Die Entengrütze ist eine grüne Superwaffe

Den Teich sanieren, Fische aussetzen und für genug Sauerstoff sorgen

Schon halb befreit ist unser Teich von dem potenten, grünen Zeug, alles haben wir von Hand mühsam abgeschöpft. Fotos: hf
Schon halb befreit ist unser Teich von dem potenten, grünen Zeug, alles haben wir von Hand mühsam abgeschöpft. Fotos: hf

Schaufelräder, die Sauerstoff ins Wasser bringen: Schon lange wollte ich unseren Fischteich in Pattaya sanieren. Die grüne Energie dazu stammt von unserer Solaranlage.

Von rund 10.000 Baht im Monat ist unsere Stromrechnung in Pattaya nach dem Einbau unserer Solaranlage auf 1.868 Baht abgesackt. Und tagsüber, wenn die Sonne kräftig scheint, die potentielle Energie im Überfluss vorhanden ist, können wir „gratis“ zusätzliche Aufgaben bewältigen. Die Anreicherung unseres Fischteiches mit Sauerstoff ist eine solche Aufgabe.

Noch stürzen sich unsere Gänse nicht so ganz mit Heißhunger auf die Entengrütze.
Noch stürzen sich unsere Gänse nicht so ganz mit Heißhunger auf die Entengrütze.

Schaufelräder für den Sauerstoff

Im ganzen Land sieht man bei den zahllosen Fischfarmen solche Schaufelräder, die den Sauerstoff ins Wasser bringen, damit die Fische nicht ersti­cken. Solche Dinger wollte ich schon lange, auch, weil sie im Betrieb, beruhigend auf den Betrachter wirken, ähnlich wie ein Wasserfall. In der Nähe von Chachoengsao, wo es viele Fischfarmen gibt, werden wir fündig und kaufen das technische Material. Und – wenn wir schon mal da sind – erstehen wir für gut 4.000 Baht auch gleich Tausende junger Fische.

Doch bevor wir unsere jungen Fische in den Teich entlassen, wollen wir das Grünzeugs, das zentimeterdick auf der Oberfläche schwimmt, entfernen. Ich denke, das sind irgendwelche Algen, werde aber belehrt, dass es sich dabei um sogenannte „Entengrütze“ handelt, auch als Wasserlinsen bekannt. Weil wir sie sehr lange wuchern ließen, funktioniert der Gasaustausch an der Oberfläche nicht mehr richtig. Wir fangen deshalb einmal an, diese nährstoffreiche Entengrütze abzuschöpfen. Das wird mehrere Tage dauern und mehrere Dutzend sensible Jungfische gehen inzwischen drauf.

Zahllose Fische der verschiedensten Arten werden im nun befreiten Teich ausgesetzt.
Zahllose Fische der verschiedensten Arten werden im nun befreiten Teich ausgesetzt.

Unsere Gänse wirken als Kavallerie

Bislang hatten wir eine wenige Pla Bueg – Mekong-Riesenwelse – in unserem Teich, die bis 290 Kilo Lebendgewicht erreichen können und übrigens ganz hervorragend schmecken, eine wahre Fischdelikatesse sind. Sie hat der Teppich von Entengrütze nicht groß gestört und die 20 neuen Jungfische dieser Spezies überleben ebenfalls. Hätten wir Enten, würden diese die Wasserlinsen als Tischlein-Deck-Dich benützen und in kurzer Zeit auffuttern. Wir schicken deshalb unsere Gänse vor, die im Kampf gegen die wuchernde Entengrütze als Kavallerie amten sollen. Doch sie steigen nicht recht in unseren Teich ein, nippen zwar an der Entengrütze, aber futtern sie nicht kiloweise weg. Ganz im Gegensatz zu unseren Legehennen, die das Zeugs mit Inbrunst vertilgen, aber da müssen wir es zuerst mühsam von Hand abschöpfen.

Im Moment haben wir eine Art Gleichgewicht gefunden: Dank manuellem Abschöpfen habe wir die Schicht der Entengrütze markant reduziert und bringen augenblicklich dank unserer simplen Maschine mit den Solar betriebenen Schaufelrädern genügend Sauerstoff ins Wasser unseres Teiches. Und vielleicht kommen die Gänse noch auf den Geschmack und halten die Wasserlinsen in Schach, was auch insofern wünschenswert wäre, als das Gänsefutter preislich um rund 50 Prozent teurer geworden ist.

Sonst müssen wir schon bald wieder Hand anlegen und die Entengrütze erneut abschöpfen. Denn das Zeugs vermehrt sich an der Sonne rasend schnell. Sie kann ihre eigene Biomasse unter optimalen Bedingungen innerhalb von nur einem Tag verdoppeln, reinigt dabei das Wasser und produziert nährstoffreiches Tierfutter oder Pflanzenmasse zum Kompostieren. Das ist alles sehr positiv, eine grüne Superwaffe gewissermaßen.

Lässt man sie allerdings ungebremst, unkontrolliert wuchern, verdrängt die Entengrütze alle anderen Pflanzen und unsere lieben Fische ersticken…


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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Klaus Roeper 27.03.22 05:06
Super !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ein ganz herzliches Dankeschön an Sie lieber Herr Fritschi ! In diesen dunklen Zeiten lenken Sie meinen Blick auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben, das andere können wir eh nicht ändern. Sie tragen dazu bei das die Bodenhaftung nicht verloren geht. Danke und Chapeau !!!!!!!!!! Bitte weiter so !
Dieter Kowalski 15.03.22 09:50
Ich verwende die üppig wuchernden Wasserlinsen des einen Teiches (nur mit Welsen besetzt die dieses Zeugs nicht fressen) um die Friedfische des anderen Teiches zu füttern. Eine Win-Win Situation und den Fischen schmeckt es. Ein voller 10L Wasserkübel ist in minutenschnelle aufgefuttert.