengstli“. Der Rothschild-Giraffenbulle begattete erfolgreich die Rothschild-Giraffendamen Mahulena und Hera und wurde so bei einer Doppelgeburt am 19. und 21. Juni zweifacher Vater. Im Juli kam der Seelöwe Manolito zu Welt, und auch die Alpakas, die amerikanischen Miniaturpferde und das Mähnenrobbenpaar Pauline und Che bekamen Nachwuchs.

Darling Kalaya

Der ganze Stolz des Zoos und erklärter Darling der Besucher aber ist das im November 2013 geborene Elefantenbaby Kalaya. Die Gäste des Kinderzoos sind jedoch längst nicht mehr nur Kinder. „Gut die Hälfte der Besucher sind Erwachsene ab 16 Jahre“, weiß Sinniger. Der Zoodirektor ist sich aber auch bewusst, dass die Tierhaltung in Zoos und Zirkussen heutzutage kritisch beäugt wird. Aber er und die Familie Knie sind davon überzeugt, dass sie einen Beitrag zum Artenschutz leisten. Nicht etwa dadurch, dass sie auch vom Aussterben bedrohte Arten in ihrem Bestand haben. Nein, Sinniger sagt ganz einfach: „Was man kennt, das schützt man auch.“ Will sagen, wer Tiere – ob Elefant oder Hams­ter, Erdmännchen oder Pony, Eurasiatische Zwergmaus oder Afrikanische Zwergziege – direkt erlebt, angefasst, gestreichelt hat, der wird eher ein Verständnis dafür entwickeln, dass man Haustieren und Wildtieren „Respekt“ entgegenbringt, sie als Lebewesen mit Seele und Gefühlen behandelt.

Sex and the Zoo - Die Rothschild-Giraffen freuten sich im Juni dank des potenten Bobo gleich über zwei Babys.
Sex and the Zoo - Die Rothschild-Giraffen freuten sich im Juni dank des potenten Bobo gleich über zwei Babys.

Hautnahe Kontakte mit den Tieren sind Teil des „spielerisch aufgebauten Edukationssys­tems“ des Kinderzoos, durch das große wie kleine Besucher die wichtigsten Fakten über die Tierarten erfahren. Dazu dienen auch Attraktionen wie das Affen-Frühstück, bei dem Besucher bei der Fütterung der Primaten aktiv teilnehmen können, das tierisch-lukullische Event Apéro elefantös oder auch die Elefanten-Tagwache. Über letzteres Highlight heißt es auf der Webseite des Kinderzoos: „Erleben Sie, wie unsere Elefanten den Tag beginnen, gepflegt und gefüttert werden. Ein theoretischer Teil vermittelt zudem viel Wissenswertes über unsere asiatischen Elefanten.“ Mit dabei ist natürlich die kleine Kalaya. Bis auf zwei Ausnahmen sind die Elefanten – zehn insgesamt - in Knies Kinderzoo Schweizer. „Nur die beiden ältesten Elefanten kamen Ende der 1960er Jahre aus einem Camp in Thailand zu uns“, erzählt Sinniger.

Auch Zebras sind unter den 46 Tierarten des Kinderzoos.
Auch Zebras sind unter den 46 Tierarten des Kinderzoos.

Sinniger weiß, dass Zoo- und Zirkusaktivitäten wie Elefantenreiten von Tierschützern misstrauisch beäugt werden. In Thailand hat der Reiseveranstalter Intrepid Travel als erster Tourveranstalter weltweit Elefantenreiten aus seinem Programm gestrichen. Das australische Unternehmen zog damit die Konsequenzen aus einer wissenschaftlichen Studie über das Leben und Wohlbefinden von Elefanten in Gefangenschaft. Sinniger räumt ein, dass es unter Zoos, Zirkussen und in so manchen Elefantencamps in Thailand schwarze Schafe gibt, die Tiere falsch halten oder gar misshandeln. „Ich glaube, wir dürfen aber davon ausgehen, dass man Knie zu den guten Beispielen zählen kann. Aber jedes negative Beispiel stellt auch für uns ein Problem dar. Das ist ganz klar.“

Für Aktivitäten wie das Elefantenreiten kann Sinniger gute Gründe anführen. „Die Touris­tenattraktion steht nicht im Vordergrund. Es geht in erster Linie darum, die Tiere zu beschäftigen. Es ist für sie sehr wichtig, ein fixes, strukturiertes Tagesprogramm zu haben, in dem sie bewegt und gefordert werden“, erklärt Sinniger und fügt mit Nachdruck hinzu. „Alle Tiere sind hier geboren. Sie kennen das nicht anders. Wir zwingen die Tiere nicht, etwas zu tun.“

Himmapan wird auch ein Thai-Restaurant beinhalten.
Himmapan wird auch ein Thai-Restaurant beinhalten.

