Die Ukraine gewinnt den ESC

Das Kalush Orchestra aus der Ukraine feiert mit der Trophäe nach dem Gewinn des Eurovision Song Contest (ESC). Der internationale Musikwettbewerb findet zum 66. Mal statt. Im Finale stehen 25 Lieder von ursprünglich 40 M... Foto: Jens Büttner/dpa
Das Kalush Orchestra aus der Ukraine feiert mit der Trophäe nach dem Gewinn des Eurovision Song Contest (ESC). Der internationale Musikwettbewerb findet zum 66. Mal statt. Im Finale stehen 25 Lieder von ursprünglich 40 M... Foto: Jens Büttner/dpa

TURIN: Noch nie zuvor hat beim Grand Prix ein Lied vom Publikum so oft die Höchstwertung bekommen. Das hat natürlich mit Politik zu tun.

Immer wieder zwölf Punkte für Freiheit und Demokratie: Die vom russischen Angriffskrieg erschütterte Ukraine hat den Eurovision Song Contest (ESC) 2022 mit einem beispiellosen Triumph gewonnen. Deutschland wurde Letzter bei dem Wettbewerb in Turin.

Vor fast 200 Millionen Zuschauern zwischen Island und Australien hatte sich Sänger Oleh Psjuk am Samstagabend an das Publikum gewandt und an Schauplätze des Ukraine-Krieges erinnert. «I ask all of you: Please help Ukraine, Mariupol, help Asovstal - right now», sagte er nach seinem Auftritt. Zu deutsch: «Ich bitte Euch alle: Helft der Ukraine, Mariupol, Azovstal.» Das Bühnenbild griff das Sonnen-Symbol des ostukrainischen Gebiets Donezk auf. Viele Musiker zeigten sich in der vier Stunden langen Show offen solidarisch mit der Ukraine.

In 28 der 39 anderen Teilnehmer-Länder gaben die Zuschauer den Ukrainern vom Kalush Orchestra und ihrem Lied «Stefania» 12 Punkte - der Schnitt lag bei 11,3. Noch nie in der Geschichte des Grand Prix hat ein Lied so oft vom Publikum die Höchstwertung bekommen. Auch das deutsche Publikum sprach ihnen die Bestnote zu. Am Ende siegten die Ukrainer in der Nacht zu Sonntag haushoch mit 631 Punkten. Sie landeten deutlich vor dem britischen Sänger Sam Ryder («Space Man»), der mit 466 Punkten den zweiten Platz machte.

Damit unterschied sich das Urteil des Publikums auffällig von jenem der Jurys von Branchenkennern, welche die Ukraine nur auf Platz vier gewählt hatten. Beide Wertungen fließen zu gleichen Teilen ins Endergebnis ein. Nach dem Sieg rief Psjuk die Weltgemeinschaft zur Hilfe für die Kämpfer im Asow-Stahlwerk in Mariupol im Südosten des Landes auf: «Wir brauchen Hilfe, um diese Menschen freizubekommen.»

Deutschlands Vertreter Malik Harris musste sich derweil mit sechs Punkten zufriedengeben und landete auf dem letzten von 25 Plätzen: «Ich weiß, dass man nicht allzu viele Punkte geholt hat am Ende, aber es war wirklich ein schöner Abend.» Damit setzt sich Deutschlands Pechsträhne von 2021 und 2019 (jeweils vorletzter Platz) fort. Im Jahr 2020 war die größte Musikshow der Welt wegen Corona ausgefallen.

Die italienische Polizei verhinderte nach eigenen Angaben Hackerangriffe auf das Finale. Die Hacker hätten versucht, in die Systeme einzudringen, teilten die Beamten mit. Spezialisten im Bereich Internetkriminalität, die für den Grand Prix abgestellt worden seien, hätten die Angriffe auf die russische Hackergruppe «Killnet» zurückgeführt.

Die Ukraine hat den ESC bereits in den Jahren 2004 und 2016 gewonnen. Unklar ist aber, ob das Land wirklich auch den ESC im nächsten Jahr austragen kann, wie die Regeln es eigentlich vorsehen. Zumindest derzeit könnte dort kein solcher Wettbewerb stattfinden, weil in dem Land Kriegsrecht herrscht. Damit sind keine Großveranstaltungen erlaubt. Und es gelten etwa nächtliche Ausgangssperren. Präsident Wolodymyr Selenskyj beteuerte hingegen: «Im nächsten Jahr empfängt die Ukraine den Eurovision! Zum dritten Mal in unserer Geschichte.»

Die Ukraine steht unter Attacke eines Angriffskriegs von Russland, das wegen der völkerrechtswidrigen Invasion vom ESC ausgeschlossen worden ist. Ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht.


Hacker-Angriffe auf ESC vereitelt - Herkunft Russland vermutet

TURIN: Die italienische Polizei hat nach eigenen Angaben Hackerangriffe auf das Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in Turin verhindert. Die Hacker hätten versucht, in der Eröffnungsnacht am Dienstag und während des Finales von Samstag auf Sonntag in die Systeme einzudringen, teilte die Polizei am Sonntag in Turin mit.

