Deutschland will Gespräche mit Russland über Sputnik V

Bundesgesundheitsminister Spahn besucht Impfzentrum. Foto: epa/Michael Kappeler / Pool
Bundesgesundheitsminister Spahn besucht Impfzentrum. Foto: epa/Michael Kappeler / Pool

BERLIN/BRÜSSEL: Deutschland will mit Russland über mögliche Lieferungen des Corona-Impfstoffs Sputnik V sprechen.

Die EU-Kommission habe erklärt, dass sie über das russische Präparat keine Verträge wie mit anderen Herstellern schließen werde, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag im WDR5-«Morgenecho». Daraufhin habe er bei einer Videokonferenz der EU-Gesundheitsminister erklärt, «dass wir dann bilateral auch mit Russland reden werden».

Zugleich betonte Spahn, dass es zunächst eine Zulassung des Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittelagentur EMA geben müsse. Dafür müsse Russland Daten liefern. Auch müsse geklärt werden, wie viel Impfstoff Russland kurzfristig liefern könne.

Einige deutsche Bundesländer haben aber schon vor einer möglichen EU-Zulassung Alleingänge gestartet. Bayern unterzeichnete am Mittwoch einen Vorvertrag über 2,5 Millionen Sputnik-Dosen, Mecklenburg-Vorpommern zog am Donnerstag mit einer Option auf eine Million Dosen nach.

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hatte Anfang März ein Prüfverfahren für Sputnik V im Rahmen einer sogenannten Rolling Review begonnen. Dabei werden Testergebnisse bereits geprüft, auch wenn noch nicht alle Daten vorliegen und noch kein Zulassungsantrag gestellt wurde.

Im April wollen EMA-Experten Produktion und Lagerung des Impfstoffs in Russland begutachten. Die EU-Staaten Ungarn und Slowakei haben Sputnik bereits auf eigene Faust angeschafft, Ungarn erteilte eine Notfallzulassung.

Bislang hatte Deutschland Impfstoff ausschließlich zusammen mit den anderen EU-Staaten angeschafft. Diesen Weg hatte die deutsche Regierung auch für Sputnik V gefordert - und eine Absage kassiert. Ein Sprecher der EU-Kommission betonte am Donnerstag jedoch, ein Vorgehen wie das von Deutschland bedeute nicht das Ende der europäischen Impfstoff-Strategie. Vielmehr stehe es Ländern frei, bilateral Impfstoff zu beschaffen, der nicht Bestandteil des gemeinsamen Vorgehens sei.

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