Düstere Zeiten für Schuppentiere

illegaler Handel ungebremst

Foto: epa/Mak Remissa
Foto: epa/Mak Remissa

BERLIN (dpa) - Es sind die einzigen Säugetiere, deren Körper mit Hornschuppen bedeckt ist. Diese schützen die Schuppentiere zwar vor gefräßigen Angreifern - nicht aber vor Wilderern. Syndikaten betreiben einen internationalen Handel, der die Tiere in ihrer Existenz bedroht.

Trotz eines internationalen Handelsverbots werden bedrohte Schuppentiere weiter illegal gefangen und vermarktet. «Das ist ernüchternd», sagte Arnulf Köhncke, Artenschutzexperte bei der Umweltschutzorganisation WWF vor dem Welt-Schuppentier-Tag am Samstag (16. Februar). «Der illegale Handel mit den Tieren reißt nicht ab.» Jährlich wird laut WWF Schmuggelware von etwa 20.000 Tieren entdeckt, die tatsächliche Zahl geschmuggelter Tiere dürfte weit darüber liegen.

Erst in dieser Woche wurde in Malaysia die Rekordmenge von knapp 30 Tonnen Schuppentier-Schmuggelware wie Fleisch und Schuppen beschlagnahmt. Die Produkte seien an zwei Orten entdeckt worden, wie die Artenschutzorganisation Traffic unter Berufung auf Behörden in Malaysia mitteilte. In etwa 1.800 gekühlten Kisten und in Kühlschränken hätten die Beamte gefrorene Tiere entdeckt, 61 Schuppentiere seien lebend gefunden worden. Außerdem seien kiloweise Schuppen beschlagnahmt worden. Auch in Vietnam, Hongkong und Uganda seien in den vergangenen Wochen insgesamt zehn Tonnen Schmuggelware entdeckt worden.

Weltweit gibt acht Arten von Schuppentieren, auch Pangolin genannt. Vier leben im südlichen Afrika, vier in Asien. Wilderer haben es vor allem auf die Schuppen der Tiere abgesehen, die in der traditionellen Medizin Asiens und Afrikas als Heilmittel eingesetzt werden - ungeachtet der Tatsache, dass sie genau wie menschliche Fingernägel lediglich aus Keratin bestehen. Zudem gelten die Tiere als Delikatesse, ihr Fleisch wird zu hohen Preisen gehandelt. Schuppentiere sind leichte Beute für Wilderer, weil sie sich bei Gefahr einfach zusammenrollen - und damit problemlos eingesammelt werden können.

Besonders stark ist die Nachfrage in Asien, vor allem in China und Vietnam. Gefangen werden die Tiere aber auch in Afrika. Das liege vermutlich daran, dass die Bestände in Asien wohl bereits dramatisch geschrumpft sind, erläutert Köhncke. «Das ist eine kriminelle Lieferkette, die sich um den Globus spannt.» Genaue Angaben zur Größe der Bestände fehlen in vielen Regionen.

Vor etwa zwei Jahren wurden alle acht Arten von Schuppentieren in die höchste Schutzstufe des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (Cites) aufgenommen. Der internationale kommerzielle Handel ist seitdem vollständig verboten und steht unter Strafe. Wirkung zeigt das Verbot aber allem Anschein nach nicht - weil die Nachfrage nicht abreiße und der Handel zu lukrativ sei, wie Köhncke erläutert. Angesichts des ungebremsten illegalen Handels sei es extrem wichtig, die Strafverfolgung weiter zu verbessern und die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema zu erhalten.

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