Da kommt nun der bald fertiggestellte neue Elefantenpark Himmapan ins Spiel, mit dem sich Zirkusprinzipal Franco Knie einen „Bubentraum“ erfüllt, wie Sinniger es ausdrückt. In dem neuen, 6.500 Quadratmeter großen Areal können nämlich auch Elefantenbullen gehalten werden, mit denen Knie seine eigene Elefantenzucht aufbauen will. Eine vor über zehn Jahren mit dem Zoo Zürich vereinbarte Absichtserklärung über eine Zusammenarbeit bei der Elefantenzucht wurde nie realisiert. „Das hatte auf beiden Seiten viele Gründe“, sagt Sinniger, aber die gute Zusammenarbeit mit dem Zoo Zürich sei dadurch nicht getrübt worden. „Über unseren Veterinär und unseren Wissenschaftler ist der fachliche Austausch mit Zürich und anderen Zoos als auch mit Elefantenexperten auf internationaler Ebene gewährleistet. Es ist ja immer besser, miteinander als gegeneinander zu arbeiten. Wir haben ja alle die gleiche Mission. Letztlich geht es um das Tier.“

Mythologie mit Höhenweg

Das Kamelpaar Jasmin und Juszuf wurde am 6. März zu glücklichen Eltern eines „gesunden Hengstli“.
Das Kamelpaar Jasmin und Juszuf wurde am 6. März zu glücklichen Eltern eines „gesunden Hengstli“.

Wenn Sinniger über Himmapan spricht, gerät er ins Schwärmen, und man merkt ihm an, dass nicht mehr nur der Marketingfachmann spricht, sondern auch der passionierte Elefantenfan. Natürlich macht er keinen Hehl daraus, dass der nach einem Wald mit Fabeltieren aus der thailändischen Mythologie benannte Elefantenkraal auch ein weiteres Besucherhighlight sein wird. Spektakulär wird der Höhenweg über ein 65 Meter hohes künstliches Felsmassiv sein, der über die ganze Anlage führt und ganze neue Perspektiven in das Leben der Elefantenherde bietet. Rast und Genuss bei gastronomischen Thaispezialitäten bietet die integrierte thailändische Lodge mit 350 Plätzen, Ausblick auf den See und den gesamten Kinderzoo. „Franco Knie ist ein riesengroßer Fan Thailands. Er ist drei- bis viermal im Jahr privat und beruflich in Thailand. Für Himmapan hat er vor Ort persönlich Türen, Vasen, Holzschnitzereien und andere authentische Dinge wie Elefantensättel ausgesucht“, erzählt Sinniger.

Das ganze Wohlleben der Elefanten in Knies Kinderzoo, dem vor wenigen Monaten eröffneten neuen Elefantenpark im Zoo Zürich und vielen anderen Zoos der Welt wäre für die Katz, wenn man zwar in Europa noch asiatische Elefanten bewundern könnte, die Dickhäuter in freier Wildbahn aber aussterben. Der WWF schätzt die Zahl wildlebender Elefanten in Asien auf nur noch 25.000 bis 33.000. Laut der Roten Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion IUCN gelten sie als „stark gefährdet“. Deshalb unterstützt Knie auch Elefantenprojekte in Asien.

Probleme an den Wurzeln packen

Einige Projekte in Thailand, so Sinniger, seien in der Pipeline, aber konkret werde Knie erst darüber sprechen, wenn die Verträge mit den Partnern in Thailand unter Dach und Fach seien. Konkret hingegen ist die Unterstützung des Wasaba-Projekts in Sri Lanka. Ziel ist es, die Mensch-Elefantenkonflikte zu reduzieren, die entstehen, weil sich Elefanten gerne über die Felder der Bauern hermachen und die Ernte wegfressen. Wissenschaftler des Centre for Conservation and Research untersuchen derzeit, warum welche Elefanten in welchem Lebensabschnitt und zu welcher Jahreszeit die Felder heimsuchen. Sinniger erklärt: „Artgerechte Haltung hier in Europa alleine nutzt nichts, wenn man Probleme nicht an den Wurzeln packt. Deshalb unterstützen wir in Asien Elefantenprojekte.“

Infos: www.knieskinderzoo.ch.

Reitgutscheine

​Die Knies sind seit vielen Jahren große Thailandfans. Nicht zuletzt, weil sogar vor langer Zeit König Bhumibol und Königin Sirikit Knies Kinderzoo die Ehre ihres Besuchs gegeben haben. So war es für Knie Ehrensache, beim Thai Foodland Openair im schweizerischen Bülach dabei zu sein. „Die Unterstützung kommt von Herzen“, versichert Sinniger. Es geht dabei natürlich auch um Werbung für den Kinderzoo und die Marke Knie im Allgemeinen sowie für das neue Elefantenparadies Himmapan im Besonderen. Darüber hinaus sei das Festival die „ideale Plattform“, um die asiatische und vor allem thailändische Community in der Schweiz zu erreichen. „Wir wollen durch unseren Namen als auch durch kleine Giveaways wie Elefantenreitgutscheine für Kinder Aufmerksamkeit für uns erhaschen.“ Mit dabei ist Elefantenbaby Kalaya – aber nur als Plakat. Mit Nachdruck sagt Sinniger: „Wir zeigen keine Tiere. Man nimmt heute kein Tier aus seinem Habitat raus, in dem Sinne, dass es sich an Situationen gewöhnen müsste, die es nicht kennt. Das hat man vielleicht noch vor 20, 30 Jahren gemacht. Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei.“ 

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