Die gar nicht so dunkle Seite des Mondes

US-Weltraumbehörde Nasa vom 19.01.2012 zeigt ein Bild von der Rückseite des Mondes. Foto: NASA/dpa
US-Weltraumbehörde Nasa vom 19.01.2012 zeigt ein Bild von der Rückseite des Mondes. Foto: NASA/dpa

BERLIN: Von der Erde aus können wir immer die Vorderseite des Mondes sehen. Die Rückseite erblicken wir nie. Deshalb wird sie manchmal auch dunkle Seite genannt. Dieser Name ist aber nicht ganz richtig.

Eine helle Kugel am Nachthimmel mit ein paar dunklen Flecken darin. So kennen wir den Mond. Dabei fällt auf: Die Flecken sehen immer gleich aus. Das liegt daran, dass der Mond sich uns immer von derselben Seite zeigt.

Wie aber kann das sein? Der Mond umkreist die Erde doch. Müssten wir dann nicht immer mal einen anderen Teil sehen? Die Erklärung lautet: Für eine Drehung um sich selbst braucht der Mond genauso lange wie für eine Runde um unsere Erde: etwa 28 Tage. Deswegen erblicken wir nur die Vorderseite, nie die Rückseite.

Das Ganze ist kein Zufall. Es nennt sich gebundene Rotation. Es kann bei allen Himmelskörpern vorkommen, die sich eng umkreisen, also etwa bei Sonnen, Planeten und Monden. Es hängt damit zusammen, dass sich die Himmelskörper gegenseitig anziehen.

Weil die Rückseite des Mondes den Menschen lange unbekannt war, wird sie manchmal auch dunkle Seite des Mondes genannt. Dieser Name ist aber eigentlich falsch. Der Planetenforscher Ulrich Köhler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt erklärt, warum: «Auch auf dem Mond gibt es Tag und Nacht. Allerdings dreht er sich deutlich langsamer und eine Nacht und ein Tag dauern jeweils etwas mehr als zwei Wochen.»

Mond-Tag und Mond-Nacht kann man gut beobachten. Sehen wir einen Vollmond, ist es auf der Rückseite finster. Ist der Mond als kleine Sichel zu sehen, scheint vor allem auf der Rückseite die Sonne.

Auch wie es auf der hinteren Seite aussieht, ist inzwischen ziemlich klar. Schon vor 60 Jahren machten Satelliten erste Bilder von den Kratern dort. Auch die Astronauten der ersten Mondmissionen schauten sich die Rückseite einmal genauer an. Seit einigen Jahren ist dort sogar ein chinesischer Mondrover namens Jadehase 2 unterwegs und liefert regelmäßig neue Bilder und Videos.

Es sieht dort fast genauso aus wie auf der Vorderseite: viele Krater, Staub und Steine, aber keine Spur von geheimen Weltraumbasen, abgestürzten Raumschiffen oder dem Mann im Mond. Doch es gebe auf dem Mond auch noch unerforschte Orte, erzählt Ulrich Köhler. Ein Beispiel ist der tiefe Shackleton-Krater am Mond-Südpol.

Tief im Krater ist es stockfinster und bis zu minus 200 Grad Celsius kalt. «Dort unten könnte es Eis geben, das einige Milliarden Jahre alt ist und damit aus einer Zeit stammt, als unser Sonnensystem noch ganz jung war», sagt Herr Köhler.

In den kommenden Jahren wollen sich Fachleute den Krater genauer ansehen. Auf die Ergebnisse ist Ulrich Köhler gespannt. «Vielleicht finden wir dort unten neue Hinweise darauf, wie das Wasser eigentlich auf die Erde kam», sagt er. Forschende vermuten, dass ein großer Teil des Wassers einst als Eis aus dem All auf die Erde gelangte.

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