Diskussion um «One Love»-Binde

Der Schweizer Mittelfeldspieler Granit Xhaka mit der
Der Schweizer Mittelfeldspieler Granit Xhaka mit der "One Love"-Kapitänsbinde, während er die Nationalhymne singt, in Großaufnahme. Foto: epa/Laurent Gillieron

DOHA: England und die Niederlande starten siegreich in die Fußball-WM, Stürmerstar rettet Wales einen Punkt. Doch über den Sport wird in Katar mehr und mehr nur am Rande gesprochen.

Am Montag sollte der Sport bei der Fußball-WM für Schlagzeilen sorgen - doch die Politik rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt der Diskussionen. Die Auseinandersetzung zwischen acht europäischen Verbänden und dem Weltverband FIFA um das Tragen der «One Love»-Kapitänsbinde eskalierte im Verzicht der Teams um Deutschland oder England auf die Geste.

Die Startsiege von Vize-Europameister England, der beim 6:2 (3:0) gegen den Iran vor allem offensiv überzeugte, und den Niederlanden (2:0 gegen Senegal) wurden deutlich in den Hintergrund gedrängt. Auch das 1:1 (0:1) im Spätspiel zwischen Wales und den USA sorgte nicht annähernd für so große Schlagzeilen, wie sie abseits des Rasens produziert wurden.

Auch das Spiel der Engländer begann mit einem politischen Zeichen, als die iranischen Spieler die Nationalhymne nicht mitsangen. Iranische Aktivisten sehen darin eine Geste der Unterstützung für die landesweiten Proteste im Land. Der iranische Staatssender unterbrach die Live-Übertragung bei der Hymne. Den Spielern könnten nun Konsequenzen drohen. Am Spielfeldrand trug derweil bei einer Live-Übertragung im englischen Fernsehen die ehemalige Nationalspielerin Alex Scott die «One Love»-Binde.

Für den Fall, dass Kapitäne wie Englands Harry Kane sie auf dem Spielfeld getragen hätte, hatte die FIFA mit sportlichen Sanktionen für die an der symbolträchtigen Kampagne beteiligten Verbände gedroht. «Es handelt sich aus meiner Sicht um eine Machtdemonstration der FIFA», sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf am Montag im Teamquartier der deutschen Nationalmannschaft im Norden Katars. «Das ist aus unserer Sicht mehr als frustrierend und auch ein beispielloser Vorgang der WM-Geschichte.» DFB-Geschäftsführer Oliver Bierhoff äußerte, es fühle sich «schon stark nach Zensur an».

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock schaltete sich aus Paris ein und kritisierte, jedes Kind lerne «in der F-Jugend, dass Fußball nur mit Fair Play und Vielfalt funktioniert. Wenn internationale Sportfunktionäre das wegzensieren - auf dem Rücken der Spieler - dann machen sie den Fußball kaputt.» Das Europaparlament stimmt am Donnerstag in Straßburg über eine gemeinsame Stellungnahme zur Katar-WM ab.

Die Diskussion überlagerte auch die sportliche Vorbereitung des DFB-Teams auf ihr Auftaktspiel am Mittwoch (14.00 Uhr/ARD und MagentaTV) gegen Japan. «Diese Eskalation führt dazu, dass es nicht mehr um den Sport geht», sagte Bierhoff. Auch für den deutschen Kapitän Manuel Neuer sei es «eine schwierige Situation».

Den klaren englischen Sieg gegen den Iran leitete der Dortmunder Jude Bellingham mit seinem ersten Tor im 18. Länderspiel ein. Beim anschließenden Erfolg von Oranje gegen Afrikameister Senegal trafen Cody Gakpo und Davy Klaassen erst spät. Zum Abschluss rettete Stürmerstar Gareth Bale den Walisern mit einem Elfmetertor einen Punkt gegen die lange Zeit besseren US-Amerikaner.

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