Eine Aufschlussreiche Diskussion

Callolo und seine Herzallerliebste - Eine humorvolle Geschichte 

Eine Aufschlussreiche Diskussion

Gestern besuchte uns Rin, die einzige Tochter meiner Herzallerliebsten. Sie ist inzwischen zweiundzwanzig Jahre alt und arbeitet seit kurzem in einer Bar in Bangkok. Äußerlich ist sie höchst attraktiv, und intelligent ist sie auch. Deshalb fragte ich sie, ob es für sie keinen besseren Job gäbe. Kaum hatte ich diese Frage gestellt, wusste ich, dass es ein Fehler gewesen war, dieses heikle Thema anzuschneiden.

"Du hast gut reden", erwiderte sie. "Ich war gerade mal sechs Jahre in der Schule und zehn Jahre auf unseren Reisfeldern. Was könnte ich damit groß erreichen?"

Meine Herzallerliebste räusperte sich und machte mir Zeichen, das Thema zu wechseln. Aber ich ignorierte sie. "Du könntest weiter zur Schule gehen, Rin, und später studieren." Sie lachte ironisch auf: "Und wie sollte das funktionieren?" "Du könntest bei uns wohnen, und ich würde das Schulgeld für dich bezahlen." Meine Herzallerliebste schaute mich wegen dieses spontanen Angebots, das ich vorher natürlich nicht mit ihr abgestimmt hatte, verwundert an, sagte aber nichts.

Rin schüttelte nur den Kopf. "Das bringt doch alles nichts. Damit vergeude ich nur meine besten Jahre, und wenn ich dann fertig bin, kann ich für einen Hungerlohn an irgendeiner Hotelrezeption arbeiten." Wieder schüttelte sie ihren Kopf, diesmal aber energischer.

"Ich bin nach Bangkok gegangen, um Geld zu verdienen, viel Geld, und dann mach ich mich irgendwann selbständig." Aus ihrem Gesicht strahlte die unerschütterliche Hoffnung der Jugend. Was konnte ich dagegen sagen? Mit moralischen Appellen hätte ich mich nur lächerlich gemacht. Außerdem wusste ich, dass sie jetzt schon im Monat mehr verdiente als ein Universitätsprofessor. Es klang deshalb wohl recht halbherzig, als ich einen letzten Versuch machte, sie umzustimmen: "Rin, deine Jugend ist schneller vorbei als du denkst, und was dann?"

"Mach dir um mich keine Sorgen, Carolus", antwortete sie siegessicher, "entweder habe ich bis dahin genug gespart oder ich finde einen Farang." "Einen Farang? Hältst du das für erstrebenswert?" "Warum nicht? Wenn er gut aussieht und genug Geld hat." Und mit Blick auf meine Herzallerliebste fuhr sie fort: "Schau doch Mama an. Sie hat alles was sie braucht und ist glücklich." Nai hatte unserer Diskussion stumm zugehört. Jetzt erhob sie sich aus ihrem Sessel, kam zu mir und setzte sich lächelnd auf meinen Schoß. Sie legte einen Arm um meinen Hals und sagte: "Lass sie nur, Callolo. Rin ist alt genug, um zu wissen was sie tut."

Damit war das unangenehme Thema für sie beendet. Ich nickte und antwortete mit der Zauberformel "mai pen rai", ein Satz, der in Thailand viele Bedeutungen hat und stets dazu beiträgt, dass niemand sein Gesicht verliert. Nachdem Rin sich auf den Heimweg gemacht hatte, meinte meine Herzallerliebste: "Jeder muss sein eigenes Karma annehmen, Callolo, und wenn die Geister es gut mit Rin meinen, dann findet sie vielleicht auch einen so guten Mann"

"Auch?" "Ich meine so einen wie dich." Was hätten Sie nach solch einem Kompliment gemacht? Genau! Das habe ich auch gemacht. Und so endete dieser Tag voller Zärtlichkeit und Liebe.

Callolo und seine Herzallerliebste und Angekommen in der Wirklichkeit

Callolo und seine Herzallerliebste

In 130 heiteren Kurzgeschichten hat Autor Carolus in zwei Büchern sich mit unterschiedlichen Erfahrungen, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Thais und Farangs ergeben, verfasst. Die humorvollen Geschichten behandeln das Eheleben zwischen Nai und Callolo. Im Leben der beiden wird viel Toleranz abverlangt. Dass es trotzdem immer wieder ein Happy End geben kann, beweist der Autor, im ersten Buch, in vielen unerwarteten Entwicklungen. Im zweiten Werk hat der Autor seine „rosarote Brille“ abgenommen und erzählt auf ehrliche und gewohnt charmante Weise über Probleme und Schwierigkeiten, die in seiner nicht mehr ganz taufrischen Beziehung zu Nai entstehen.

Die beiden Taschenbücher können Sie im FARANG-Onlineshop bestellen.

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