Ein Ausflug nach Madagaskar (über Rio)

Der Schraubenbaum sieht fantastisch aus und verhindert die Bodenerosion

 Urtümlich und interessant sieht dieser Schraubenbaum am Strand von Gloria (Stadtteil von Rio de Janeiro) aus. Fotos: hf
Urtümlich und interessant sieht dieser Schraubenbaum am Strand von Gloria (Stadtteil von Rio de Janeiro) aus. Fotos: hf

Wie die Jungfrau zum Kind kam, so komme ich manchmal zu meinen interessanten Pflanzen. Zufall oder Schicksal demnach? Keine Ahnung. Nehmen wir als Beispiel den Pandanus utilis.

Die Frucht des Schraubenbaums ist gekocht essbar.
Die Frucht des Schraubenbaums ist gekocht essbar.

Als ich vor zwei Jahren in Rio de Janeiro war, ist mir am Strand von Gloria ein Baum aufgefallen, den ich ein paar Jahre früher schon einmal in Sao Paulo gesehen hatte. Er sah seltsam, urtümlich aus und produzierte runde Kugeln, stand im Sand, offensichtlich Salz-resistent. Er erinnerte mich an Schraubenpalmen (Pandanus tectorius), wie sie ja auch in Thailand heimisch sind, und tatsächlich, es handelte sich um eine Pflanze aus der gleichen Familie, um einen Pandanus utilis, einen Schraubenbaum.

Aus Fehlern zu lernen versuchen

Ich bin ja furchtbar gierig, wenn es sich um Pflanzen oder Samen handelt. Schon bei der ersten Begegnung etliche Jahre vorher in Sao Paulo wollte ich unbedingt ein solches Gewächs haben, hatte ich mir ein paar wenige Samen geschnappt und nach Thailand mitgenommen. Doch leider wurde daraus gar nichts. Nun, am Strand von Gloria, raffte ich sicher 50 Samen zusammen und brachte sie mit mir.

Sie stehen beieinander: Schraubenbaum und Baobab.
Sie stehen beieinander: Schraubenbaum und Baobab.

Weil der erste Pflanzversuch ja nichts erbracht hatte – vermutlich weil ich die Samen zu tief eingebuddelt hatte – grub ich sie diesmal nur halb ein, so dass die eine Hälfte ein wenig der Sonne ausgesetzt war. Ich hatte bei seinem Thai Verwandten, dem Pandanus tectorius, nämlich beobachtet, dass jene Samen keimen, die genauso am Boden liegen, also halb an der Oberfläche. Dann rammt der Samen in der Regenzeit Wurzeln in den Boden, und erst danach bildet sich das „Kraut“.

Sie stammen aber aus Madagaskar

Und so passierte es nun auch bei den Samen, wobei es bei einigen ein halbes Jahr oder länger dauern konnte. Nach nunmehr zwei Jahren, sind total 12 Schraubenbäume übrig geblieben und die Hälfte davon habe ich nun in Pattaya pflanzen lassen.

Da ich die Schraubenbäume erstmals in Brasilien gesehen hatte, nahm ich natürlich an, dass sie ursprünglich auch von dort stammen. Jetzt, wo die Hälfte davon gepflanzt war, habe ich mich deshalb über sie etwas schlau gemacht und dabei gemerkt, dass der Pandanus utilis – der nützliche Pandanus – ursprünglich aus Madagaskar stammt wie übrigens auch der Flammenbaum (Delonix regia), den man aber heutzutage überall in tropischen Ländern findet. Schwein gehabt hatten wir übrigens mit den Orten, wo wir die ersten sechs Schraubenbäume gepflanzt haben, in der Umgebung der ersten fünf Baobabs, die ebenfalls aus Madagaskar stammen: Adansonia perrieri, eine gefährdete Spezies. Das sieht ja nun schon fast wie geplant aus… little Madagaskar im Discovery Garden Pattaya? Zufall? Schicksal?

Standort von Schraubenbaum und Baobab.
Standort von Schraubenbaum und Baobab.

Da ich inzwischen aber auch nachgelesen hatte, dass es weibliche und männliche Schraubenbäume gibt, ließ ich zusätzlich auch die ursprünglich für Nong Khai reservierten 6 in Pattaya pflanzen, total also 12, sicher ist sicher. Und, damit ich nicht nochmals rasch nach Rio oder Madagaskar reisen muss, habe ich im Internet 24 Samen des Pandanus utilis bestellt, nicht ganz billig übrigens. Ich hoffe, den nützlichen Pandanus in etwa zwei Jahren auch im Garten von Nong Khai pflanzen zu können.

Nützlich ist diese Pflanze insofern, als sie mit ihren starken Wurzeln gegen Bodenerosion wirkt, die Früchte gekocht essbar sind und aus den Blättern allerlei gebastelt werden kann.

Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957@gmail.com oder besuchen Sie seine Webseite www.discovery-garden.net oder Facebookseite.

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Leserkommentare

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Jan-Frederic Czatorisky 04.07.18 12:09
Einfuhr Pflanzen, Samen nach Thailand
Was sind die gesetzlichen Voraussetzungen fuer den Import von Pflanzen und Samen in Thailand?