Ein Pattaya-Urgestein hat sich verabschiedet

Nachruf: Wolfgang Bordt ist nach schwerer Krankheit verstorben

Ein Pattaya-Urgestein hat sich verabschiedet

Am 10. September verstarb Wolfgang Bordt, ein "Pattaya-Original" der ersten Stunde, in Berlin-Wedding an den Folgen einer langjährigen Krankheit. Er hinterlässt neben seiner Frau zwei Töchter.

Wolfgang ist am 29. Januar 1944 in Guben an der Oder geboren. Er lebte bis 1990 im Berliner Bezirk Wedding, wo er bis zu dreizehn Restaurants und Eckkneipen gleichzeitig erfolgreich führte. Als "Hans Dampf in allen Gassen" streckte er seine Fühler oft auch nach Ostberlin aus. Dabei kam ihm jedoch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR in die Quere. Später vollbrachte er in Thailand einen Neuanfang. Denn schon bei seinem ersten Besuch stellte der geschäftstüchtige Deutsche fest, dass es hier unten an Berliner Currywürsten und Bouletten mangelt und eröffnete prompt das erste "Berliner Bistro" in der Soi 13 zwischen der Mike Shopping Mall und der Royal Garden Plaza. Weil man auf einem Bein bekanntlich nicht gut stehen kann eröffnete er zusammen mit Joachim Röhl ein DKV-Versicherungsbüro, das noch heute von Peter Faust an gleicher Adresse erfolgreich geführt wird. Später betrieb Wolfgang das "Berliner Bistro 2" in der Soi Photisarn in Naklua sowie ein weiteres an der Second Road, Soi 2, unter dem Sabai-Dee-Massagesalon. Als kommunikativer und lebenslustiger Farang hatte er nicht nur zur jungen weiblichen Landbevölkerung ein ausgesprochen gutes Verhältnis: Auf seinen Gästelisten standen neben namhafter Pattaya-Prominenz gelegentlich auch der örtliche Polizeipräsident. Vor fünf Jahren musste er aufgrund zweier komplizierter Hüftoperationen mit anschließender Reha zurück nach Deutschland und testete in diesem Sinne sehr lang und ausgiebig die Zahlungsmoral der DKV. Am 30. September um 10 Uhr findet auf dem Berliner Apostelfriedhof in der Müllerstraße die Beerdigung statt. Wenn es nach ihm ginge, müssten alle Trauergäste angetrunken mit ihren Weibern erscheinen, und er würde den Sargdeckel öffnen und laut rufen: "Probebeerdigung!" So hatte er sich diesen Tag schon vor Jahren gewünscht.

Joachim Röhl
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