Eine Blüte, welche an die Klitoris erinnert

Kuriositäten und Einzigartigkeiten aus unseren zwei internationalen Gärten

Diese umwerfende Blüte produziert der Südamerikanische „Sombrero“-Baum. Fotos: hf
Diese umwerfende Blüte produziert der Südamerikanische „Sombrero“-Baum. Fotos: hf

Die Clitoria racemosa, die ich als Same aus Brasilien mitgebracht habe, ist ein typisches Beispiel dafür, wie gewisse Unikate in unsere Gärten kamen.

Sie wachsen schnell und beschatten rasch.
Sie wachsen schnell und beschatten rasch.

Dieser schöne, schnell wachsende Baum ist unter vielen Namen bekannt, zum Beispiel als „Sombrero“. Er ist eben als Schattenspender sehr geeignet. Ich habe damit die eine Seite unseres großen Fischteichs in Nong Khai erfolgreich und rasch beschattet, was bei Temperaturen um die 35 Grad von großem Vorteil ist.

Der lateinische Name ist sehr treffend

Auffallend sind die langgezogenen fleischigen Bohnen, die der Baum bildet. Wenn die Samen reif sind, dann explodiert dieser nun braun und holzig gewordene Samenbehälter mit einem Knall und schleudert die Samen in die nähere und fernere Umgebung. Als ich noch nicht wusste, wie der Baum wirklich heißt, nannte ich ihn den „Brasilianischen Bohnen-Baum“. Aber Clitoria racemosa macht schon Sinn, sind mir doch bei der ersten Begegnung auch die einzigartigen violetten Blüten ins Auge gestochen!

Außen gelb, innen rot und so schmackhaft.
Außen gelb, innen rot und so schmackhaft.

Wir hatten kürzlich einen englischen Kunden im Garten, der gleich drei Exemplare der Clitoria racemosa gekauft hat. Dass der Name mit der Klitoris bei seinem Kaufentscheid auch eine Rolle gespielt hat, war offensichtlich, denn er liefert ihm und seinen Besuchern attraktiven Gesprächsstoff unter Männern.

Momentan esse ich wieder fast jeden Tag eine Große Rio-Guave aus dem Garten. Hierzulande gibt es fast nur die grünen „Farang“, die finde ich fad, uninteressant. In Rio de Janeiro bin ich auf einem Markt erstmals einem Farang begegnet, der außen gelb und innen rot war und süß, erdbeerig schmeckte. Klar, dass ich davon ein paar Samen mitgenommen habe, aus denen zahllose Bäume wurden. Man kann aus den Rio-Guaven, wie ich sie nenne, eine ausgezeichnete Konfitüre kochen, das Pektin fürs Gelieren steckt schon in der Schale.

Die kleinste Passionsfrucht der Welt?

Kleine Passionsfrüchtchen zuhauf.
Kleine Passionsfrüchtchen zuhauf.

Ein besonderer Blickfang in den zwei Discovery-Gärten sind die Blüten der Passiflora foetida, allerdings nur am Morgen zu besichtigen. Später bilden sich kleine, zunächst grüne Früchte, die von einem filigranen Netz geschützt sind. Sind die Früchtchen schließlich reif, werden sie knallrot. Die Samen hatte ich ursprünglich aus Sri Lanka und habe immer geglaubt, dass es sich bei der „Stinkenden Passionspflanze“ – so benamst, weil es stinkt, wenn man die Blätter zerknüllt – um die kleinste Passionsfrucht der Welt handelt. Facebook-Nutzer haben mich nun darüber aufgeklärt, dass es offenbar noch kleinere gibt. Sagen wir es deshalb so, es ist die kleinste mir bekannte Passionsfrucht der Welt. Samen davon können bei uns eigentlich immer bestellt werden und wer sich für das Video zum Thema interessiert, hier ist es: https://www.youtube.com/watch?v=2tS-14KvhVE&t=3s.

Ein auf den ersten Blick seltsames Phänomen, das sich in Nong Khai periodisch wiederholt, könnte man als „la vie en rose“ bezeichnen. Plötzlich liegt an ausgewählten Stellen im Garten rosa Zeugs herum, das wie Plastik Granulat aussieht. Beim genauen Hinsehen merkt man, dass es sich um feine Blütenblätter handelt. Sie stammen vom Malaysischen Apfel, auf Thai „Schompu Mamiau“. Die Frucht hat einen Stein, gleicht äußerlich einer Zwetschge und schmeckt auch ein wenig so. Hier in Nong Khai ist das ein beliebter Baum, in Pattaya habe ich ihn außerhalb unseres Gartens noch nirgends gesehen.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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