Einen Schutzkäfig für den Abfall gebaut

Dschungel-Trauben, Baumwolle und lokale Feigen, die nach Karton schmecken

Kleine, säuerliche und wohlschmeckende Beeren produziert nun unsere gut verwurzelte Dschungel-Traube. Fotos: hf
Kleine, säuerliche und wohlschmeckende Beeren produziert nun unsere gut verwurzelte Dschungel-Traube. Fotos: hf

Eine Riesensauerei: Nachbarn werfen ihren Abfall in unsere Tonne an der Straße. Streunende Hunde kippen die Tonne und zerreißen die Abfallsäcke. Wie grauenhaft das jeweils aussieht!

Ordentlich steht jetzt der Abfall da.
Ordentlich steht jetzt der Abfall da.

Einmal habe ich einen Deutschsprachigen zur Rede gestellt: Er hielt sein Auto vor unserer Tonne an und platzierte darin aus seinem Kofferraum drei schwarze, prall gefüllte Abfallsäcke. Was er denn da mache, wollte ich wissen?

Baumwolle produziert schöne Blüten.
Baumwolle produziert schöne Blüten.

Er erklärte, er habe sein Haus weiter hinten an unserer Straße und habe bei Huay Yai City Hall eine eigene Tonne verlangt, er zahle ja auch die Abfallgebühren. Doch dort sei ihm beschieden worden, es gebe an der Straße bereits genug Mülltonnen, er solle seinen Müll einfach in den bestehenden entsorgen.

Keine fruchtlosen Diskussionen führen

Nun bin ich seit bald dreißig Jahren in diesem Land und weigere mich aus Erfahrung, sinnlose Diskussionen zu führen, sei es mit der City Hall oder diesem Deutschsprachigen, der überhaupt nichts dafür kann. Ich habe mich vielmehr zur Eigeninitiative entschlossen, selbst ist der Mann.

Ich ließ meine Thai-Angestellten eine Betonplatte gießen, 1,00 Meter auf 1,50 Meter. Sie ist umgeben von einem Metallzaun (1,20 Meter hoch) mit abschließbarer Türe. Darin steht nun unsere Tonne, kann von den streunenden Hunden nicht mehr umgekippt werden und sollte sie überquellen, ist das auch kein Problem.

Einmal wurde unsere Tonne bereits geleert, und die Abfallleute haben nicht nur die Tonne wieder in die Umzäunung verbracht, sondern auch die Türe wieder geschlossen. Vielleicht funktioniert unsere Maßnahme also, die mich rund 3.000 Baht gekostet hat, ich bin jedenfalls vorsichtig optimistisch…

Mini-Trauben und fade lokale Feigen

Viele fade Früchte von der Thai-Feige.
Viele fade Früchte von der Thai-Feige.

Der Regen tut dem Garten in Pattaya nach wie vor sehr gut. Das ist etwa an der Baumwolle zu sehen, ein buschiger, mehrjähriger Hibiskus mit umwerfend schönen Blüten. Später dann werden aus den gelben Blüten Samenkapseln. Wenn sie reif werden, öffnen sie sich und entlassen die Samen an die Luft, die dank der Baumwollfasern fliegen und gewissermaßen die Welt erobern können.

Viele gelbe Früchte tragen auch unsere lokalen Thai-Feigen. Diese gut verwurzelten Gewächse weisen nun saftige, grüne Blätter auf und sind wahre Fruchtbarkeitssymbole. Sie sind vollgehangen mit kleinen grünen Früchten, die später, wenn sie reif sind, gelb werden. Sie sehen sehr appetitlich aus, doch der Schein trügt: Sie schmecken bestenfalls wie Karton, also nach nichts. Da isst der Liebhaber von Feigen höchstens einmal eine und dann nie wieder. Doch allerlei Getier ernährt sich von ihnen, dann ist das ja auch OK. In der Natur gibt es keine Verschwendung.

Zahllose Dolden mit kleinen, leicht säuerlichen Früchten bringen die „Mahk mau“ (Antidesma puncticulatum) hervor. Unser Baum im Pattaya-Garten stammt aus Nong Khai, wo diese hübschen, kleinen Früchte wild wachsen. Er ist – auf lausigem Boden – rasch und kräftig gewachsen. Alle unsere Thai-Gartenbesucher, die aus dem Isaan stammen, kennen ihn und seine Früchtchen. Ich habe weder einen englischen noch deutschen Namen für ihn gefunden, beanspruche deshalb die deutsche Namensgebung für ihn und nenne den Baum: Dschungel-Traube.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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Thomas Knauer 04.08.20 15:52
wie stets ein unterhaltsamer und informativer Bericht aus dem Garten und rund ums Haus.
Bei uns gibt es auch keine Tonnen die den Häusern zugeordnet sind. Es stehen in der Straße alle 200m Tonnen die von den Anliegern gefüllt werden. Streunende Hunde gibt es nicht, somit auch das Problem der umgestürzten Tonnen nicht.