Die neue ICH - AG von Nai

​Callolo und seine Herzallerliebste - Eine humorvolle Geschichte 

Die neue ICH - AG von Nai

Ich wache auf. Nai ist nicht da. Ich frühstücke, spiele im Internet. Nai bleibt verschollen Ich koche mir eine Suppe, trinke ein Bier und mach mich stadtfein. Ich liebe es nicht, allein zu sein. In meiner Stammkneipe geht es heute hoch her. Carlos, ein Kolumnist vom FARANG, feiert hier heute seinen Geburtstag, und alle Anwesenden sind dazu eingeladen. Der Abend wird lang. Aber als Callolo heimkommt, ist seine Nai immer noch nicht zu Hause.

Na dann, gute Nacht. Am anderen Morgen treffe ich sie gerade noch, als sie das Haus verlassen will. "Darf ich fragen, wohin du gehst?" "Ich gehe zur Arbeit, Callolo". "Seit wann arbeitest du denn?" "Ich arbeite, seit du mir nicht mehr das Geld gibst, das ich brauche, um anständig zu leben".

"Darf ich auch fragen, was du arbeitest?" "Ich helfe Thai-Mädchen, die kein Englisch sprechen, Briefe zu schreiben an ihre Farang-Freunde. "Bettelbriefe." "So würde ich es nicht nennen." "Sondern?" "Die Mädchen bitten um etwas Unterstützung, da sie ihren Freunden treu bleiben und nicht mehr in der Bar arbeiten wollen." "Aber sie arbeiten doch nach wie vor in der Bar". "Callolo, von dem wenigen, das die Farangs schicken, kann man doch keine Familie ernähren".

"Aber es gibt doch viele Mädchen, die mehrere Farangs haben". "Klar. Aber die haben auch größere Probleme, damit es keine Überschneidungen bei den Besuchern gibt." "Und das alles koordinierst du?"

"Immerhin verdiene ich nicht schlecht daran". "Und wo bleibt unsere Gemeinsamkeit?" "Callolo, du sitzt vorm Fernseher, du trinkst Bier, du gehst in deine Stammkneipe. Nennst du das Gemeinsamkeit?" "Immerhin hast du das mehr als acht Jahre lang genossen". "Vielleicht zu lange". "Was willst du damit sagen?"

"Ich will damit sagen, dass ich jetzt mein eigenes Geld verdienen will und nicht mehr von dir abhängig sein will".

"Soll das heißen, dass wir uns trennen?" "Nein, Callolo, dass heißt nur, dass wir jeder ein selbständiges Leben führen, unabhängig und frei".

Sie haucht mir einen Kuss auf die Backe und verschwindet. Irgendwie ist das nicht mehr die ideale Ehe, oder? Nachdem ich darüber einige Zeit nachgedacht hatte, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass sie nicht völlig falsch liegt. Trotzdem überlegte ich, was ich tun könnte, um sie wieder in die Spur zu bringen. Ich schrieb unter falschem Namen einen Brief an eine fiktive Thai und behauptete, ich wüsste, dass alle Briefe erlogen, erstunken und von einer professionellen Briefschreiberin stammten. Der Brief endete mit der Drohung, ich würde diese Briefschreiberin bei meinem nächsten Besuch, der in wenigen Tagen anstand, ausfindig machen und ihre Hände mit einer ätzenden Säure übergießen.

Mit diesem Brief schickte ich eine entfernte Bekannte zu Nai, die ihren Tisch direkt neben der Post aufgestellt hatte. Ich selbst versteckte mich in einer Bar gegenüber und beobachtete die Reaktion meiner Herzallerliebsten. Sie las den Brief mit angespannter Miene mehrmals, wurde dann kreideweiß, zitterte vor Angst und brach fast in Panik aus.

Abends sagte sie zu mir, sie würde sich nach einem anderen Job umsehen, denn sie könnte die Lügen der Thai-Mädchen nicht mehr ertragen.

Ach Nai, wenn du wüsstest.

Callolo und seine Herzallerliebste und Angekommen in der Wirklichkeit

Callolo und seine Herzallerliebste

In 130 heiteren Kurzgeschichten hat Autor Carolus in zwei Büchern sich mit unterschiedlichen Erfahrungen, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Thais und Farangs ergeben, verfasst. Die humorvollen Geschichten behandeln das Eheleben zwischen Nai und Callolo. Im Leben der beiden wird viel Toleranz abverlangt. Dass es trotzdem immer wieder ein Happy End geben kann, beweist der Autor, im ersten Buch, in vielen unerwarteten Entwicklungen. Im zweiten Werk hat der Autor seine „rosarote Brille“ abgenommen und erzählt auf ehrliche und gewohnt charmante Weise über Probleme und Schwierigkeiten, die in seiner nicht mehr ganz taufrischen Beziehung zu Nai entstehen.

Die beiden Taschenbücher können Sie im FARANG-Onlineshop bestellen.

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Norbert K. Leupi 27.06.22 22:40
Und wer erwartet , dass... Herr Maddin
Doch , da gibt es einige Unterschiede , zwischen thail. Bar- oder A GoGo-Girls und europäischen " Dienstleisterinnen " ! Leider darf ich die Gegensätze nicht aufzählen , sonst besteht die Gefahr eines " Zusammenstosses " mit den Kommentarregeln !
Martin Pohl 27.06.22 20:40
....."um sie wieder in die Spur zu bringen"....
Er hätte sich auch über die Abwechslung freuen können. Raus aus dem Trott, ohne nervige Nai. Wieder mehr in die Stammkneipe, sich mit Kumpels treffen, Dinge machen die Nai nicht interessieren. Und da gibt es vieles.
Fakt ist, diese Tätigkeit wäre eh nicht von langer Dauer gewesen. Aber Hauptsache Dominanz zeigen, und dann auch noch mit Betrug, denn was anderes ist es nicht.
Maddin 27.06.22 20:20
Mein Mitgefühl! :-(
Zu "Irgendwie ist das nicht mehr die ideale Ehe, oder?": Das alles klingt nach einer Isaan-Frau, kennengelernt, als sie als Bargirl gearbeitet hat.

Ich kenne 100 solcher Geschichten. Nur wenige gingen gut aus.
Was ich auch immer nicht nachvollziehen kann: In Deutschland würden nur sehr wenige Männer eine Beziehung mit einem Bargirl (z. B. aus dem Frankfurter Rotlichtviertel) anfangen. Warum also gerade in Thailand? Und wer erwartet, dass thail. Bargirls sich von jenen in bsp. Frankfurt unterschieden?