Ein Tunnel, Beckham und wilde Gerüchte

Wie ein Beton-Durchbruch auf Samui Schlagzeilen macht

Damals, im Sommer 2007, schoss der FARANG-Redakteur erste Fotos des Tunnels in Bang Por – weil alle vermuteten, kein Geringerer als David Beckham wolle so einen privaten Strandzugang erhalten. Fotos: Redaktion
Damals, im Sommer 2007, schoss der FARANG-Redakteur erste Fotos des Tunnels in Bang Por – weil alle vermuteten, kein Geringerer als David Beckham wolle so einen privaten Strandzugang erhalten. Fotos: Redaktion

KOH SAMUI: Ein mysteriöser Tunnel durch einen Berghang mit direktem Zugang zum malerischen Sandstrand von Bang Por auf Koh Samui – seit Tagen beschäftigt der „Sensationsfund“ die thailändischen Medien und sogar die altehrwürdige Bangkok Post widmete ihm eine große Geschichte.

Kurios: DER FARANG hatte bereits vor 12 Jahren von dem Tunnel berichtet, damals hatten sich hartnäckige Gerüchte gehalten, dass kein Geringerer als Fussballlegende David Beckham auf dem Laem Hill mit wundervollem Meerblick eine Millionenvilla errichtet haben soll.

 Unterhalb dieser Mauer verläuft der Tunnel und mündet in einen der schönsten Sandstrände der Insel.
Unterhalb dieser Mauer verläuft der Tunnel und mündet in einen der schönsten Sandstrände der Insel.

Weshalb der Tunnelfund im Unterbezirk Ban Tai im Süden Koh Samuis, zugehörig zur Gemeinde Maneam, so sensationell sein soll, dass 12 Jahre später die lokalen Behörden aufgeschreckt wurden, mag eher an der neuen Medienwirksamkeit liegen als an einem baulichen Frevel. Der röhrenartige betonierte Tunnel, laut Messungen des Samui Baudezernates genau 84 Meter lang, kann wohl kaum so viele Jahre allen offiziellen und inoffiziellen Bürgern entgangen sein.

Immerhin wurde Anfang März 2019 im Zuge von Ermittlungen bekannt, dass der Tunnelbau genehmigungspflichtig gewesen wäre – und dass zwei thailändische und ein westlicher Landeigner an dem Projekt beteiligt gewesen sein sollen. Grotesk-amüsant mutet dazu die uralte Geschichte des Beckham-Traumhauses auf Koh Samui an, mit dem weltbekannten schwedischen Fußballtrainer Sven Goran Eriksson als weiterem prominenten Nachbarn.

Obwohl britische und auch deutschsprachige Medien 2007 in dicken Schlagzeilen über ein millionenschweres Beckham-Investment auf Koh Samui schwadroniert hatten, wurden David und Victoria sowie die Beckham-Kinder nie auf der Insel gesichtet oder fotografiert. Die Geschichte blieb eine Eintagsfliege und auch die Mutmaßungen, dass der Immobilienhändler damals 400 Millionen Thai-Baht umgesetzt haben soll – dreiviertel des Betrages für das etwa sieben Rai große Grundstück und 100 Millionen Baht für den Bau – erhielten nie eine offizielle Bestätigung.

Eingeräumt wurde seinerzeit immerhin von Sompon Thongphet-khiang, dem Direktor des Forstamtes in Suratthani, seine Behörde habe in der Tat ein Grundstück am Laem Hill in Ban Tai Moo 5 überprüft, mit der Grundlage, forstrechtliche Bedenken auszuräumen. Über einen weiteren Verlauf der Untersuchung oder einen Kaufabschluss wurde nichts bekannt. David und Victoria Beckham kauften etwa zur gleichen Zeit eine 17 Millionen Euro-Villa in Los Angeles und Koh Samui musste seither Beckham-los sein Dasein fristen.

Was bleibt im Jahr 2019, nach dem Tunnelfund des Jahrzehnts, außer Schlagzeilen und rechtlichen Ermittlungen gegen die mutmaßlich involvierten Grundstückseigner von vier bzw. drei Rai Land, allesamt durch den Bergdurchbruch verbunden? Ermittlungen, die andauern, sagte der Rechtsbeauftragte der Inselverwaltung, Pallop Meepian gegenüber der Bangkok Post.

Immerhin: Die Landtitel seien rechtlich nicht zu beanstanden, der Tunnel aber schon, sagt Meepian. So dürfte die mittlerweile bekannteste Betonröhre in Ban Tai, Bang Por, weiterhin die Gemüter bewegen. Ein stiller, vor sich hinschlummernder Tunnel im Nirgendwo hat es zu Berühmtheit gebracht. Möglicherweise droht dem oder den Landeignern noch eine Geldbuße in Höhe von 60.000 Baht. Auch wenn der ominöse Tunnel in Bang Por mittlerweile gesperrt worden ist.

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