Deutschland wählt neuen Bundestag - Ende der Ära Merkel

Die Bundeskanzlerin Angela Merkel in Seedorf. Foto: epa/Friedemann Vogel
Die Bundeskanzlerin Angela Merkel in Seedorf. Foto: epa/Friedemann Vogel

BERLIN: Es bleibt spannend bis zum Schluss. Am Sonntag entscheidet Deutschland über die Merkel-Nachfolge.

In Deutschland wird am Sonntag ein neuer Bundestag gewählt. Die Parlamentswahl besiegelt das Ende der Ära von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die nach fast 16 Jahren Amtszeit nicht mehr kandidiert. Erstmals in der Geschichte des Landes tritt damit ein amtierender Kanzler nicht wieder an.

Rund 60,4 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, über die politischen Kräfteverhältnisse in Europas größter Volkswirtschaft für die kommenden vier Jahre zu entscheiden. Der Bundeskanzler wird in Deutschland nicht direkt gewählt, sondern vom neuen Parlament.

Die Person des Spitzenkandidaten spielt allerdings bei der Entscheidung für eine Partei eine große Rolle. Merkels Christdemokraten (CDU) und deren bayerische Schwesterpartei CSU haben den CDU-Vorsitzenden und nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (60) als gemeinsamen Kanzlerkandidaten aufgestellt.

Die Sozialdemokraten (SPD) gehen mit Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (63) ins Rennen, die Grünen mit ihrer Co-Vorsitzenden Annalena Baerbock (40). Es ist das erste Mal in der gut 40-jährigen Geschichte der Öko-Partei, dass diese eine Kanzlerkandidatin nominiert.

Scholz genießt unter allen drei Kanzlerkandidaten in der Bevölkerung die höchste Zustimmung. Im jüngsten ZDF-Politbarometer war er der einzige der drei Bewerber, den eine Mehrheit der Befragten als geeignet für das Kanzleramt hält.

Die SPD hat in den Umfragen in den vergangenen Wochen die CDU/CSU von ihrer langjährigen Position als stärkste politische Kraft im Lande verdrängt. Jene rangiert derzeit vor den Grünen auf Platz zwei. Sie konnte den Abstand zur SPD aber zuletzt wieder verkürzen.

Im Bundestag dürfte vermutlich nur ein Bündnis aus mindestens drei Parteien eine Mehrheit der Sitze erreichen. Der Kanzlerwahl könnten langwierige Sondierungen und Koalitionsverhandlungen vorausgehen. Bei einem knappen Wahlausgang wäre es möglich, dass sowohl Scholz als auch Laschet eine Regierungsoption hätten.

Merkels Amtszeit endet mit der Konstituierung des Bundestags einen Monat nach der Wahl. Sie würde aber bis zur Vereidigung eines Nachfolgers geschäftsführend im Amt bleiben.

Derzeit wird Deutschland von einer schwarz-roten Koalition aus CDU/CSU und SPD regiert. Bei der Bundestagswahl 2017 wurde die Union mit 32,9 Prozent stärkste Kraft, gefolgt von der SPD mit 20,5 Prozent. Die rechtspopulistische AfD zog mit 12,6 Prozent erstmals ins Parlament ein. Viertstärkste Fraktion wurde die FDP (Liberale) mit 10,7 Prozent vor der Linken (9,2) und Grünen (8,9).

Zeitgleich mit der Bundestagswahl werden in den Bundesländern Berlin und Mecklenburg-Vorpommern neue Regionalparlamente gewählt. In beiden Ländern liegen die Sozialdemokraten in den Umfragen vorne. In Berlin könnte erstmals eine Frau, die frühere Familienministerin Franziska Giffey, Regierende Bürgermeisterin werden. In Mecklenburg-Vorpommern ist Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die Wiederwahl so gut wie sicher.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Dracomir Pires 25.09.21 14:50
Gottseidank geht sie endlich,
aber der Schaden, den sie in ganz Westeuropa mit ihrem fürchterlichen "Wir schaffen das" nachhaltig angerichtet hat, ist leider nicht wieder gutzumachen.
Ingo Kerp 25.09.21 14:30
Was ist daran spannend? Entweder gewinnt die CDU oder die SPD. Andere Siegerergebnisse hat es seit Mai 1949 nicht gegeben.