Spezialisten im Bereich Internetkriminalität, die für den ESC abgestellt worden seien, hätten die Angriffe auf die russische Hackergruppe Killnet zurückgeführt. Schon zuvor gab es Gerüchte, russische Cyberkriminelle wollten den politisch aufgeladenen Grand Prix mit Angriffen stören. Die Polizei registrierte zudem sogenannte DDoS-Angriffe während der Abstimmung. Damit versuchen Hacker mit einer Flut von Anfragen, ein System lahmzulegen.

Russland war wegen des Angriffskrieges auf die Ukraine von der diesjährigen 66. Ausgabe des ESC ausgeschlossen worden. In der Nacht zu Sonntag sicherte sich die Ukraine mit dem Kalush Orchestra («Stefania») einen deutlichen Sieg von Großbritannien (Sam Ryder mit «Space Man») und Spanien (Chanel mit «SloMo»). Deutschland mit Malik Harris («Rockstars») landete auf Platz 25 und wurde letzter.

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Norbert K. Leupi 16.05.22 21:00
Die " politische " ,....
europäische Musikshow in Torino ! Laut Reglement dürfte der ESC überhaupt nicht politisch sein ! Und doch hatte dieser " Song-Test " eine hochpolitische Dimension , also ein Polit-Sieg ? Denn wenn der Sieger schon vor dem Wettbewerb ausgemacht ist , dann sollte man mit dem " Gekreische " aufhören oder den Sieger am Abend nach kompositorischer , gesanglicher , tänzerischer etc. Leistung bewerten ! " Mitleidspunkte " an der grössten Musik-Show sind mehr als falsch am Platz !
Hartmut Wirth 16.05.22 14:30
Unterhaltung
Na, das hier ist ja besser als dieses Musikzeugs.
Ich hole schnell mal Popcorn. Nicht weggehen!
Derk Mielig 16.05.22 01:40
@The Lights
Sagen Sie mal, Francis, Hit oder wie immer Sie heißen, waren Sie früher eigentlich die Schulhofpetze?
Hit the Lights 15.05.22 20:00
Herr Volkmann
Mit einem Provokateur (der im Prinzip nichts kann und weiss, und dies kaschieren möchte), wie Mielig, herumzustreiten, ist verschwendete Lebenszeit.
Derk Mielig 15.05.22 19:20
@Volkmann
Sie scheinen es aber auch nicht so wissen?!
Hans-Dieter Volkmann 15.05.22 18:30
Derk Mielig 15.05.22 16:20 Ehrlichkeit
Herr Mielig, wenn Sie eine Solidaritätsbezeugung nicht von einem Musikwettbewerb (Eurovision Contest ) unterscheiden können, dann werden Sie sich noch lange fragen. Abgesehen davon schau ich mir ein solch qualitativ minderwertiges Angebot der deutschen Musikproduzenten seit vielen Jahren nicht an.
Derk Mielig 15.05.22 17:10
@the Light
Röööööhr!
Hit the Lights 15.05.22 17:00
Herr Gittner
Der glaubt, in seiner falschen überhöhten Selbsteinschätzung und Wichtigkeit, er sei hier ein unabkömmlicher Platzhirsch.
Hit the Lights 15.05.22 16:50
Herr Volkmann
Genau darum schau ich mir seit ca. 20 Jahren diesen Nonsens gar nicht mehr an. Da schau ich mir lieber im Ggs. alte Folgen von Didi Hallervordens Nonstop Nonsens an.
Derk Mielig 15.05.22 16:40
@Gittner
Danke für die Blumen! Aber zu einer CD hat's noch nicht gereicht.
Thomas Gittner 15.05.22 16:30
@ Derk ....Hahaha....
..du bist hier auch teilweise "the Best of"...ist nicht böse gemeint :-)
Derk Mielig 15.05.22 16:20
@Volkmann
Ich frage mich, welche Ehrlichkeit Ihnen bei einer solchen SangSangVeranstaltung, weit unter Welthitniveau zu kurz kam?
Derk Mielig 15.05.22 16:20
@the Lights
Sie scheinen sich sehr für diesen ESC zu interessieren, wieso sollten Sie sich sonst so über ihn echauvieren. Es gibt jetzt übrigens auch eine Best-Of...CD.
Hans-Dieter Volkmann 15.05.22 16:10
Eurovision
Dieser Mangel an Ehrlichkeit ist einfach peinlich.
Hit the Lights 15.05.22 16:00
Eigentlich sollte man für das beste Lied, die beste Performance stimmen. Aber egal, ich schau mir diese peinlich lächerliche Veranstaltung ohnehin nicht da, interessiert mich soviel wie irgendein Stein im Acker, einen Doppelnuller. Nur setzt das einem noch zusätzlich die Krone auf, dass das so politisch länderspezifisch ist.
Derk Mielig 15.05.22 15:40
@the Lights
Was Spaß macht, und niemanden stört, kann nicht sinnlos sein. Das der ESC in diesem Jahr unter dem Eindruck eines Krieges stattfand, lagt ja auf der Hand.
Ich habe auch für die UA gevotet. Es war nicht mehr und nicht weniger als eine Solidaritätsbekundung.
Wer den ESC nicht mag, schaltet nicht ein, habe ich in den letzten Jahren auch so gehalten.
Hit the Lights 15.05.22 15:00
War ja fast zu befürchten. Schiebung. Sinnlose Veranstaltung.
Thomas Gittner 15.05.22 14:00
...ein fairer Wettbewerb ?
....lassen/dürfen Sie jetzt auch Fussballweltmeister werden ?