Die Gier nach Tier

Die Gier nach Tier

Der weltweite Fleischverbrauch steigt von Jahr zu Jahr. Gleichzeitig sinken die Fleischpreise, was auf die Massentierhaltung zurückzuführen ist, die immer mehr Kritiker auf den Plan ruft.

Die Entwicklung der Menschheit beruht auf der Ernährung durch Fleisch. In Gemeinschaften wurden die großen Tiere gejagt und verzehrt. Später erfolgte die Viehzüchtung, die inzwischen Formen angenommen hat, die zuvor undenkbar waren. Ob Hühner oder Schweine, sie verbringen ihr kurzes Leben in engen Gefängnissen und werden ebenso brutal geschlachtet. Viele, die dies beobachtet oder im Fernsehen gesehen haben, sind zu Vegetariern geworden. Aber das hat den Fleischkonsum nicht geschmälert. Was früher bei den meisten Familien nur an Festtagen oder an Sonntagen auf den Tisch kam ist heute alltägliche Normalität. Qualität spielt dabei nur eine geringe Rolle. Billig muss es sein, billiger als die Beilagen dazu. Die Bauern und die Viehzüchter klagen überall auf der Welt über den Preisverfall ihrer Produkte. Und je mehr Großbetriebe auf dem Markt sind, umso preiswerter können sie produzieren. Dass eine Sau eingepfercht wird auf einen Platz, der ihr nicht mehr ermöglicht sich umzudrehen, erhöht ihren Marktwert und ihre Ferkel kommen auf diese Weise besser an die Zitzen. Auch Hühner in den Legebatterien können sich kaum bewegen. Ihre Eier kosten nur noch einen Bruchteil dessen, was wir früher dafür zahlen mussten. Dass bei dieser Nähe Krankheiten gedeihen, die mit massiven antibakteriellen Medikamenten bekämpft werden, ist nicht verwunderlich. Das gilt natürlich genauso für die Krabben und Fische, die hierzulande massenweise gezüchtet werden. Das sind Umweltgifte, die auch in den menschlichen Magen gelangen. Wir wissen heute noch nicht wie die langfristigen Folgen aussehen werden. Wissenschaftler sagen, wir seien auf dem Weg uns selbst zu vergiften. In Verbindung mit dem Gemüse, das wir täglich zu uns nehmen und das ebenfalls mit Unkrautvernichtungsmitteln durchsetzt ist, dürfte dieser Befund wohl der Wahrheit sehr nahekommen. Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma? Biofleisch und Biogemüse könnten etwas bewirken. Aber viele haben gar keine Möglichkeit an diese Verkaufsstellen zu kommen. Andere können sich aus finanziellen Gründen diese Ware nicht leisten.

Wissenschaftler arbeiten seit Jahren an der Erforschung künstlicher Nahrung. Schon seit längerem gibt es künstliches Fleisch. Leider schmeckt es auch künstlich. Andere Forscher setzen auf Meeresalgen, die schnell wachsen, nahrhaft und vielseitig verwendbar sind.

Tatsache ist, dass die Menschheit sich ungebremst vermehrt. Immer mehr Menschen wollen täglich ernährt werden. Noch lässt sich die natürliche Nahrungskette erweitern, aber sie kommt an ihre Grenzen. Und dann? Mit künstlichen Gewürzen künstliche Speisen zubereiten? Aus Gras, Holz, Algen wieder aufbereitetem Kompost? Heute schon essen wir angeblich leckeren Joghurt, dessen Vanillegeschmack aus Holzrinde besteht. Alles Müller oder wie?

Ob unsere Enkel noch je in ihrem Leben das Fleisch eines Huhns essen werden, das auf dem freien Bauernhof groß geworden ist? Keine Angst. Auch Astronauten überleben jahrelange Raumflüge mit künstlicher Nahrung aus Dosen. Woraus wir fröhlich schließen dürfen: Wir blicken wundervollen Zeiten entgegen.

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Dieter Kowalski 17.11.20 11:41
Lieber Herr Krüger
Treffender Kommentar zu diesem Thema.
Ich beobachte dass auch in meiner Thai-Familie. Vor 20 Jahren aßen sie zumeist Reis, Gemüse, Chilipasten und vielleicht noch ein paar kleine, frittierte Salzfische. Zum Abschluß vielleicht noch etwas Obst.
Heute ist Fleisch Hauptbestandteil ihrer täglichen Nahrungsaufnahme.
Ich selbst versuche davon wegzukommen und ordere bei meiner besseren Hälfte (sie ist Köchin) öfters gebratenes Gemüse und diverse Tom Yum Versionen mit wenig Fleisch oder Fisch. Selber mache ich mir gerne mal einen Eintopf - auch mit sehr wenig oder ganz ohne Fleisch.
Die Fische züchte ich mir selber, in natürlich angelegten Teichen, ohne Medikamente oder anderer Chemie. Auf Zucht-Garnelen verzichte ich zumeist komplett. - schmecken mir nicht mehr.
Ausnahme sind Wildfänge aus dem Meer.