Drachenbäume stinken nicht nach Schwefel

Schwiegermutterzungen, gehörnte Melonen oder: Valencia ist nicht in Spanien…

Die Schwiegermutterzungen kennt jedes Kind, dass auch sie mitunter blühen, wusste ich bislang noch nicht. Fotos: hf
Die Schwiegermutterzungen kennt jedes Kind, dass auch sie mitunter blühen, wusste ich bislang noch nicht. Fotos: hf

Der Atem eines wirklichen Drachen muss irgendwie wie Pech und Schwefel riechen, atemberaubend schlecht eben. Doch die Blüten der Drachenbäume sind – ganz entgegen der Erwartung – besonders wohlriechend.

Dass ich Drachenbäume im Garten habe, wusste ich gar nicht. Die holzigen Stengel, die am oberen Ende Kraut, sprich Blätter, bilden, hatte ich schon in meiner Studentenbude in Zürich als Zimmerpflanzen: In Amsterdam gekauft und mitgenommen in die Schweiz. Und natürlich stehen auch ein paar im tropischen Garten zu Pattaya und zu Nong Khai.

Sie blühen nur alle paar Jahre…

Aus diesen Blüten sollen gehörnte Melonen werden.
Aus diesen Blüten sollen gehörnte Melonen werden.

Meist fristen die Dracaena fragrans, wie die Drachenbäume hochoffiziell heißen, ein stiefmütterliches Dasein, da sie eher langweilig sind. Sie wachsen langsam, aber kontinuierlich, haben oben ein paar grüne Blätter, das war es dann schon, geduldig stehen sie in der Landschaft, man kann nicht sagen, was sie den lieben langen Tag so denken, vielleicht denken sie auch GAR NICHTS, das wäre ihnen zuzutrauen.

Und dann haben sie plötzlich angefangen zu blühen. Natürlich habe ich ein paar Bilder davon auf Facebook gestellt, weil diese Blüten sehr attraktiv waren. Und dann hat sich Peter Lüthy gemeldet: „Diese Blumen sollen Glück und Reichtum bringen, lassen wir uns überraschen, blühen nur alle paar Jahre.“

In den verschiedensten Gärten blühen sie momentan, wie viele FB-Nutzer mir mitteilen. Gabriele Lehradt: „Blühen nur alle 15 Jahre, habe ich gelesen…“ Und ab Abend blühen sie besonders intensiv und riechen ganz toll, weil sie wahrscheinlich Motten anlocken wollen.

Valencia liegt nicht in Spanien

Vermehren lassen sie sich übrigens ganz einfach, man schneidet einen vielleicht 20 cm langen Stamm ab, trocknet ihn dann eine Weile. Darauf setzt man ihn in sandige, feuchte Erde, er bildet darauf Blätter oben am Stamm und unten Wurzeln, fertig ist die neue Pflanze. Ursprünglich kommt der Drachenbaum aus Afrika, er kann bis 15 Meter hoch werden und der Stamm kann einen Durchmesser bis 30 cm erreichen.

Äußerst wohlriechend sind die Drachenbaum-Blüten.
Äußerst wohlriechend sind die Drachenbaum-Blüten.

Auch die als altmodisch geltenden Schwiegermutterzungen haben urplötzlich zu blühen angefangen. Man kennt diese langen, fleischigen Blätter als Zimmerpflanze, die in Europa in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts fast in jeder guten Stube anzutreffen war. Doch in den Tropen kann man sie natürlich auch in den Garten pflanzen, es gibt davon viele Sorten. Sie sind sehr dankbar, brauchen eigentlich rein gar nichts und vermehren sich durch Ableger fast pausenlos. Dass sie offiziell Sansevieria trifasciata heißen, weiß kaum jemand, der populäre Name ist weitaus eingängiger als der wissenschaftliche.

Etwas für mich neues im Garten ist Kiwano (Cucumis metuliferus), die „Gehörnte Melone“. Ein Freund aus dem Iran hat mir ein paar Samen mitgebracht und die Bilder, die ich davon gesehen habe, sehen fantastisch aus. Eben haben diese begabten Kletterer zu blühen angefangen.

Und noch eine neue Erkenntnis habe ich durch meine Gartenarbeit gewonnen: Valencia liegt gar nicht in Spanien…

Es geht dabei um die Valencia Orange, von der ich immer einfach annahm, sie müsse aus Spanien stammen, doch das ist ein Irrtum. Sie wurde in Valencia, Kalifornien, als Hybrid geschaffen und hat von dort ihren Siegeszug um die Welt gestartet. Ich habe eine große Pflanze davon bei Coop in Zürich gekauft, nach Thailand mitgenommen und hier haben wir nun nach anderthalb Jahren vier Ästlein auf Wurzelunterlagen aufgepfropft, die wir aus Pomelo-Samen gewonnen haben.

Valencia liegt demnach in Thailand.

Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957@gmail.com oder besuchen Sie seine Webseite www.discovery-garden.net oder Facebookseite.

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