Die Bollwerke gegen das große Wasser

In der Trockenzeit kann man sich gut auf die kommende Regenzeit vorbereiten

Die Früchte des Gurkenbaums wachsen sehr rasch und üppig, doch sind sie leider eben ziemlich sauer. Fotos: hf
Die Früchte des Gurkenbaums wachsen sehr rasch und üppig, doch sind sie leider eben ziemlich sauer. Fotos: hf

Im hinteren Teil des Grundstücks in Pattaya fließt meistens ein Bach, in der Regenzeit – nach heftigen Gewittern – mitunter ein reißender Fluss. Doch jetzt fließt gar nichts mehr, es ist knochentrocken. Nur noch ein paar isolierte Wasserlöcher – von Teichen kann man kaum mehr sprechen – sind den Gänsen zum Schwimmen verblieben.

Gefüllte Betonringe stabilisieren einen Damm.
Gefüllte Betonringe stabilisieren einen Damm.

Heiß bis sehr heiß ist es momentan und unglaublich trocken. Wir kommen kaum nach mit dem Wässern der vielen Topfpflanzen, die dringend täglich einen guten Schluck zum Überleben brauchen. Unsere Hauptbohrung für das Wasser im Garten ist rund 30 Meter tief, doch wenn wir 5 oder 6 Stunden am Stück Wasser heraufpumpen, kommt manchmal nichts mehr, weil das begehrte Nass unterirdisch nicht rasch genug nachfließen kann. Wir wässern deshalb nun am Morgen in der Früh und am späteren Nachmittag.

Gute Zeit für den Bau von Brücken

Eine unserer Brücken über den Hauptbach ist ramponiert. Als sie der schwere Löffelbagger vor etlichen Monaten überquert hat, ist sie fast zusammengefallen, Risse, wie nach einem Erdbeben, haben sich aufgetan. Nun, wo das Wasser hier ganz verschwunden ist, können wir sie reparieren.

Zur Verstärkung versenken wir ein paar Betonringe in den Untergrund und füllen sie mit Beton. Darauf kommen übrig gebliebene Betonpfähle, die normalerweise dem Stacheldraht als Halterung dienen. Dann kommt noch viel Eisen über die baufällige Altbrücke und als Letztes füllen wir mit viel Beton auf. Am Schluss steht da ein wahres Bollwerk gegen die Wassermassen, das so schwer in der Landschaft liegt, dass auch Hochwasser es nicht mehr zu bewegen vermag. Und dank der Armierungseisen sollte nun auch der Löffelbagger, den wir bestimmt wieder einmal brauchen, problemlos hier durchkommen.

Auch tolle Blüten produziert unser Gurkenbaum.
Auch tolle Blüten produziert unser Gurkenbaum.

Weiter unten ist ein Damm von den Fluten der Regenzeit teilweise gebrochen worden. Betonringe, die wir mit Erde gefüllt hatten, sind stehengeblieben. Wir verstärken diese mit größeren Ringen und flicken die Durchbruchsstelle auf die gleiche Weise. Zudem pflanzen wir Papyrus-Pflanzen in die Zwischenräume. Die haben weiter oben mit ihren starken Wurzeln einen „natürlichen“ Damm produziert, das Wasser macht nun dort einen Bogen um diese Pflanzen.

Der Gurkenbaum blüht und trägt

Die Parana-Pinien (Araucaria angustifolia), die wir als essbare Samen vor etwa vier Jahren aus Brasilien mitgebracht hatten, sind teilweise gut gewachsen, großmehrheitlich aber sind sie eingegangen. Die letzten Überlebenden müssten schon lange in den Boden, jetzt, in dieser so trockenen Zeit, geschieht das endlich. Um ihre Überlebenschancen zu erhöhen, arbeiten wir mit Mulch. Das heißt, wir überdecken etwa die Kronenfläche über den Wurzeln mit kleinen Holzkohlestückchen, dann noch mit gehäckseltem Gartenabfall und etwas Kuhmist. Das hilft mit, die Feuchtigkeit im Boden zu halten, und es erhöht die Fruchtbarkeit des Bodens unverzüglich und nachhaltig. Bei den frisch gepflanzten Avocados hilft das ebenfalls sofort und sichtbar.

Völlig unbeeinflusst von der Trockenzeit zeigt sich hingegen der Gurkenbaum (Averrhoa bilimbi), der nicht nur heftig blüht, sondern gleichzeitig viele saure Früchte bildet. Vor vielleicht einem halben Jahr haben wir ihn gepflanzt und nun trägt er bereits erstmals üppig ziemlich saure Früchte. Wenn sie gelb-grün werden sind sie reif. Sie sind eng verwandt mit den Sternfrüchten des entsprechenden Baums (Averrhoa carambola). Wir freuen uns über diesen so produktiven Gurkenbaum, dessen Name uns zum Schmunzeln bringt.

Und dann regnet es doch plötzlich für etwa drei Stunden und kühlt herrlich ab. Für einmal müssen wir nicht wässern.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an hansfritschi1957[at]gmail.com oder besuchen Sie seine Webseite  oder Facebookseite.

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